Rainer Schaller hat es wohl geschafft, Rene Moos vielleicht auch. Doch ansonsten müssen Sie in der Fitness nach Milliardären suchen, weil es kaum welche gibt. Warum ist das so?
Erster Grund: Um in der Fitness eine Milliarde zu verdienen, müssen Sie ein recht großes Geschäft aufbauen. Sie benötigen mindestens 400 Clubs, falls Sie Alleingesellschafter sind und sich aus dem Cash Flow finanziert haben. Für den Fall, dass Sie Geld über Private Equity oder die Börse besorgt haben, müssen es einige tausend Clubs sein. Derart große Ketten sind selten.
Zweiter Grund: Sie dürfen keine groben strategischen Fehler begehen, auf Luxus, Franchise oder Technologie setzen zum Beispiel. Viele Unternehmer in der Fitness haben dies getan. Damit kann man ohne Zweifel Geld verdienen, aber nicht in dieser Größenordnung. Das lukrativste Luxusimperium ist LVMH, eine Rechtefirma ohne nennenswerte Flächenpräsenz. Das erfolgreichste Franchise der Welt ist McDonald‘s, weil es neben einer starken Marke auch jede Menge Immobilien besitzt. Dies trifft aber auf keinen einzigen Fitnessbetrieb zu. Technologie in Form von künstlicher Intelligenz oder Virtual Reality führt meist zu weniger, nicht zu mehr Bewegung im Alltag. Auch das ist also eher kein Wachstumstreiber für Ihr Geschäft.
Dritter Grund: Unternehmer in der Fitness verlieben sich häufig in sich selbst. Sie hören auf, andere Meinungen zu hören, und entscheiden regelmäßig aus dem Bauch heraus. Das sind schon in Branchen, die sich kaum verändern, schlechte Voraussetzungen. In der Fitness ist dies eine unblutige Form des Harakiri, der ultimative geschäftliche Erfolg wird unerreichbar, meist kollabieren die Unternehmen kurz, nachdem die Gründer zum Mann oder zur Frau des Jahres gewählt wurden. Die Branche ist für so etwas schlicht zu komplex und dynamisch. Allein schaffen Sie die Betreuung und stetige Weiterentwicklung hunderter oder tausender Anlagen nicht: Clubs nach Schema F entstehen, denen die lokale Einbettung fehlt, oder sie bauen ein Potpourri von mittelmäßigen Konzepten auf, das weder profitabel noch sinnvoll führbar ist.
Vierter Grund: Ein Milliardenunternehmen führt man nicht allein. Doch in der Fitness ist es schwierig, kompetentes Personal zu finden, welches Sie nicht betrügt. Gerade wenn Sie auf rasches Wachstum setzen, gibt es für Ihr Team und die Berater vielfältige Möglichkeiten, die Firma durch Kickbacks auszulaugen. Dies führt zu erhöhten Anschaffungskosten für neue Clubs, welche zunächst aktiviert werden und nicht weiter auffallen. Über Zeit steigern diese jedoch Ihre Verschuldung und treiben einen massiven Keil zwischen EBITDA und Cash Flow. Das gefährdet den Erfolg Ihres Projektes, weil dadurch eine dauerhafte Abhängigkeit von Finanzierungspartnern entsteht. Von Partnern also, die irgendwann in naher Zukunft mit Sicherheit die Nerven verlieren, wenn Ihre Versprechungen wieder und wieder unerfüllt bleiben.
Falls Sie es dennoch schaffen, sind Sie ganz oben angekommen. Große und profitable Fitnessfirmen sind ein dankbares Geschäft, an dem Sie jahrzehntelang Freude haben können. Insofern Sie dann die Gesellschaft der Schönen und Reichen suchen, stehen Ihnen alle Türen offen. Celebrities erscheinen gern sportlich, um den Mythos Ihrer Unsterblichkeit zu nähren. Zwar hat sich in deren Welt seit Billy Wilders Zeiten einiges getan, aber sein Erfolgsfilm aus dem Jahr 1959 bleibt in gewissem Maße instruktiv. Leider lebt Marilyn Monroe nicht mehr, falls Sie auf Frauen stehen, und auch Tony Curtis nicht, andernfalls. Auf diesem Gebiet müssen Sie sich also neu orientieren. Vielleicht mit Ana de Armas oder Chris Evans.
Wir wünschen Ihnen Erfolg. Sie tun nun Dinge, auf die nicht einmal Billy Wilder und seine Crew gekommen sind. Das will schon etwas heißen, denn deren Streifen hat in der Filmbranche damals Maßstäbe gesetzt.
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