Die deutsche Sprache ist liebenswert, leicht zu lernen, flexibel und integrativ, sagt Roland Kaehlbrandt. Eine unkonventionelle Ansicht, die wir vollumfänglich teilen. Doch was für die deutsche Sprache gilt, das gilt nicht unbedingt auch für die Deutschen. Denn das Wort Ausländer hat bei uns so ein Geschmäckle. Bei der Studienstiftung ist die Frage deshalb, ob Mutter und Vater in Deutschland geboren sind. Falls nicht: Migrationshintergrund. Bei uns im Norden wird das nicht so locker gesehen. Ein echter Bremer ist jemand, dessen Eltern in Bremen geboren wurden. Bei waschechten Bremern muss dies auch auf die Großeltern zutreffen. Mehr trauen sich selbst die traditionsbewussten Hanseaten nicht. Sie wissen, wenn man nur weit genug zurück blickt, dann sind wir alle Ausländer.
Dabei ist das Eltern-Großeltern-Kriterium noch harmlos. Richtig Hartgesottene vermuten genetische Unterschiede, natürlich weil sie keine Ahnung haben. Denn 40 zufällig ausgewählte Affen aus dem afrikanischen Urwald besitzen eine größere genetische Variation als alle 8 Milliarden Menschen auf der Erde. Das liegt daran, dass nur sehr wenige unserer Vorfahren die Migration von Afrika in den Nahen Osten, weiter nach Europa, Fernost und auf den amerikanischen Kontinent geschafft haben. Von diesen winzigen Grüppchen stammen wir alle ab. Das verbindet uns, zumindest genetisch. Doch solche Details haben Rassisten und Xenophoben noch nie interessiert. Irgendwann ist es ja auch mal gut mit der Wissenschaft. Da muss man einfach eine Entscheidung treffen. Darüber, wo man in der Frage steht. Darüber, wer hier so rumlaufen soll.
Natürlich kann man sich über diese Sichtweise lustig machen, doch das ist nicht sinnvoll. Denn auch diese Menschen haben einen Punkt. Nur können sie den meist nicht schlüssig formulieren, weil sie schon bei dem Gedanken, jemand könne anderer Meinung sein, einen dicken Hals bekommen. Welchen Punkt haben sie also? Sie haben Angst. Angst vor dem Verlust ihrer Identität und ihres Wohlstands. Berechtigte Angst, denn Ausländer millionenfach ins Land zu holen und ihnen ein bedingungsloses Grundeinkommen zu zahlen, das ist natürlich ein Unding. Quatsch mit Soße oder Tünkram, wie es in Bremen heißt. Das Gutgemeinte frustriert alle Beteiligten und nährt das Böse.
Wir im Fitnessclub sehen täglich beide Seiten. In letzter Zeit sind viele Assis bei Euch, hieß es vor Jahren mal in einer Google-Bewertung. Für Berlin-Marzahn? Nein, für Weinheim, eine württembergische Kleinstadt, umgeben von Wäldern und Weinbergen. Wahrscheinlich beginnt das finstere Ausland für die Autorin schon im Gorxheimertal.
Doch grundsätzlich trainieren in unseren Fitnessclubs viele Menschen mit Migrationshintergrund, und viele ohne. Beide Gruppen von Mitgliedern bestehen aus Menschen, die etwas erreichen möchten. In sportlicher, materieller und in zwischenmenschlicher Hinsicht. Leute, die aufgeschlossen sind und Spaß haben wollen. Personen also, die man in allen Lebenssituationen gern um sich hat. Wir jedenfalls.
Deshalb ist bei uns jeder willkommen, der Sport mag, seine Mitmenschen respektiert und vernünftig mit dem Inventar umgeht. Egal, wo Mutter, Großmutter, Urgroßmutter, Ururgroßmutter usw. geboren sind. Das fragen wir gar nicht erst, weil wir es uns ohnehin nicht merken können, und auch nicht merken wollen.