Donnerstag, 1. Oktober 2026

Redundanz – Viel hilft viel

Egal was, Technik ist immer fehleranfällig. Schraubenzieher, iPhone, Auto, Trägerrakete. Irgendwann ist Schluss mit lustig. Das Teil funktioniert einfach nicht mehr. Die Lösung für dieses Problem ist seit Jahrtausenden dieselbe. Redundanz. Darum finden Archäologen kein einzelnes Steinwerkzeug, sondern, wenn sie überhaupt etwas finden, dann einen ganzen Haufen. Redundanz. Darum haben Leute, die jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, nicht eines, sondern mindestens zwei davon. Redundanz. Darum besitzen Menschen, die gern handwerklich arbeiten, nicht nur einen Hammer, eine Säge oder einen Bohrer. Sie haben mehrere. Redundanz. Darum haben Sie, falls Sie befürchten, dass das Stromnetz zusammenbricht, nicht einen Generator, sondern zwei. Klar, denn die Sachen gehen immer dann kaputt, wenn die Baumärkte geschlossen sind und Ihr Mechaniker keine Zeit hat.

Natürlich gibt es Bereiche, in denen Redundanz problematisch ist. Da wären beispielsweise die Frauen oder bei Frauen eben die Männer. Obwohl der zweite Fall nicht so heikel ist. In Bezug auf Frauen jedenfalls heißt das Konzept der Redundanz: Harem. Für Männer hat dieser Begriff erst mal keine durchweg negativen Konnotationen. Bei Frauen, die damals üblicherweise bettelarm waren und gemeinsam mit ihren Großfamilien in engen Zelten hausten, hatte das Wort wohl auch keinen so schlechten Klang. Doch ultimativ bedeutet Harem, dass ein paar langhaarige Machos jede Menge tolle Frauen blockieren. Dies führt weiter unten in der sozialen Hackordnung zu allen möglichen Problemen, weil Männer und Frauen üblicherweise in gleicher Anzahl geboren werden. Ausgehverbote sind die Folge, Verschleierung, Bildungs- und Berufsausübungsbeschränkungen, Zwangsehen, häusliche Gewalt. Es kommt erschwerend hinzu, dass Männer und Frauen, egal wie cool oder fähig sie sind, eben nicht automatisch einen höherwertigen Nachwuchs erzeugen als irgendwer sonst. Darauf hatten die Nazis gesetzt. Doch heute wissen wir, das ganze Arrangement hat keinerlei vererbungstechnische Vorteile. Im Gegenteil, solche Gesellschaften fahren im besten Fall mit angezogener Handbremse oder vernichten sich im schlimmsten Fall mit einem großen Knall selbst. Das sieht man besonders in Afrika und im Nahen Osten, wo Vielehen noch immer verbreitet sind.

In Fitnessclubs ist Redundanz natürlich Programm. Ab tausend Besuchern pro Tag, viele davon zwischen 16.00 und 21.00 Uhr, nervt es, wenn zu wenige Laufbänder, Crosstrainer oder Power Racks zur Verfügung stehen. Es gibt in solchen Clubs also jede Menge davon. Erstaunlich oft führt dies zu Konfigurationen, die wir Clone Wars nennen. Also unendliche Reihen von identischen Geräten, die zentimetergenau ausgerichtet nebeneinander stehen. So als wäre es ein Riesenspaß, nach einem stressigen Bürotag auch beim Training noch einmal gezeigt zu bekommen, dass man nur ein kleines Rädchen im System ist. Wie Charlie Chaplin in seinem großartigen Film - Modern Times - aus dem Jahr 1936.

Die Sache hat aber auch Vorteile. Wenn Sie einen Fitnessclub mit konsequenter Clone Wars-Aufstellung finden, dann bekommen Sie meist ein Schnäppchen. Der Betreiber macht nicht groß rum, sondern klotzt, denn die Masse soll es richten. Das ist optimal, wenn Sie weder Service noch Betreuung benötigen, wenn zudem Grüppchenbildung auf der Trainingsfläche und mangelnde Hygiene nachrangig sind. Falls für Sie die testosterongesteuerte Klärung von Statusfragen im Club oder später auf dem Parkplatz grundsätzlich kein Problem darstellt. 

Die Fitness ist vielleicht die letzte moderne Dienstleistungsbranche, bei der das Qualitätsniveau direkt aus der Phantasielosigkeit des Ladenbaus ableitbar ist. Dafür müssen Sie gar nicht erst in Turnsachen aufkreuzen. So etwas gibt es sonst nur noch bei Nähfabriken in Bangladesch oder indischen Call-Centern, wo filmen aber verboten ist. Wir finden diese Offenheit sympathisch. 


Dienstag, 1. September 2026

Kündigung – See You Later, Alligator

Ihre Frau reicht die Scheidung ein. Die Freundin macht Schluss. Ihr Mitglied, um das Sie sich jahrelang im Club gekümmert haben, kündigt. Einfach so. Sie haben es verbockt. Das ist übel, mehr als übel. Sie sind ein Versager, oder?

Die durchschnittliche Ehe dauert 15 Jahre. Eine Beziehung ohne Trauschein dauert 4 Jahre. Eine Mitgliedschaft im Fitnessclub etwa zwei bis drei Jahre. Doch das ist schon mal gar nicht so schlecht, wenn man berücksichtigt, dass Liebesbeziehungen bei Jugendlichen durchschnittlich nur 14 Monate dauern und es im Fitnessclub zudem keinen Sex gibt. Zumindest nicht beim Training.

Trotzdem sind Kündigungen irgendwie frustrierend. Sie fragen sich, was Sie falsch gemacht haben. Und auf dieser Frage gibt es viele mögliche Antworten. Doch eine Antwort, welche Sie häufig hören, ist falsch. Diese Antwort lautet: Weil Sie zu teuer sind. Warum ist diese Antwort meist falsch? Weil Fitnessclubs mit niedrigen Preisen, die meisten Kündigungen haben. Etwa die Hälfte der Mitglieder einer Billigkette kündigen jedes Jahr. Das hat natürlich etwas mit Demographie zu tun, doch ein wichtigster Grund liegt beim Betreiber. Denn viele Clubs, die durch niedrige Preise Kunden gewinnen möchten, sind einfach nur schlecht, grottenschlecht.

Dies nicht, weil das Management inkompetent oder die Mitarbeiter schlampig sind. Sondern, weil es gar nicht anders geht. Schickt jemand ein paar Schuhe an Zalando zurück, dann hat Zalando ein Problem. Die Schuhe wurden vielleicht schon getragen oder die Verpackung ist beschädigt. Auf jeden Fall sind die Schule nicht mehr neu. Das bedeutet, das die Schuhe weniger wert sind als vorher und Zalando sie dennoch irgendwie los werden muss. Die Lösung ist ein reduziertes Angebot oder Rudis Resterampe. Wem es also egal ist, ob die Schuhe nagelneu sind oder nicht, der bekommt sie deutlich günstiger.

Der Unterschied zu einer Fitnessclub-Mitgliedschaft ist offensichtlich. Man kann sie nicht per Post verschicken. Sie wird weder schlecht, noch kann man sie gebraucht kaufen. Die Mitgliedschaft ist immer dasselbe Wert und, noch wichtiger, sie hat immer dieselben Produktionskosten. Das bedeutet, dass eine billige Mitgliedschaft im Fitnessclub meist auch weniger Wert besitzt, als eine teure. Manchen ist das egal, zumindest am Anfang. Doch schon nach einigen Wochen, machen sich die Qualitätsunterschiede bemerkbar. Es müffelt in der Umkleide, Geräte sind ständig besetzt, auf der Fläche fühlt man sich irgendwie nicht so richtig wohl. Das Ergebnis ist eine raschere Kündigung.

Auf seine Qualität zu achten, das kostet und erfordert Liebe zum Detail. Doch dieser zusätzliche Aufwand kann zu niedrigeren Kündigungszahlen führen. Zudem macht es selbstverständlich Spaß, Mitglieder über viele Jahre zu begleiten. Und, häufiger als man denkt, kommen Ehemalige, die vormals zufriedene Mitglieder waren, nach einigen Jahren wieder zu Ihnen zurück.


Samstag, 1. August 2026

Krafttraining – Power To The People

Die Geschichte der Welt ist leider auch eine Geschichte menschlicher Gewalt. Wann immer eine ausreichend geschwächte Gesellschaft auf starke Persönlichkeiten mit Zugang zu den nötigen Ressourcen trifft, ist früher oder später ein Ausbruch von Gewalt zu erwarten. Dabei ist es egal, ob die betreffende Gesellschaft materiellen Reichtum besitzt, kulturell hochentwickelt oder zutiefst moralisch verfasst ist. Notwendig ist lediglich, dass sie die Kraft und den Willen verloren hat, sich gegen Aggressoren zu verteidigen. Denn die gibt es überall. Auf dem Schulhof, im Militär, in Wirtschaft und Politik. Mächtige Staaten werden von ihnen geführt, nicht selten in kriegerische Auseinandersetzungen.

Gern wird zudem vergessen, dass zahlreiche gesellschaftliche Errungenschaften, auf welche wir zu Recht stolz sind, ebenfalls auf Gewalt basieren. Der Rechtsstaat beispielsweise, der Schutz von Minderheiten und Landesgrenzen und auch der Sozialstaat. Der Betrieb und Fortbestand dieser Institutionen ist darauf angewiesen, dass Menschen in ihre Schranken verwiesen werden, um die allgemein akzeptierten Regeln des Zusammenlebens zu schützen. Vor dem Immobilienentwickler, welcher sich durch Bestechung Vorteile verschafft, dem Drogenhändler am Bahnhof, dem Bürgergeldempfänger, der arbeiten kann, es aber nicht will, und so weiter.

Eine eigenwillige Form des Selbstschutzes propagiert die US-amerikanische National Rifle Association, ein Gewehr in jedem Haus. Zum Glück hat sich das bei uns nicht durchgesetzt. Daher stehen jährlich 20.000 Todesopfer durch Schusswaffen in den USA rund 70 bei uns gegenüber. Doch auch der vielseitig propagierte absolute Gewaltverzicht war in der Geschichte kein Erfolgsrezept. Das ist außerordentlich schade. Weil es natürlich schöner wäre, wenn freier Informationsfluss, Reisen und Bildung über Zeit ein Umfeld erschaffen würden, in dem Gewalt keine Rolle mehr spielt. Geträumt wird dieser Traum immer wieder, bei uns zuletzt in den 90ern, als das Internet zum universellen Heilsbringer erklärt wurde. Was sollte das Netz nicht alles in Ordnung bringen? Die Macht der Konzerne brechen, Völkerverständigung verwirklichen, Unterdrückung und Krieg unmöglich machen, kostenfreie Bildung für jeden, die Privatsphäre schützen. Tja, mit bekanntem Ausgang.

Natürlich ist fortschreitendes Wissen hilfreich, denn damit wächst oft auch das Verständnis für Andere und der Wille zur Kooperation. Doch ebenso wichtig ist es, dass Aggression, jede Form der Vorteilsnahme durch Androhung oder Ausübung von Gewalt, mit offensichtlichen Risiken verbunden ist. Denn Gewalt kann dauerhaft nur eingehegt werden, wenn der Aggressor selbst Angst vor den negativen Auswirkungen ihrer Anwendung hat. Wehrhaftigkeit heißt dieses Konzept für Staaten. Für den Einzelnen heißt es Fitness. Es ist sinnvoll, diese nicht nur zu besitzen, sondern auch öffentlich zu zeigen. Potenzielle Aggressoren müssen wissen, was auf sie zukommt, um ihr Verhalten anzupassen. 

Das klingt schrecklich martialisch und unzivilisiert, nach primitiver Propaganda für eine Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt. Doch es lohnt sich auch für eingefleischte Pazifisten und bedingungslose Menschenfreunde, diesen Gedanken weiterzudenken. Vielleicht kommen sie dabei nicht zur altrömischen Erkenntnis: Wenn du den Frieden willst, rüste zum Krieg. Doch logisches Denken und Berichte über die öffentliche Sicherheit auf unseren Straßen führen schon in eine etwas robustere Richtung. 

Für den Einzelnen sind Muskeln und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten besser geeignete Selbstschutzmaßnahmen als die Walther P5 im Holster oder eine Kalaschnikow im Kleiderschrank. Statt auf einen starken Staat zu hoffen oder bloß rumzujammern, fängt man besser bei sich selbst an. Das ist anstrengend, doch es lohnt sich.


Mittwoch, 1. Juli 2026

Pilze – Entangled Life

Pilze finden in der Fitness wenig Beachtung. Dies obwohl die Pilzsuche recht anstrengend ist und seit Jahrhunderten praktiziert wird. Vermutlich ist der Grund hierfür, dass Pilze kaum relevante Nährstoffe enthalten. Sie sehen gut aus, schmecken, es gibt sie an jeder Ecke, doch sie besitzen kaum etwas, das wir als gesund bezeichnen würden. Eigenschaften selbstverständlich, die Pilze mit Energydrinks teilen, welche sehr wohl zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit konsumiert und in der Fitness diskutiert werden.

Im Gegensatz zu Energydrinks erfüllen Pilze jedoch Funktionen, welche ihre Nennung in einem Satz mit Fitness durchaus rechtfertigen. Sie sind die geheime Supermacht der Natur. Ihre Bedeutung verbirgt sich dem Auge des Betrachters. Tatsächlich sind Pilze jedoch eine der treibenden Kräfte für Wachstum und Gesundheit der Pflanzenwelt. In der Natur hat die Fitness zentrale Bedeutung für die Länge des Lebens. Beim Menschen ist sie für die Qualität des Lebens verantwortlich. Der Waldboden verdeckt die immense Bedeutung der Pilze in der Natur. Bei Menschen verdecken ÖPNV, Rollatoren und Medikamente die Bedeutung der Fitness. Doch diese Verschleierungen ändern nichts daran, dass in der Natur Pilze und für uns die Fitness entscheidend sind.

Menschen, denen der Pilz-Teil dieser Aussage neu ist, empfehlen wir Merlin Sheldrake, der ein außergewöhnliches Buch über Pilze geschrieben hat. Er ist Biologe, kein abgedrehter Hippie oder ausgerasteter Förster. Er beschreibt einfach nur, was Pilze so machen, und das ist äußerst beeindruckend. Es beginnt damit, dass Pilze eigentlich kleine Fäden, Hyphen genannt, sind. Die Gesamtheit dieser Fäden heißt Myzelium, welches eine derart extreme Gesamtlänge besitzt, dass Sie damit das halbe Universum verpacken können. Pilze sind zudem nicht wirklich Pflanzen, weil sie, wie Mose und Flechten, vor rund einer Milliarde Jahren aus im Wasser lebenden Einzellern entstanden sind. Jeder weiß, dass Pilze abgestorbenes biologisches Material zurück in Nährstoffe verwandeln, von denen sich Pflanzen und Tiere ernähren. Doch sie können auch Steine spalten und Gifte neutralisieren. Wenig bekannt ist zudem, dass sie das unterirdische Kommunikationsnetz bilden, welches Pflanzen nutzen um Nährstoffe untereinander auszutauschen und sich gemeinsam gegen widrige Umwelteinflüsse und Angreifer zu wehren. James Cameron hat aus der Kenntnis dieser Tatsache das imposante Filmepos Avatar geschaffen.

Dennoch sind Pilze in der Wahrnehmung vieler Menschen lediglich günstige Nahrungsmittel, so wie Kartoffeln, Zwiebeln oder Feldsalat. Analog hierzu erscheint das Fitnesstraining Vielen als eine Form von Eitelkeit. Der bekannte Werbespruch, Einfach besser aussehen, haut in diese Kerbe. Doch ebenso wie die Einschätzung, Pilze seien mit Kartoffel vergleichbar, beruht auch die Ansicht, Fitnesstraining sei profane Selbstoptimierung, auf einer substantiellen Fehleinschätzung. 


Montag, 1. Juni 2026

Zeit – Nehmen oder eben nicht

Anruf einer äußerst sympathischen Dame: Ich schaffe es nicht mehr zum Training, muss mich jetzt um die Enkel kümmern. Ja, haben wir das eben richtig verstanden? Gerade weil Sie sich um die Enkel kümmern müssen, ist Sport für Sie unverzichtbar. Die Kleinen werden nicht den Nachmittag lang Klimmzüge am Rollator machen, wenn es bei Ihnen im Kreuz zwickt. War zumindest bei Unseren nicht unter den Top-10. Für junge Menschen hat es kaum Konsequenzen, das Thema Fitness etwas zu schieben. Mach ich nächste Woche. Doch im Alter ist das weniger empfehlenswert. 

Es gibt Menschen, die trinken gern Karottensaft. Glückspilze. Karottensaft ist aber auch dann gesund, wenn Sie ihn nicht mögen. Der Konsum erfordert in diesem Fall jedoch den Willen, gesund zu bleiben, und die Bereitschaft, etwas dafür zu tun. Ebenso ist es beim Sport. Wo steht geschrieben, dass Fitness Spaß machen muss oder eine Freizeitbeschäftigung ist?

Manche machen Fitness zum Beruf, Arnold Schwarzenegger beispielsweise. Das ist extrem. Geldverdienen ist ein starker Motivator. Dem sind in dieser Branche jedoch enge Grenzen gesetzt, wie Arnie rasch gemerkt hat. Das Resultat seines daraufhin entwickelten Engagements in der Filmbranche, Conan der Barbar, hat niemanden überzeugt. Aber er ist dran geblieben und hat einiges auf die Beine gestellt, ohne zu vergessen, wo er herkommt. Welches Rollenmodell haben Menschen im Kopf, die meinen, es sei möglich, Karriere und Fitness völlig zu trennen, das Michelin Männchen? 

Hab keine Zeit, bedeutet eigentlich, dass man keine Lust hat. Die brauchen Sie aber auch nicht unbedingt. Es reicht völlig, wenn Sie ein inneres Verständnis dafür entwickeln, dass ohne regelmäßigen Sport Ihre Chancen auf ein entspanntes und heiteres Leben sinken. Nicht auf null, aber in zunehmend spürbarem Maße. 

Wir alle ziehen bei Geburt ein biologisches Los. Die Qualität unserer Physiologie, besonders ihre Leistungsfähigkeit im Alter, bleibt lange Zeit ein Geheimnis. Wenn Sie merken, was auf Ihrem Los steht, kann schon irreparabler Schaden entstanden sein. Für viele Menschen ist es deshalb besser, sich nicht auf ihr Los zu verlassen. Eine Niete anzunehmen, und Sport von vornherein nicht als Teil der Freizeit zu betrachten, sondern als notwendige Voraussetzung für beruflichen Erfolg und ein erfülltes Leben. 

Bei uns sind Sie willkommen, so oder so.


Freitag, 1. Mai 2026

Milliardäre – Some Like It Hot

Rainer Schaller hat es wohl geschafft, Rene Moos vielleicht auch. Doch ansonsten müssen Sie in der Fitness nach Milliardären suchen, weil es kaum welche gibt. Warum ist das so?

Erster Grund: Um in der Fitness eine Milliarde zu verdienen, müssen Sie ein recht großes Geschäft aufbauen. Sie benötigen mindestens 400 Clubs, falls Sie Alleingesellschafter sind und sich aus dem Cash Flow finanziert haben. Für den Fall, dass Sie Geld über Private Equity oder die Börse besorgt haben, müssen es einige tausend Clubs sein. Derart große Ketten sind selten.

Zweiter Grund: Sie dürfen keine groben strategischen Fehler begehen, auf Luxus, Franchise oder Technologie setzen zum Beispiel. Viele Unternehmer in der Fitness haben dies getan. Damit kann man ohne Zweifel Geld verdienen, aber nicht in dieser Größenordnung. Das lukrativste Luxusimperium ist LVMH, eine Rechtefirma ohne nennenswerte Flächenpräsenz. Das erfolgreichste Franchise der Welt ist McDonald‘s, weil es neben einer starken Marke auch jede Menge Immobilien besitzt. Dies trifft aber auf keinen einzigen Fitnessbetrieb zu. Technologie in Form von künstlicher Intelligenz oder Virtual Reality führt meist zu weniger, nicht zu mehr Bewegung im Alltag. Auch das ist also eher kein Wachstumstreiber für Ihr Geschäft.

Dritter Grund: Unternehmer in der Fitness verlieben sich häufig in sich selbst. Sie hören auf, andere Meinungen zu hören, und entscheiden regelmäßig aus dem Bauch heraus. Das sind schon in Branchen, die sich kaum verändern, schlechte Voraussetzungen. In der Fitness ist dies eine unblutige Form des Harakiri, der ultimative geschäftliche Erfolg wird unerreichbar, meist kollabieren die Unternehmen kurz, nachdem die Gründer zum Mann oder zur Frau des Jahres gewählt wurden. Die Branche ist für so etwas schlicht zu komplex und dynamisch. Allein schaffen Sie die Betreuung und stetige Weiterentwicklung hunderter oder tausender Anlagen nicht: Clubs nach Schema F entstehen, denen die lokale Einbettung fehlt, oder sie bauen ein Potpourri von mittelmäßigen Konzepten auf, das weder profitabel noch sinnvoll führbar ist.

Vierter Grund: Ein Milliardenunternehmen führt man nicht allein. Doch in der Fitness ist es schwierig, kompetentes Personal zu finden, welches Sie nicht betrügt. Gerade wenn Sie auf rasches Wachstum setzen, gibt es für Ihr Team und die Berater vielfältige Möglichkeiten, die Firma durch Kickbacks auszulaugen. Dies führt zu erhöhten Anschaffungskosten für neue Clubs, welche zunächst aktiviert werden und nicht weiter auffallen. Über Zeit steigern diese jedoch Ihre Verschuldung und treiben einen massiven Keil zwischen EBITDA und Cash Flow. Das gefährdet den Erfolg Ihres Projektes, weil dadurch eine dauerhafte Abhängigkeit von Finanzierungspartnern entsteht. Von Partnern also, die irgendwann in naher Zukunft mit Sicherheit die Nerven verlieren, wenn Ihre Versprechungen wieder und wieder unerfüllt bleiben.

Falls Sie es dennoch schaffen, sind Sie ganz oben angekommen. Große und profitable Fitnessfirmen sind ein dankbares Geschäft, an dem Sie jahrzehntelang Freude haben können. Insofern Sie dann die Gesellschaft der Schönen und Reichen suchen, stehen Ihnen alle Türen offen. Celebrities erscheinen gern sportlich, um den Mythos Ihrer Unsterblichkeit zu nähren. Zwar hat sich in deren Welt seit Billy Wilders Zeiten einiges getan, aber sein Erfolgsfilm aus dem Jahr 1959 bleibt in gewissem Maße instruktiv. Leider lebt Marilyn Monroe nicht mehr, falls Sie auf Frauen stehen, und auch Tony Curtis nicht, andernfalls. Auf diesem Gebiet müssen Sie sich also neu orientieren. Vielleicht mit Ana de Armas oder Chris Evans. 

Wir wünschen Ihnen Erfolg. Sie tun nun Dinge, auf die nicht einmal Billy Wilder und seine Crew gekommen sind. Das will schon etwas heißen, denn deren Streifen hat in der Filmbranche damals Maßstäbe gesetzt.

Mittwoch, 1. April 2026

Sauna – Das bisschen Haushalt, sagt mein Mann

Wir lieben Saunen. Nicht dass wir welche hätten, aber durch eine hochwertige Saunaanlage zu spazieren, ist ebenso schön, wie über einen Golfplatz zu laufen. Unabhängig vom Handicap. Saunaanlagen haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie viele Nutzer dazu anregen, auf ihren Körper zu achten. Nicht alle selbstverständlich.

Was in Fitnessclubs als Sauna bezeichnet wird, verdient den Titel aber meist nicht. Dunkelkammer oder Schwitzkasten wären geeignetere Bezeichnungen. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Saunen ist gesund, sagen manche. Wir glauben, dass echte Saunen ein Lifestyle-Erlebnis ermöglichen. Einen mentalen Urlaub von der Lebenswirklichkeit. Ein günstiges und äußerst lohnendes Vergnügen. Dazu brauchen sie eine gewisse Größe. 20.000 Quadratmeter Grundfläche inkl. Park sind eine solide Basis, 10.000 noch sehr gut. Versuchen Sie diesen Flächenbedarf so zu schrumpfen, dass er in eine Fitnessanlage passt, dann passiert Folgendes.

Das Erlebnis wird vollständig transformiert. Kann ich mal durch? Manchen ist das genug. Vielen nicht. Das Problem ist, dass der Schwitzkasten, der für manche akzeptabel ist, von allen bezahlt werden muss. Die Betriebskosten einer Saunaanlage sind durch Energie, Hygiene und Instandhaltung hoch. Auch die jährlichen Kostensteigerungen sind signifikant. Dasselbe, nur mit Turbo, gilt für Pools. Schlagen Sie diese Kosten auf den regulären Preis einer Mitgliedschaft drauf, dann reduzieren Sie die realistisch erreichbare Mitgliederzahl Ihrer Anlage deutlich. Zudem erhöhen Sie die Kündigungsquote der nicht-saunierenden oder badenden Mitglieder. Optionsmodelle machen die Sache noch schlimmer. Sie zeigen jeden Monat auf schmerzliche Weise, wie grotesk Ihre Fehlentscheidung war.

Es gibt natürlich Ausnahmen, aber nur wenige. Sind eine Sauna oder ein Pool erst einmal da, dann werden Sie diese so leicht nicht wieder los. Seltener wischen, später aufsperren, Temperatur reduzieren, Sitzbänke und Fugen sind noch OK. Die Sauna- und Badejünger unter Ihren Mitgliedern bekommen Schaum vor dem Mund, und Sie erhalten direktes Feedback über die Sozialen Medien. In Bild, Schrift und Ton. Ultima Ratio in vielen Fällen: Rausreißen und Massagestühle aufstellen.

Überlegen Sie also sorgfältig, bevor Sie bei der Sauna auf den Knopf - Jetzt kaufen - klicken.


Redundanz – Viel hilft viel

Egal was, Technik ist immer fehleranfällig. Schraubenzieher, iPhone, Auto, Trägerrakete. Irgendwann ist Schluss mit lustig. Das Teil funktio...