Freitag, 1. Mai 2026

Milliardäre – Some Like It Hot

Rainer Schaller hat es wohl geschafft, Rene Moos vielleicht auch. Doch ansonsten müssen Sie in der Fitness nach Milliardären suchen, weil es kaum welche gibt. Warum ist das so?

Erster Grund: Um in der Fitness eine Milliarde zu verdienen, müssen Sie ein recht großes Geschäft aufbauen. Sie benötigen mindestens 400 Clubs, falls Sie Alleingesellschafter sind und sich aus dem Cash Flow finanziert haben. Für den Fall, dass Sie Geld über Private Equity oder die Börse besorgt haben, müssen es einige tausend Clubs sein. Derart große Ketten sind selten.

Zweiter Grund: Sie dürfen keine groben strategischen Fehler begehen, auf Luxus, Franchise oder Technologie setzen zum Beispiel. Viele Unternehmer in der Fitness haben dies getan. Damit kann man ohne Zweifel Geld verdienen, aber nicht in dieser Größenordnung. Das lukrativste Luxusimperium ist LVMH, eine Rechtefirma ohne nennenswerte Flächenpräsenz. Das erfolgreichste Franchise der Welt ist McDonald‘s, weil es neben einer starken Marke auch jede Menge Immobilien besitzt. Dies trifft aber auf keinen einzigen Fitnessbetrieb zu. Technologie in Form von künstlicher Intelligenz oder Virtual Reality führt meist zu weniger, nicht zu mehr Bewegung im Alltag. Auch das ist also eher kein Wachstumstreiber für Ihr Geschäft.

Dritter Grund: Unternehmer in der Fitness verlieben sich häufig in sich selbst. Sie hören auf, andere Meinungen zu hören, und entscheiden regelmäßig aus dem Bauch heraus. Das sind schon in Branchen, die sich kaum verändern, schlechte Voraussetzungen. In der Fitness ist dies eine unblutige Form des Harakiri, der ultimative geschäftliche Erfolg wird unerreichbar, meist kollabieren die Unternehmen kurz, nachdem die Gründer zum Mann oder zur Frau des Jahres gewählt wurden. Die Branche ist für so etwas schlicht zu komplex und dynamisch. Allein schaffen Sie die Betreuung und stetige Weiterentwicklung hunderter oder tausender Anlagen nicht: Clubs nach Schema F entstehen, denen die lokale Einbettung fehlt, oder sie bauen ein Potpourri von mittelmäßigen Konzepten auf, das weder profitabel noch sinnvoll führbar ist.

Vierter Grund: Ein Milliardenunternehmen führt man nicht allein. Doch in der Fitness ist es schwierig, kompetentes Personal zu finden, welches Sie nicht betrügt. Gerade wenn Sie auf rasches Wachstum setzen, gibt es für Ihr Team und die Berater vielfältige Möglichkeiten, die Firma durch Kickbacks auszulaugen. Dies führt zu erhöhten Anschaffungskosten für neue Clubs, welche zunächst aktiviert werden und nicht weiter auffallen. Über Zeit steigern diese jedoch Ihre Verschuldung und treiben einen massiven Keil zwischen EBITDA und Cash Flow. Das gefährdet den Erfolg Ihres Projektes, weil dadurch eine dauerhafte Abhängigkeit von Finanzierungspartnern entsteht. Von Partnern also, die irgendwann in naher Zukunft mit Sicherheit die Nerven verlieren, wenn Ihre Versprechungen wieder und wieder unerfüllt bleiben.

Falls Sie es dennoch schaffen, sind Sie ganz oben angekommen. Große und profitable Fitnessfirmen sind ein dankbares Geschäft, an dem Sie jahrzehntelang Freude haben können. Insofern Sie dann die Gesellschaft der Schönen und Reichen suchen, stehen Ihnen alle Türen offen. Celebrities erscheinen gern sportlich, um den Mythos Ihrer Unsterblichkeit zu nähren. Zwar hat sich in deren Welt seit Billy Wilders Zeiten einiges getan, aber sein Erfolgsfilm aus dem Jahr 1959 bleibt in gewissem Maße instruktiv. Leider lebt Marilyn Monroe nicht mehr, falls Sie auf Frauen stehen, und auch Tony Curtis nicht, andernfalls. Auf diesem Gebiet müssen Sie sich also neu orientieren. Vielleicht mit Ana de Armas oder Chris Evans. 

Wir wünschen Ihnen Erfolg. Sie tun nun Dinge, auf die nicht einmal Billy Wilder und seine Crew gekommen sind. Das will schon etwas heißen, denn deren Streifen hat in der Filmbranche damals Maßstäbe gesetzt.

Mittwoch, 1. April 2026

Sauna – Das bisschen Haushalt, sagt mein Mann

Wir lieben Saunen. Nicht dass wir welche hätten, aber durch eine hochwertige Saunaanlage zu spazieren, ist ebenso schön, wie über einen Golfplatz zu laufen. Unabhängig vom Handicap. Saunaanlagen haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie viele Nutzer dazu anregen, auf ihren Körper zu achten. Nicht alle selbstverständlich.

Was in Fitnessclubs als Sauna bezeichnet wird, verdient den Titel aber meist nicht. Dunkelkammer oder Schwitzkasten wären geeignetere Bezeichnungen. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Saunen ist gesund, sagen manche. Wir glauben, dass echte Saunen ein Lifestyle-Erlebnis ermöglichen. Einen mentalen Urlaub von der Lebenswirklichkeit. Ein günstiges und äußerst lohnendes Vergnügen. Dazu brauchen sie eine gewisse Größe. 20.000 Quadratmeter Grundfläche inkl. Park sind eine solide Basis, 10.000 noch sehr gut. Versuchen Sie diesen Flächenbedarf so zu schrumpfen, dass er in eine Fitnessanlage passt, dann passiert Folgendes.

Das Erlebnis wird vollständig transformiert. Kann ich mal durch? Manchen ist das genug. Vielen nicht. Das Problem ist, dass der Schwitzkasten, der für manche akzeptabel ist, von allen bezahlt werden muss. Die Betriebskosten einer Saunaanlage sind durch Energie, Hygiene und Instandhaltung hoch. Auch die jährlichen Kostensteigerungen sind signifikant. Dasselbe, nur mit Turbo, gilt für Pools. Schlagen Sie diese Kosten auf den regulären Preis einer Mitgliedschaft drauf, dann reduzieren Sie die realistisch erreichbare Mitgliederzahl Ihrer Anlage deutlich. Zudem erhöhen Sie die Kündigungsquote der nicht-saunierenden oder badenden Mitglieder. Optionsmodelle machen die Sache noch schlimmer. Sie zeigen jeden Monat auf schmerzliche Weise, wie grotesk Ihre Fehlentscheidung war.

Es gibt natürlich Ausnahmen, aber nur wenige. Sind eine Sauna oder ein Pool erst einmal da, dann werden Sie diese so leicht nicht wieder los. Seltener wischen, später aufsperren, Temperatur reduzieren, Sitzbänke und Fugen sind noch OK. Die Sauna- und Badejünger unter Ihren Mitgliedern bekommen Schaum vor dem Mund, und Sie erhalten direktes Feedback über die Sozialen Medien. In Bild, Schrift und Ton. Ultima Ratio in vielen Fällen: Rausreißen und Massagestühle aufstellen.

Überlegen Sie also sorgfältig, bevor Sie bei der Sauna auf den Knopf - Jetzt kaufen - klicken.


Sonntag, 1. März 2026

Motivation – Round and Round We Go

Sisyphus schafft das Unglaubliche, er rollt den riesigen Stein den Hügel rauf. Ganz rauf? Nein. Die Realität holt ihn ein, und der Stein rollt zurück, bis ganz nach unten. Früher, als die Physik noch nicht so weit war, hieß das Strafe. Heute nennen wir es Entropie. Ältere Menschen haben dafür ein anderes Verständnis als Junge. Dennoch ist es für beide wesentlich, zu verstehen, dass auch im Fitnessclub unabhängig vom Niveau der Anstrengung nichts final erreicht wird. Stattdessen ist man ständig unterwegs. Daher gehört die Motivation von Mitgliedern zu einem stetigen Training zu den Hauptaufgaben eines Fitnessclubs. Gute Clubs erreichen dies einerseits durch persönliche Ansprache und andererseits durch die Schaffung von Vielfalt. 

Für eine wirkungsvolle Ansprache benötigen Sie qualifizierte und engagierte Trainer, die Trainingsfehler aufdecken, Tipps geben und fordernde Sparringspartner sind. YouTube, Instagram & Co haben keine Qualitätskontrolle, da kann jeder posten, was ihm gerade einfällt. Habe ich so im Netz gesehen, sagt der Trainingseinsteiger und lässt beim Kreuzheben die überladene Langhantelstange auf den Boden krachen. Erfahrene Trainer sind in einem guten Fitnessclub durch nichts zu ersetzen. Ihre Leistung verursacht Kosten, welche die Mitglieder mit ihren laufenden Beiträgen gemeinsam tragen.

Zur Schaffung von Vielfalt benötigen Mitglieder und Betreiber vor allem Offenheit. Natürlich ist es möglich, einen Fitnessclub zur Förderung eines spezifischen Körperkults zu entwickeln, zu einer Art Instagram-Kanal mit angeschlossener Hardwareabteilung. Mit Offenheit können Sie auf großer Fläche jedoch etwas ganz anderes schaffen. Ein Umfeld, in dem sich fleißige Menschen treffen und gegenseitig motivieren. Fleißige Menschen jeden Charakters, jeder Körperform, jeder Ethnizität. Diese Vielfalt hat das Potential, Extreme einzuhegen. Während die Ansprache von Freunden oder Eltern nicht selten verpufft, sind professionelle Betreuung und Anschauung sehr wirkmächtig. 

Die Motivation zu einem beständigen Training und das bewusste Erleben von Vielfalt funktionieren in einem Fitnessclub sehr gut. Im Internet funktionieren sie oft gar nicht, weil Abos von Kanälen und ausgefeilte Algorithmen zur Nutzerbindung einen Tunnelblick auf Kuriositäten und unerreichbare Idealbilder fördern. Das Internet hat andere Stärken für Fitnessinteressierte. Es durchsucht die Welt ununterbrochen nach Neuigkeiten und begünstigt damit Innovationen aller Art. Betreiber finden dort spannende Trainingsgeräte. Aktiv Trainierende stoßen auf neue Übungen. Menschen, die vorher passiv waren, können im Netz durch Vorbilder oder Trends mobilisiert werden. Viele bleiben fleißig, auch wenn das damalige Vorbild und der Trend schon längst passé sind. 

Sonntag, 1. Februar 2026

Sapiens – Eine kurze Geschichte der Fitness

Die landwirtschaftliche Revolution hat allerlei Veränderungen gebracht, meint Yuval Noah Harari, die wenigsten davon positiv. Desgleichen hört man selten, weil der Aufstieg des Menschen ja meist als ein glorreiches Heldenepos erzählt wird. Dieser Autor jedoch sieht das anders. Er erzählt unsere Geschichte aus der Perspektive eines Weizenkorns, des antiken Feldarbeiters oder eines Zuchttiers in Käfighaltung. So kommt er zu dem Schluss, dass es auf der Welt zwar immer mehr Weizenkörner, Arbeiter und Zuchttiere gibt, sie aber allesamt nicht besser leben, als ihre Vorgänger aus der Jäger- und Sammlerzeit, sondern dramatisch schlechter. Selbst wenn man berücksichtigt, dass diese steile These mit Blick auf die Verkaufszahlen seiner Bücher wohl etwas überspitzt wurde und daher möglicherweise nicht ganz ernst gemeint ist, so bleibt nach der Lektüre dennoch der fade Beigeschmack zurück, dass er vielleicht Recht hat.

Wie steht es also mit den zentralen Errungenschaften der Menschheit: Häuser, Autos, Fitnessclubs, Tiefkühlpizzen und uns selbst? Sind das alles unerwünschte Nebenwirkungen einer tragischen Fehlentwicklung, die den Planeten ruiniert und uns unglücklich macht? Sicher ist, dass diese Sichtweise auch aus den Proklamationen des Club of Rome, der Letzen Generation, De-Growth-Propheten und der ESG Alliance herauslugt: Wir sind zu weit gegangen, müssen die Übervölkerung der Erde stoppen, den Gürtel enger schnallen, zurückgezogen, versteckt, möglichst still und CO2-neutral leben. Doch ist das wirklich unsere Bestimmung, der Weg auf den wir durch religiöse Autoritäten oder kosmische Naturgewalten geschickt wurden? Zweifel sind angebracht.

Denkt man sich den Menschen einmal weg, dann bleiben jede Menge physische Materie, Pflanzen, das Tierreich und noch ein paar weitere Dinge übrig. Welche Regeln gelten in dieser vorgestellten Rest-Welt? Der Vulkan kümmert sich weiterhin nicht um seine Schwefelemissionen beim nächsten Ausbruch. Pflanzen und Tiere wollen sich vermehren und ihren Lebensraum vergrößern. Wer dabei im Weg steht, wird niedergemacht, so gut es geht. Meere und Flüsse trocknen aus, wenn sich die klimatischen Bedingungen dafür einstellen. Berge und Täler erodieren still vor sich hin, bis sie weg sind. Der Superkontinent Pangäa Ultima, welcher sich nach Meinung der Wissenschaft in den kommenden 250 Millionen Jahren aufgrund tektonischer Plattenverschiebungen bilden wird, verspricht um 14 Grad Celsius erhöhte Temperaturen, die Verdopplung des CO2-Gehalts der Atmosphäre und eine Todeszone für Säugetiere, die rund 92% der zukünftigen Landmasse ausmachen wird.

Also, wenn das die Zukunft der Erde ist, fragt man sich, welche Relevanz die Thesen von Yuval Harari überhaupt haben. Ob man sich jetzt vorstellt, ein Weizenkorn, Landarbeiter, Zuchttier oder sonst was zu sein. Ist doch weitgehend egal. Mit dieser Perspektive packt man besser direkt seine Sportsachen ein und macht sich auf den Weg in den Fitnessclub. Denn eines ist klar: das Leben wird definitiv nicht einfacher.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Werbung – Einfach besser aussehen

Der Spruch, welcher die Versprechungen von Betreibern und die Wünsche von Trainierenden in die simpelste Form gießt, lautet: Einfach besser aussehen. Über Jahre der Werbeslogan einer größeren Fitnesskette in Deutschland. Der Spruch ist kompakt, eingängig, und er motiviert eine ganze Generation dazu, Sinnvolles zu tun. Auf etwas diesen Kalibers muss man erst einmal kommen.

Ältere Menschen kennen die Werbebotschaft natürlich. Doch bezog sie sich früher meist auf Kosmetik, Mode, Wellness oder plastische Chirurgie. Auf Sachen also, die man sich von der Stange kaufen kann. Das ist in der Fitness anders. Dort wird eine Clubmitgliedschaft beworben, doch diese ist lediglich das Eintrittsticket. Die eigentliche Arbeit beginnt erst nach dem Kauf. Ein besseres Aussehen erfordert Disziplin und physikalische Anstrengung, wenn man es durch Fitnesstraining erreichen möchte. Die Bilder, welche den Werbespruch stets begleiten, unterstreichen das.

Junge Menschen haben Älteren gegenüber einiges voraus, darunter, dass sie voraussichtlich erheblich länger leben werden. Doch diese Tatsache verdanken sie nicht einem genetisch optimierten Körper, einer sauberen Umwelt, fortschrittlicher Medizin oder besserer Ernährung. Sie beruht zuallererst auf einer geänderten Einstellung zum eigenen Körper: Wenn ich besser aussehen möchte, dann muss ich dafür arbeiten, hart arbeiten. Obwohl Manche über das Ziel den Kopf schütteln werden, der Weg dorthin fördert zweifelsohne eine bessere Gesundheit.

So tritt die spontan angenommene Oberflächlichkeit von - Einfach besser aussehen - in den Hintergrund. Denn das implizierte Versprechen von Schönheit und Jugend ist in der Fitness nicht an Accessoires, Massagen oder Elixiere geknüpft, sondern an systematisches Training. Die heute junge Generation ist damit wohl die erste, welcher gutes Aussehen, Glück und ein langes Leben nicht auf das Basis von Lügen verkauft werden. 

Die große Verbreitung von Fitnessclubs und das gestiegene Interesse an Fitness im allgemeinen sind Vorteile, welche junge Menschen seit Kindertagen besitzen. Smarte Werbung hat hierzu einen positiven Beitrag geleistet. Doch es sind der Fleiß junger Menschen und ihre neuen Prioritäten, die den entscheidenden Unterschied machen. 


Montag, 1. Dezember 2025

Branchenvergleiche – Feels Like The First Time

Der KfW-Fragebogen im Bereich Gründerservice, Checkliste 1: Geschäftskonzept Businessplan, hat es in sich. Er gehört zu den besten Materialien für Existenzgründer auf dem deutschen Markt. Darin steht unter Punkt 7 die Frage: Gibt es vergleichbare Branchen, die eine Orientierungshilfe bieten? Die Antwort auf diese Frage ist nicht nur spannend in Bezug auf das geplante Projekt, sie sagt auch viel über die Person des Gründers aus. Wären wir bei der KfW, würden wir die Antwort auf diese Frage zuerst lesen.

Welche andere Branche ist dem Betrieb von Fitnessclubs ähnlich? Zunächst fällt einem natürlich der Handel ein, neudeutsch Retail. Retail und Fitness sind beide standortgebundene Dienstleistungen. Man mietet eine Räumlichkeit, bestückt diese mit Sachen, stellt Personal ein, schaltet Werbung und wartet auf Kunden. Eine Reihe von erfolgreichen Fitnessunternehmern, u.a. Rainer Schaller, kommen aus dem Handel. Von der räumlichen Anmutung her gibt es in der Tat Übereinstimmungen zwischen dem großflächigen Lebensmittelhandel und der Fitness. Jedoch verschwinden diese bei genauerem Hinsehen. Schlimmer noch, Erfahrungen im Handel können einem Erfolg in der Fitness sogar im Wege stehen. Dies liegt daran, dass im Handel die Waren möglichst rasch gedreht werden müssen. Die Palette kommt rein, Preisschild dran und los. Läuft das Zeug nicht, dann frag nicht nach Sonnenschein: Preis runter, Ware raus, nicht nachbestellen. Im Retail verschwindet die Ware also von der Palette wie Personen im Transporterraum der Enterprise, sobald die Flocken rieseln. Bei den Mannschaftsgraden oft auf Nimmerwiedersehen. Das ist im Fitnessgeschäft anders.

Der Verkauf einer Mitgliedschaft ist kein Abschied, sondern der Beginn einer Beziehung, die im Schnitt zweieinhalb Jahre dauert. Wenn Sie eine Mitgliedschaft zum falschen Preis verkaufen, dann haben Sie mehrere Jahre keinen Spaß daran. Eine nachträgliche Preisanhebung wird nicht in jedem Fall gern gesehen. Mal vorsichtig ausgedrückt. In einem Fitnessclub ist es also nicht mit dem Verkauf getan. Die Kosten kommen erst später in Form von Personalstunden, Materialverschleiß, Strom, Wasser, Reinigung usw. Dies ist jedoch nicht der einzige Unterschied zum Handel. Mitglieder trainieren nicht nur, sie reden auch miteinander. Was zahlst Du denn? Das ist eine Frage, deren Beantwortung in Sekunden eine mühsam aufgebaute Vertrauensbeziehung zwischen Betreiber und Mitglied ruinieren kann. Für jemanden, der viele Mitgliedschaften aus dem Empfehlungsgeschäft bezieht, bewirken falsche oder ständig wechselnde Tarife, dass Interessenten nicht auf Qualität und Service, sondern auf den Preis schauen. Anchoring nennen Ökonomen, was Sie da auslösen. Wer also Mitgliedschaften wie Pennenudeln raushaut, fängt sich ein teures und recht langwieriges Problem ein.

Witzigerweise gehört eine respektable Zahl von deutschen Fitnessanlagen Leuten aus der Spielstättenbranche. Nicht jedoch, weil es eine Ähnlichkeit der Geschäftsmodelle gibt. Grund sind vielmehr die irrwitzigen Summen, die über Jahrzehnte mit Spielhallen verdient werden konnten und die schizophrene Regulierung dieses Sektors. Große Fitnessmarken hierzulande sind also zu Glas und Stahl gewordene Fluchtgelder aus einem hochprofitablen, aber völlig fachfremden Bereich. Diese Gelder wurden damals nicht in das eigene Kerngeschäft investiert oder an die Eigentümer ausgeschüttet, weil jahrelang ein reales Insolvenzrisiko für die gesamte Spielstättenbranche bestand. Die Insolvenzverwalter hätten sich im Fall der Fälle alle Ausschüttungen an die Eigentümerfamilien zurückgeholt. Also musste das Geld woanders vergraben werden, und das mit dem Vergraben hat richtig gut funktioniert. Zum Glück ist das Insolvenzrisiko nun weitgehend abgewendet. Auch haben die Familien inzwischen eingesehen, dass sich profitables Wachstum in der Fitness nicht mit der Brechstange erreichen lässt. Schon deshalb gehen sie neue Wege in der Vermögensverwaltung. Warren Buffet empfiehlt Indexfonds. 

Wir sind der Meinung, dass die Fitnessbranche große Ähnlichkeit mit der Hotellerie besitzt. Zwar gibt es bei Hotels keine Abos und der Preis pro Besuch liegt deutlich höher als in der Fitness, aber die Parallelen sind doch eindeutig. So ist bei Hotels und Fitness die Qualität des Standorts von außergewöhnlicher Bedeutung. Die Anforderungen an die physikalische Infrastruktur sind, mit Ausnahme der Betten, ebenfalls ähnlich. Zudem sind Hotelgäste und Fitnessclubbesucher Wiederholungstäter. Sie kehren an den Ort der Tat zurück, wenn das Preis-Leistungsverhältnis stimmig war. Auch ist bei den meisten Hotels und Fitnessclubs, die es sich lohnt zu besuchen, die Qualität der Dienstleistung in hohem Maße von der Qualifikation und dem Engagement der Mitarbeiter abhängig. Die Hotelbranche ist im Gegensatz zur Fitness jedoch hoch professionell und besitzt eine langjährige Tradition in der Erbringung außergewöhnlicher Dienstleistungen. Dort können Fitnessbetreiber mehr lernen als beim nächsten Club an der Ecke. 

Deshalb ist unser Angstgegner Nummer 1 in Deutschland Dieter Müller, der Gründer von Motel One. Nennen Sie uns paranoid, aber wir haben die Domain Fitness One reserviert, mit allen relevanten Endungen. Damit da bloß nichts anbrennt.


Samstag, 1. November 2025

Nahrungsmittel – In the Air Tonight

Niemand mag den Augenblick, in dem an der Supermarktkasse der Preis der Einkäufe genannt wird. Das macht …  Autsch, gerade jetzt, mit der Inflation und so. Doch es gibt Informationen, die noch deutlich unangenehmer sind als die Zahl unten auf dem Kassenbon. Übler sogar als die unzähligen Kalorien, die jetzt auf dem Weg zu Ihnen nach Hause sind. Es ist der Energieaufwand, der erforderlich war, um Ihre Einkäufe zu produzieren und ins Regal zu stellen. Ein Wert, der in Diesel-Äquivalenten gemessen wird. Ein Wert, der die Frage, ob Sie mit dem Rad, Elektroauto oder SUV zum Einkaufen gefahren sind, irrelevant erscheinen lässt. 

Wie bei einem amerikanischen Film ist an dieser Stelle eine Warnung angebracht. Möglicherweise sollten Sie nicht weiterlesen. Falls Sie ein empfindsames Gemüt haben. Falls Sie um Ihre CO2-Bilanz besorgt sind. Falls Sie meinen, grundsätzlich umweltfreundlich unterwegs zu sein, weil Sie eine Tragetasche mitgebracht haben oder zuhause Solarpaneele auf dem Dach liegen. Jetzt kommt es knallhart. Nicht nur für Sie, für uns alle.

Beginnen wir mal mit den Tomaten. Bis so ein schnuckeliges rotes Teil vor Ihnen liegt, sind etwa 14,8 ml Diesel für Produktion und Transport verbraucht worden. Das sind zwischen 0,50-0,65 Liter Diesel pro Kilogramm dieser schönen Vitamin-C-reichen Frucht. Welche zu 95% aus Wasser besteht, zudem aus ein paar Kohlehydraten und etwas Protein. Nährwerttechnisch also ein glorifiziertes Wasserglas. Auch sehr beliebt ist Brot, etwa 0,21-0,25 Liter Diesel stecken in einem Kilogramm davon. Das hätten Sie nicht gedacht, weil Sie der Meinung waren, Fleisch wäre der Übeltäter. Damit haben Sie natürlich Recht. Hühnchen schneidet mit 0,20 Liter Diesel pro Kilogramm noch vergleichsweise gut ab. Schaf-, Schweine- und Rindfleisch sind mit etwa 2,0 Liter Diesel pro Kilogramm schon deutlich energieintensiver. Die Spitzenposition nehmen jedoch Meeresfrüchte ein, so gut sie auch schmecken. Sardinen aus Wildfang benötigen 0,75 Liter Diesel pro Kilogramm Lebendgewicht, also inklusive Kopf, Flossen, Gräten und Innereien. Seebarsch aus Aquakulturen im Mittelmeer kommt auf 2,0-2,5 Liter Diesel pro Kilogramm. Seekrabben und Lobster auf bis zu 10 Liter pro Kilogramm. Dies ist der Grund für die kleinen, aber teuren Packungen.

Häufig wird konstatiert, dass Bio-Lebensmitteln, die auf kleinen Höfen in traditioneller Weise hergestellt werden, für die Umwelt eine geringere Belastung darstellen. Diese Hypothese ist jedoch umstritten, weil kleine Höfe deutlich weniger effizient sind als große. Zudem ist es aufgrund des hohen Flächenbedarfs heute gar nicht möglich, mehr als einen winzigen Bruchteil unserer Nahrungsmittel auf diese Weise zu produzieren. Biologisch erzeugte Lebensmittel können die Energieintensität unserer Nahrung daher nicht erheblich reduzieren. Sie schmecken gut und sind aus vielerlei Gründen zu empfehlen. Wer mit ihnen jedoch unsere CO2-Bilanz verbessern möchte, befindet sich auf dem Holzweg.

Wie immer gibt es gute und schlechte Nachrichten. Die Gute: Sie wissen jetzt mehr als vorher und können Ihren CO2-Abdruck durch die Menge und Art der Lebensmittel, die Sie kaufen, beeinflussen. Vielleicht werfen Sie auch weniger Essbares weg. Die Schlechte: Die genannten Werte stimmen in etwa, leider. Sie können diese in den Büchern von Vaclav Smil nachlesen, einem Wissenschaftsautoren, dessen berühmtester Fan seit Jahren Bill Gates ist. Natürlich kommt bei solcher Lektüre keine rechte Freude auf. Das Programm der Grünen strahlt da deutlich mehr Positivität und Optimismus aus. Weil es natürlich netter wäre, sich von ungespritzten Feldfrüchten zu ernähren, die man auf dem Weg nach Hause selbst einsammelt. Doch so ist es nicht. 

Einen Norddeutschen davon zu überzeugen, weniger Knipp zu essen, das mag funktionieren. Schmeckt eh nicht besonders. Aber einen Bayern dazu zu bringen, auf die Haxe zu verzichten, das ist schon deutlich anspruchsvoller. Zudem beträgt der Anteil der Deutschen an der Weltbevölkerung lediglich 1,1%, Tendenz fallend. Unzählige Menschen in Afrika, China, Indien und anderen Regionen möchten und werden mehr Lebensmittel zu sich nehmen, weil sie heute viel zu wenig davon bekommen. Sie werden mehr Strom verbrauchen, in besseren Häusern leben, mehr Medikamente schlucken, sie möchten ein Auto und vielleicht ein eBike. Niemand, der unseren Lebensstandard besitzt und bei Sinnen ist, wird diesen Menschen ihr Recht auf ein besseres Leben absprechen. Das Effektivste, was Sie in dieser Situation tun können, ist, sich für die Stärkung der Frauenrechte und eine bessere Schul- und Berufsausbildung in diesen Ländern einzusetzen. Mit dem Wohlstand steigt das Bewusstsein für die Umwelt von ganz allein. Sieht man ja bei uns.

Deshalb ist das von hochdotierten Bürokraten ausgerufene Ziel der CO2-Neutralität, gelinde gesagt, schwierig. Es ist nur für eine winzige Anzahl von Menschen erreichbar, Norweger vielleicht, aber nicht für große Länder oder gar die Menschheit. Selbst falls Sie planen sollten, das Essen komplett einzustellen und sich nicht mehr zu bewegen, bringt das gar nichts. Unseren Segen hätte es auch nicht. Wir empfehlen: Morgens ein Lächeln auf dem Gesicht, essen, was Ihnen gefällt, nur einkaufen, was Sie auch wirklich zu sich nehmen, und bei uns im Club trainieren. 

Wenn man schon lebt und damit zwangsläufig die Umwelt belastet, dann wenigstens mit guter Laune und gesund.


Milliardäre – Some Like It Hot

Rainer Schaller hat es wohl geschafft, Rene Moos vielleicht auch. Doch ansonsten müssen Sie in der Fitness nach Milliardären suchen, weil es...