Samstag, 1. August 2026

Krafttraining – Power To The People

Die Geschichte der Welt ist leider auch eine Geschichte menschlicher Gewalt. Wann immer eine ausreichend geschwächte Gesellschaft auf starke Persönlichkeiten mit Zugang zu den nötigen Ressourcen trifft, ist früher oder später ein Ausbruch von Gewalt zu erwarten. Dabei ist es egal, ob die betreffende Gesellschaft materiellen Reichtum besitzt, kulturell hochentwickelt oder zutiefst moralisch verfasst ist. Notwendig ist lediglich, dass sie die Kraft und den Willen verloren hat, sich gegen Aggressoren zu verteidigen. Denn die gibt es überall. Auf dem Schulhof, im Militär, in Wirtschaft und Politik. Mächtige Staaten werden von ihnen geführt, nicht selten in kriegerische Auseinandersetzungen.

Gern wird zudem vergessen, dass zahlreiche gesellschaftliche Errungenschaften, auf welche wir zu Recht stolz sind, ebenfalls auf Gewalt basieren. Der Rechtsstaat beispielsweise, der Schutz von Minderheiten und Landesgrenzen und auch der Sozialstaat. Der Betrieb und Fortbestand dieser Institutionen ist darauf angewiesen, dass Menschen in ihre Schranken verwiesen werden, um die allgemein akzeptierten Regeln des Zusammenlebens zu schützen. Vor dem Immobilienentwickler, welcher sich durch Bestechung Vorteile verschafft, dem Drogenhändler am Bahnhof, dem Bürgergeldempfänger, der arbeiten kann, es aber nicht will, und so weiter.

Eine eigenwillige Form des Selbstschutzes propagiert die US-amerikanische National Rifle Association, ein Gewehr in jedem Haus. Zum Glück hat sich das bei uns nicht durchgesetzt. Daher stehen jährlich 20.000 Todesopfer durch Schusswaffen in den USA rund 70 bei uns gegenüber. Doch auch der vielseitig propagierte absolute Gewaltverzicht war in der Geschichte kein Erfolgsrezept. Das ist außerordentlich schade. Weil es natürlich schöner wäre, wenn freier Informationsfluss, Reisen und Bildung über Zeit ein Umfeld erschaffen würden, in dem Gewalt keine Rolle mehr spielt. Geträumt wird dieser Traum immer wieder, bei uns zuletzt in den 90ern, als das Internet zum universellen Heilsbringer erklärt wurde. Was sollte das Netz nicht alles in Ordnung bringen? Die Macht der Konzerne brechen, Völkerverständigung verwirklichen, Unterdrückung und Krieg unmöglich machen, kostenfreie Bildung für jeden, die Privatsphäre schützen. Tja, mit bekanntem Ausgang.

Natürlich ist fortschreitendes Wissen hilfreich, denn damit wächst oft auch das Verständnis für Andere und der Wille zur Kooperation. Doch ebenso wichtig ist es, dass Aggression, jede Form der Vorteilsnahme durch Androhung oder Ausübung von Gewalt, mit offensichtlichen Risiken verbunden ist. Denn Gewalt kann dauerhaft nur eingehegt werden, wenn der Aggressor selbst Angst vor den negativen Auswirkungen ihrer Anwendung hat. Wehrhaftigkeit heißt dieses Konzept für Staaten. Für den Einzelnen heißt es Fitness. Es ist sinnvoll, diese nicht nur zu besitzen, sondern auch öffentlich zu zeigen. Potenzielle Aggressoren müssen wissen, was auf sie zukommt, um ihr Verhalten anzupassen. 

Das klingt schrecklich martialisch und unzivilisiert, nach primitiver Propaganda für eine Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt. Doch es lohnt sich auch für eingefleischte Pazifisten und bedingungslose Menschenfreunde, diesen Gedanken weiterzudenken. Vielleicht kommen sie dabei nicht zur altrömischen Erkenntnis: Wenn du den Frieden willst, rüste zum Krieg. Doch logisches Denken und Berichte über die öffentliche Sicherheit auf unseren Straßen führen schon in eine etwas robustere Richtung. 

Für den Einzelnen sind Muskeln und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten besser geeignete Selbstschutzmaßnahmen als die Walther P5 im Holster oder eine Kalaschnikow im Kleiderschrank. Statt auf einen starken Staat zu hoffen oder bloß rumzujammern, fängt man besser bei sich selbst an. Das ist anstrengend, doch es lohnt sich.


Mittwoch, 1. Juli 2026

Pilze – Entangled Life

Pilze finden in der Fitness wenig Beachtung. Dies obwohl die Pilzsuche recht anstrengend ist und seit Jahrhunderten praktiziert wird. Vermutlich ist der Grund hierfür, dass Pilze kaum relevante Nährstoffe enthalten. Sie sehen gut aus, schmecken, es gibt sie an jeder Ecke, doch sie besitzen kaum etwas, das wir als gesund bezeichnen würden. Eigenschaften selbstverständlich, die Pilze mit Energydrinks teilen, welche sehr wohl zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit konsumiert und in der Fitness diskutiert werden.

Im Gegensatz zu Energydrinks erfüllen Pilze jedoch Funktionen, welche ihre Nennung in einem Satz mit Fitness durchaus rechtfertigen. Sie sind die geheime Supermacht der Natur. Ihre Bedeutung verbirgt sich dem Auge des Betrachters. Tatsächlich sind Pilze jedoch eine der treibenden Kräfte für Wachstum und Gesundheit der Pflanzenwelt. In der Natur hat die Fitness zentrale Bedeutung für die Länge des Lebens. Beim Menschen ist sie für die Qualität des Lebens verantwortlich. Der Waldboden verdeckt die immense Bedeutung der Pilze in der Natur. Bei Menschen verdecken ÖPNV, Rollatoren und Medikamente die Bedeutung der Fitness. Doch diese Verschleierungen ändern nichts daran, dass in der Natur Pilze und für uns die Fitness entscheidend sind.

Menschen, denen der Pilz-Teil dieser Aussage neu ist, empfehlen wir Merlin Sheldrake, der ein außergewöhnliches Buch über Pilze geschrieben hat. Er ist Biologe, kein abgedrehter Hippie oder ausgerasteter Förster. Er beschreibt einfach nur, was Pilze so machen, und das ist äußerst beeindruckend. Es beginnt damit, dass Pilze eigentlich kleine Fäden, Hyphen genannt, sind. Die Gesamtheit dieser Fäden heißt Myzelium, welches eine derart extreme Gesamtlänge besitzt, dass Sie damit das halbe Universum verpacken können. Pilze sind zudem nicht wirklich Pflanzen, weil sie, wie Mose und Flechten, vor rund einer Milliarde Jahren aus im Wasser lebenden Einzellern entstanden sind. Jeder weiß, dass Pilze abgestorbenes biologisches Material zurück in Nährstoffe verwandeln, von denen sich Pflanzen und Tiere ernähren. Doch sie können auch Steine spalten und Gifte neutralisieren. Wenig bekannt ist zudem, dass sie das unterirdische Kommunikationsnetz bilden, welches Pflanzen nutzen um Nährstoffe untereinander auszutauschen und sich gemeinsam gegen widrige Umwelteinflüsse und Angreifer zu wehren. James Cameron hat aus der Kenntnis dieser Tatsache das imposante Filmepos Avatar geschaffen.

Dennoch sind Pilze in der Wahrnehmung vieler Menschen lediglich günstige Nahrungsmittel, so wie Kartoffeln, Zwiebeln oder Feldsalat. Analog hierzu erscheint das Fitnesstraining Vielen als eine Form von Eitelkeit. Der bekannte Werbespruch, Einfach besser aussehen, haut in diese Kerbe. Doch ebenso wie die Einschätzung, Pilze seien mit Kartoffel vergleichbar, beruht auch die Ansicht, Fitnesstraining sei profane Selbstoptimierung, auf einer substantiellen Fehleinschätzung. 


Montag, 1. Juni 2026

Zeit – Nehmen oder eben nicht

Anruf einer äußerst sympathischen Dame: Ich schaffe es nicht mehr zum Training, muss mich jetzt um die Enkel kümmern. Ja, haben wir das eben richtig verstanden? Gerade weil Sie sich um die Enkel kümmern müssen, ist Sport für Sie unverzichtbar. Die Kleinen werden nicht den Nachmittag lang Klimmzüge am Rollator machen, wenn es bei Ihnen im Kreuz zwickt. War zumindest bei Unseren nicht unter den Top-10. Für junge Menschen hat es kaum Konsequenzen, das Thema Fitness etwas zu schieben. Mach ich nächste Woche. Doch im Alter ist das weniger empfehlenswert. 

Es gibt Menschen, die trinken gern Karottensaft. Glückspilze. Karottensaft ist aber auch dann gesund, wenn Sie ihn nicht mögen. Der Konsum erfordert in diesem Fall jedoch den Willen, gesund zu bleiben, und die Bereitschaft, etwas dafür zu tun. Ebenso ist es beim Sport. Wo steht geschrieben, dass Fitness Spaß machen muss oder eine Freizeitbeschäftigung ist?

Manche machen Fitness zum Beruf, Arnold Schwarzenegger beispielsweise. Das ist extrem. Geldverdienen ist ein starker Motivator. Dem sind in dieser Branche jedoch enge Grenzen gesetzt, wie Arnie rasch gemerkt hat. Das Resultat seines daraufhin entwickelten Engagements in der Filmbranche, Conan der Barbar, hat niemanden überzeugt. Aber er ist dran geblieben und hat einiges auf die Beine gestellt, ohne zu vergessen, wo er herkommt. Welches Rollenmodell haben Menschen im Kopf, die meinen, es sei möglich, Karriere und Fitness völlig zu trennen, das Michelin Männchen? 

Hab keine Zeit, bedeutet eigentlich, dass man keine Lust hat. Die brauchen Sie aber auch nicht unbedingt. Es reicht völlig, wenn Sie ein inneres Verständnis dafür entwickeln, dass ohne regelmäßigen Sport Ihre Chancen auf ein entspanntes und heiteres Leben sinken. Nicht auf null, aber in zunehmend spürbarem Maße. 

Wir alle ziehen bei Geburt ein biologisches Los. Die Qualität unserer Physiologie, besonders ihre Leistungsfähigkeit im Alter, bleibt lange Zeit ein Geheimnis. Wenn Sie merken, was auf Ihrem Los steht, kann schon irreparabler Schaden entstanden sein. Für viele Menschen ist es deshalb besser, sich nicht auf ihr Los zu verlassen. Eine Niete anzunehmen, und Sport von vornherein nicht als Teil der Freizeit zu betrachten, sondern als notwendige Voraussetzung für beruflichen Erfolg und ein erfülltes Leben. 

Bei uns sind Sie willkommen, so oder so.


Freitag, 1. Mai 2026

Milliardäre – Some Like It Hot

Rainer Schaller hat es wohl geschafft, Rene Moos vielleicht auch. Doch ansonsten müssen Sie in der Fitness nach Milliardären suchen, weil es kaum welche gibt. Warum ist das so?

Erster Grund: Um in der Fitness eine Milliarde zu verdienen, müssen Sie ein recht großes Geschäft aufbauen. Sie benötigen mindestens 400 Clubs, falls Sie Alleingesellschafter sind und sich aus dem Cash Flow finanziert haben. Für den Fall, dass Sie Geld über Private Equity oder die Börse besorgt haben, müssen es einige tausend Clubs sein. Derart große Ketten sind selten.

Zweiter Grund: Sie dürfen keine groben strategischen Fehler begehen, auf Luxus, Franchise oder Technologie setzen zum Beispiel. Viele Unternehmer in der Fitness haben dies getan. Damit kann man ohne Zweifel Geld verdienen, aber nicht in dieser Größenordnung. Das lukrativste Luxusimperium ist LVMH, eine Rechtefirma ohne nennenswerte Flächenpräsenz. Das erfolgreichste Franchise der Welt ist McDonald‘s, weil es neben einer starken Marke auch jede Menge Immobilien besitzt. Dies trifft aber auf keinen einzigen Fitnessbetrieb zu. Technologie in Form von künstlicher Intelligenz oder Virtual Reality führt meist zu weniger, nicht zu mehr Bewegung im Alltag. Auch das ist also eher kein Wachstumstreiber für Ihr Geschäft.

Dritter Grund: Unternehmer in der Fitness verlieben sich häufig in sich selbst. Sie hören auf, andere Meinungen zu hören, und entscheiden regelmäßig aus dem Bauch heraus. Das sind schon in Branchen, die sich kaum verändern, schlechte Voraussetzungen. In der Fitness ist dies eine unblutige Form des Harakiri, der ultimative geschäftliche Erfolg wird unerreichbar, meist kollabieren die Unternehmen kurz, nachdem die Gründer zum Mann oder zur Frau des Jahres gewählt wurden. Die Branche ist für so etwas schlicht zu komplex und dynamisch. Allein schaffen Sie die Betreuung und stetige Weiterentwicklung hunderter oder tausender Anlagen nicht: Clubs nach Schema F entstehen, denen die lokale Einbettung fehlt, oder sie bauen ein Potpourri von mittelmäßigen Konzepten auf, das weder profitabel noch sinnvoll führbar ist.

Vierter Grund: Ein Milliardenunternehmen führt man nicht allein. Doch in der Fitness ist es schwierig, kompetentes Personal zu finden, welches Sie nicht betrügt. Gerade wenn Sie auf rasches Wachstum setzen, gibt es für Ihr Team und die Berater vielfältige Möglichkeiten, die Firma durch Kickbacks auszulaugen. Dies führt zu erhöhten Anschaffungskosten für neue Clubs, welche zunächst aktiviert werden und nicht weiter auffallen. Über Zeit steigern diese jedoch Ihre Verschuldung und treiben einen massiven Keil zwischen EBITDA und Cash Flow. Das gefährdet den Erfolg Ihres Projektes, weil dadurch eine dauerhafte Abhängigkeit von Finanzierungspartnern entsteht. Von Partnern also, die irgendwann in naher Zukunft mit Sicherheit die Nerven verlieren, wenn Ihre Versprechungen wieder und wieder unerfüllt bleiben.

Falls Sie es dennoch schaffen, sind Sie ganz oben angekommen. Große und profitable Fitnessfirmen sind ein dankbares Geschäft, an dem Sie jahrzehntelang Freude haben können. Insofern Sie dann die Gesellschaft der Schönen und Reichen suchen, stehen Ihnen alle Türen offen. Celebrities erscheinen gern sportlich, um den Mythos Ihrer Unsterblichkeit zu nähren. Zwar hat sich in deren Welt seit Billy Wilders Zeiten einiges getan, aber sein Erfolgsfilm aus dem Jahr 1959 bleibt in gewissem Maße instruktiv. Leider lebt Marilyn Monroe nicht mehr, falls Sie auf Frauen stehen, und auch Tony Curtis nicht, andernfalls. Auf diesem Gebiet müssen Sie sich also neu orientieren. Vielleicht mit Ana de Armas oder Chris Evans. 

Wir wünschen Ihnen Erfolg. Sie tun nun Dinge, auf die nicht einmal Billy Wilder und seine Crew gekommen sind. Das will schon etwas heißen, denn deren Streifen hat in der Filmbranche damals Maßstäbe gesetzt.

Mittwoch, 1. April 2026

Sauna – Das bisschen Haushalt, sagt mein Mann

Wir lieben Saunen. Nicht dass wir welche hätten, aber durch eine hochwertige Saunaanlage zu spazieren, ist ebenso schön, wie über einen Golfplatz zu laufen. Unabhängig vom Handicap. Saunaanlagen haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie viele Nutzer dazu anregen, auf ihren Körper zu achten. Nicht alle selbstverständlich.

Was in Fitnessclubs als Sauna bezeichnet wird, verdient den Titel aber meist nicht. Dunkelkammer oder Schwitzkasten wären geeignetere Bezeichnungen. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Saunen ist gesund, sagen manche. Wir glauben, dass echte Saunen ein Lifestyle-Erlebnis ermöglichen. Einen mentalen Urlaub von der Lebenswirklichkeit. Ein günstiges und äußerst lohnendes Vergnügen. Dazu brauchen sie eine gewisse Größe. 20.000 Quadratmeter Grundfläche inkl. Park sind eine solide Basis, 10.000 noch sehr gut. Versuchen Sie diesen Flächenbedarf so zu schrumpfen, dass er in eine Fitnessanlage passt, dann passiert Folgendes.

Das Erlebnis wird vollständig transformiert. Kann ich mal durch? Manchen ist das genug. Vielen nicht. Das Problem ist, dass der Schwitzkasten, der für manche akzeptabel ist, von allen bezahlt werden muss. Die Betriebskosten einer Saunaanlage sind durch Energie, Hygiene und Instandhaltung hoch. Auch die jährlichen Kostensteigerungen sind signifikant. Dasselbe, nur mit Turbo, gilt für Pools. Schlagen Sie diese Kosten auf den regulären Preis einer Mitgliedschaft drauf, dann reduzieren Sie die realistisch erreichbare Mitgliederzahl Ihrer Anlage deutlich. Zudem erhöhen Sie die Kündigungsquote der nicht-saunierenden oder badenden Mitglieder. Optionsmodelle machen die Sache noch schlimmer. Sie zeigen jeden Monat auf schmerzliche Weise, wie grotesk Ihre Fehlentscheidung war.

Es gibt natürlich Ausnahmen, aber nur wenige. Sind eine Sauna oder ein Pool erst einmal da, dann werden Sie diese so leicht nicht wieder los. Seltener wischen, später aufsperren, Temperatur reduzieren, Sitzbänke und Fugen sind noch OK. Die Sauna- und Badejünger unter Ihren Mitgliedern bekommen Schaum vor dem Mund, und Sie erhalten direktes Feedback über die Sozialen Medien. In Bild, Schrift und Ton. Ultima Ratio in vielen Fällen: Rausreißen und Massagestühle aufstellen.

Überlegen Sie also sorgfältig, bevor Sie bei der Sauna auf den Knopf - Jetzt kaufen - klicken.


Sonntag, 1. März 2026

Motivation – Round and Round We Go

Sisyphus schafft das Unglaubliche, er rollt den riesigen Stein den Hügel rauf. Ganz rauf? Nein. Die Realität holt ihn ein, und der Stein rollt zurück, bis ganz nach unten. Früher, als die Physik noch nicht so weit war, hieß das Strafe. Heute nennen wir es Entropie. Ältere Menschen haben dafür ein anderes Verständnis als Junge. Dennoch ist es für beide wesentlich, zu verstehen, dass auch im Fitnessclub unabhängig vom Niveau der Anstrengung nichts final erreicht wird. Stattdessen ist man ständig unterwegs. Daher gehört die Motivation von Mitgliedern zu einem stetigen Training zu den Hauptaufgaben eines Fitnessclubs. Gute Clubs erreichen dies einerseits durch persönliche Ansprache und andererseits durch die Schaffung von Vielfalt. 

Für eine wirkungsvolle Ansprache benötigen Sie qualifizierte und engagierte Trainer, die Trainingsfehler aufdecken, Tipps geben und fordernde Sparringspartner sind. YouTube, Instagram & Co haben keine Qualitätskontrolle, da kann jeder posten, was ihm gerade einfällt. Habe ich so im Netz gesehen, sagt der Trainingseinsteiger und lässt beim Kreuzheben die überladene Langhantelstange auf den Boden krachen. Erfahrene Trainer sind in einem guten Fitnessclub durch nichts zu ersetzen. Ihre Leistung verursacht Kosten, welche die Mitglieder mit ihren laufenden Beiträgen gemeinsam tragen.

Zur Schaffung von Vielfalt benötigen Mitglieder und Betreiber vor allem Offenheit. Natürlich ist es möglich, einen Fitnessclub zur Förderung eines spezifischen Körperkults zu entwickeln, zu einer Art Instagram-Kanal mit angeschlossener Hardwareabteilung. Mit Offenheit können Sie auf großer Fläche jedoch etwas ganz anderes schaffen. Ein Umfeld, in dem sich fleißige Menschen treffen und gegenseitig motivieren. Fleißige Menschen jeden Charakters, jeder Körperform, jeder Ethnizität. Diese Vielfalt hat das Potential, Extreme einzuhegen. Während die Ansprache von Freunden oder Eltern nicht selten verpufft, sind professionelle Betreuung und Anschauung sehr wirkmächtig. 

Die Motivation zu einem beständigen Training und das bewusste Erleben von Vielfalt funktionieren in einem Fitnessclub sehr gut. Im Internet funktionieren sie oft gar nicht, weil Abos von Kanälen und ausgefeilte Algorithmen zur Nutzerbindung einen Tunnelblick auf Kuriositäten und unerreichbare Idealbilder fördern. Das Internet hat andere Stärken für Fitnessinteressierte. Es durchsucht die Welt ununterbrochen nach Neuigkeiten und begünstigt damit Innovationen aller Art. Betreiber finden dort spannende Trainingsgeräte. Aktiv Trainierende stoßen auf neue Übungen. Menschen, die vorher passiv waren, können im Netz durch Vorbilder oder Trends mobilisiert werden. Viele bleiben fleißig, auch wenn das damalige Vorbild und der Trend schon längst passé sind. 

Sonntag, 1. Februar 2026

Sapiens – Eine kurze Geschichte der Fitness

Die landwirtschaftliche Revolution hat allerlei Veränderungen gebracht, meint Yuval Noah Harari, die wenigsten davon positiv. Desgleichen hört man selten, weil der Aufstieg des Menschen ja meist als ein glorreiches Heldenepos erzählt wird. Dieser Autor jedoch sieht das anders. Er erzählt unsere Geschichte aus der Perspektive eines Weizenkorns, des antiken Feldarbeiters oder eines Zuchttiers in Käfighaltung. So kommt er zu dem Schluss, dass es auf der Welt zwar immer mehr Weizenkörner, Arbeiter und Zuchttiere gibt, sie aber allesamt nicht besser leben, als ihre Vorgänger aus der Jäger- und Sammlerzeit, sondern dramatisch schlechter. Selbst wenn man berücksichtigt, dass diese steile These mit Blick auf die Verkaufszahlen seiner Bücher wohl etwas überspitzt wurde und daher möglicherweise nicht ganz ernst gemeint ist, so bleibt nach der Lektüre dennoch der fade Beigeschmack zurück, dass er vielleicht Recht hat.

Wie steht es also mit den zentralen Errungenschaften der Menschheit: Häuser, Autos, Fitnessclubs, Tiefkühlpizzen und uns selbst? Sind das alles unerwünschte Nebenwirkungen einer tragischen Fehlentwicklung, die den Planeten ruiniert und uns unglücklich macht? Sicher ist, dass diese Sichtweise auch aus den Proklamationen des Club of Rome, der Letzen Generation, De-Growth-Propheten und der ESG Alliance herauslugt: Wir sind zu weit gegangen, müssen die Übervölkerung der Erde stoppen, den Gürtel enger schnallen, zurückgezogen, versteckt, möglichst still und CO2-neutral leben. Doch ist das wirklich unsere Bestimmung, der Weg auf den wir durch religiöse Autoritäten oder kosmische Naturgewalten geschickt wurden? Zweifel sind angebracht.

Denkt man sich den Menschen einmal weg, dann bleiben jede Menge physische Materie, Pflanzen, das Tierreich und noch ein paar weitere Dinge übrig. Welche Regeln gelten in dieser vorgestellten Rest-Welt? Der Vulkan kümmert sich weiterhin nicht um seine Schwefelemissionen beim nächsten Ausbruch. Pflanzen und Tiere wollen sich vermehren und ihren Lebensraum vergrößern. Wer dabei im Weg steht, wird niedergemacht, so gut es geht. Meere und Flüsse trocknen aus, wenn sich die klimatischen Bedingungen dafür einstellen. Berge und Täler erodieren still vor sich hin, bis sie weg sind. Der Superkontinent Pangäa Ultima, welcher sich nach Meinung der Wissenschaft in den kommenden 250 Millionen Jahren aufgrund tektonischer Plattenverschiebungen bilden wird, verspricht um 14 Grad Celsius erhöhte Temperaturen, die Verdopplung des CO2-Gehalts der Atmosphäre und eine Todeszone für Säugetiere, die rund 92% der zukünftigen Landmasse ausmachen wird.

Also, wenn das die Zukunft der Erde ist, fragt man sich, welche Relevanz die Thesen von Yuval Harari überhaupt haben. Ob man sich jetzt vorstellt, ein Weizenkorn, Landarbeiter, Zuchttier oder sonst was zu sein. Ist doch weitgehend egal. Mit dieser Perspektive packt man besser direkt seine Sportsachen ein und macht sich auf den Weg in den Fitnessclub. Denn eines ist klar: das Leben wird definitiv nicht einfacher.

Krafttraining – Power To The People

Die Geschichte der Welt ist leider auch eine Geschichte menschlicher Gewalt. Wann immer eine ausreichend geschwächte Gesellschaft auf starke...