Ihre Frau reicht die Scheidung ein. Die Freundin macht Schluss. Ihr Mitglied, um das Sie sich jahrelang im Club gekümmert haben, kündigt. Einfach so. Sie haben es verbockt. Das ist übel, mehr als übel. Sie sind ein Versager, oder?
Die durchschnittliche Ehe dauert 15 Jahre. Eine Beziehung ohne Trauschein dauert 4 Jahre. Eine Mitgliedschaft im Fitnessclub etwa zwei bis drei Jahre. Doch das ist schon mal gar nicht so schlecht, wenn man berücksichtigt, dass Liebesbeziehungen bei Jugendlichen durchschnittlich nur 14 Monate dauern und es im Fitnessclub zudem keinen Sex gibt. Zumindest nicht beim Training.
Trotzdem sind Kündigungen irgendwie frustrierend. Sie fragen sich, was Sie falsch gemacht haben. Und auf dieser Frage gibt es viele mögliche Antworten. Doch eine Antwort, welche Sie häufig hören, ist falsch. Diese Antwort lautet: Weil Sie zu teuer sind. Warum ist diese Antwort meist falsch? Weil Fitnessclubs mit niedrigen Preisen, die meisten Kündigungen haben. Etwa die Hälfte der Mitglieder einer Billigkette kündigen jedes Jahr. Das hat natürlich etwas mit Demographie zu tun, doch ein wichtigster Grund liegt beim Betreiber. Denn viele Clubs, die durch niedrige Preise Kunden gewinnen möchten, sind einfach nur schlecht, grottenschlecht.
Dies nicht, weil das Management inkompetent oder die Mitarbeiter schlampig sind. Sondern, weil es gar nicht anders geht. Schickt jemand ein paar Schuhe an Zalando zurück, dann hat Zalando ein Problem. Die Schuhe wurden vielleicht schon getragen oder die Verpackung ist beschädigt. Auf jeden Fall sind die Schule nicht mehr neu. Das bedeutet, das die Schuhe weniger wert sind als vorher und Zalando sie dennoch irgendwie los werden muss. Die Lösung ist ein reduziertes Angebot oder Rudis Resterampe. Wem es also egal ist, ob die Schuhe nagelneu sind oder nicht, der bekommt sie deutlich günstiger.
Der Unterschied zu einer Fitnessclub-Mitgliedschaft ist offensichtlich. Man kann sie nicht per Post verschicken. Sie wird weder schlecht, noch kann man sie gebraucht kaufen. Die Mitgliedschaft ist immer dasselbe Wert und, noch wichtiger, sie hat immer dieselben Produktionskosten. Das bedeutet, dass eine billige Mitgliedschaft im Fitnessclub meist auch weniger Wert besitzt, als eine teure. Manchen ist das egal, zumindest am Anfang. Doch schon nach einigen Wochen, machen sich die Qualitätsunterschiede bemerkbar. Es müffelt in der Umkleide, Geräte sind ständig besetzt, auf der Fläche fühlt man sich irgendwie nicht so richtig wohl. Das Ergebnis ist eine raschere Kündigung.
Auf seine Qualität zu achten, das kostet und erfordert Liebe zum Detail. Doch dieser zusätzliche Aufwand kann zu niedrigeren Kündigungszahlen führen. Zudem macht es selbstverständlich Spaß, Mitglieder über viele Jahre zu begleiten. Und, häufiger als man denkt, kommen Ehemalige, die vormals zufriedene Mitglieder waren, nach einigen Jahren wieder zu Ihnen zurück.