Sonntag, 1. Februar 2026

Sapiens – Eine kurze Geschichte der Fitness

Die landwirtschaftliche Revolution hat allerlei Veränderungen gebracht, meint Yuval Noah Harari, die wenigsten davon positiv. Desgleichen hört man selten, weil der Aufstieg des Menschen ja meist als ein glorreiches Heldenepos erzählt wird. Dieser Autor jedoch sieht das anders. Er erzählt unsere Geschichte aus der Perspektive eines Weizenkorns, des antiken Feldarbeiters oder eines Zuchttiers in Käfighaltung. So kommt er zu dem Schluss, dass es auf der Welt zwar immer mehr Weizenkörner, Arbeiter und Zuchttiere gibt, sie aber allesamt nicht besser leben, als ihre Vorgänger aus der Jäger- und Sammlerzeit, sondern dramatisch schlechter. Selbst wenn man berücksichtigt, dass diese steile These mit Blick auf die Verkaufszahlen seiner Bücher wohl etwas überspitzt wurde und daher möglicherweise nicht ganz ernst gemeint ist, so bleibt nach der Lektüre dennoch der fade Beigeschmack zurück, dass er vielleicht Recht hat.

Wie steht es also mit den zentralen Errungenschaften der Menschheit: Häuser, Autos, Fitnessclubs, Tiefkühlpizzen und uns selbst? Sind das alles unerwünschte Nebenwirkungen einer tragischen Fehlentwicklung, die den Planeten ruiniert und uns unglücklich macht? Sicher ist, dass diese Sichtweise auch aus den Proklamationen des Club of Rome, der Letzen Generation, De-Growth-Propheten und der ESG Alliance herauslugt: Wir sind zu weit gegangen, müssen die Übervölkerung der Erde stoppen, den Gürtel enger schnallen, zurückgezogen, versteckt, möglichst still und CO2-neutral leben. Doch ist das wirklich unsere Bestimmung, der Weg auf den wir durch religiöse Autoritäten oder kosmische Naturgewalten geschickt wurden? Zweifel sind angebracht.

Denkt man sich den Menschen einmal weg, dann bleiben jede Menge physische Materie, Pflanzen, das Tierreich und noch ein paar weitere Dinge übrig. Welche Regeln gelten in dieser vorgestellten Rest-Welt? Der Vulkan kümmert sich weiterhin nicht um seine Schwefelemissionen beim nächsten Ausbruch. Pflanzen und Tiere wollen sich vermehren und ihren Lebensraum vergrößern. Wer dabei im Weg steht, wird niedergemacht, so gut es geht. Meere und Flüsse trocknen aus, wenn sich die klimatischen Bedingungen dafür einstellen. Berge und Täler erodieren still vor sich hin, bis sie weg sind. Der Superkontinent Pangäa Ultima, welcher sich nach Meinung der Wissenschaft in den kommenden 250 Millionen Jahren aufgrund tektonischer Plattenverschiebungen bilden wird, verspricht um 14 Grad Celsius erhöhte Temperaturen, die Verdopplung des CO2-Gehalts der Atmosphäre und eine Todeszone für Säugetiere, die rund 92% der zukünftigen Landmasse ausmachen wird.

Also, wenn das die Zukunft der Erde ist, fragt man sich, welche Relevanz die Thesen von Yuval Harari überhaupt haben. Ob man sich jetzt vorstellt, ein Weizenkorn, Landarbeiter, Zuchttier oder sonst was zu sein. Ist doch weitgehend egal. Mit dieser Perspektive packt man besser direkt seine Sportsachen ein und macht sich auf den Weg in den Fitnessclub. Denn eines ist klar: das Leben wird definitiv nicht einfacher.

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