Egal was, Technik ist immer fehleranfällig. Schraubenzieher, iPhone, Auto, Trägerrakete. Irgendwann ist Schluss mit lustig. Das Teil funktioniert einfach nicht mehr. Die Lösung für dieses Problem ist seit Jahrtausenden dieselbe. Redundanz. Darum finden Archäologen kein einzelnes Steinwerkzeug, sondern, wenn sie überhaupt etwas finden, dann einen ganzen Haufen. Redundanz. Darum haben Leute, die jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, nicht eines, sondern mindestens zwei davon. Redundanz. Darum besitzen Menschen, die gern handwerklich arbeiten, nicht nur einen Hammer, eine Säge oder einen Bohrer. Sie haben mehrere. Redundanz. Darum haben Sie, falls Sie befürchten, dass das Stromnetz zusammenbricht, nicht einen Generator, sondern zwei. Klar, denn die Sachen gehen immer dann kaputt, wenn die Baumärkte geschlossen sind und Ihr Mechaniker keine Zeit hat.
Natürlich gibt es Bereiche, in denen Redundanz problematisch ist. Da wären beispielsweise die Frauen oder bei Frauen eben die Männer. Obwohl der zweite Fall nicht so heikel ist. In Bezug auf Frauen jedenfalls heißt das Konzept der Redundanz: Harem. Für Männer hat dieser Begriff erst mal keine durchweg negativen Konnotationen. Bei Frauen, die damals üblicherweise bettelarm waren und gemeinsam mit ihren Großfamilien in engen Zelten hausten, hatte das Wort wohl auch keinen so schlechten Klang. Doch ultimativ bedeutet Harem, dass ein paar langhaarige Machos jede Menge tolle Frauen blockieren. Dies führt weiter unten in der sozialen Hackordnung zu allen möglichen Problemen, weil Männer und Frauen üblicherweise in gleicher Anzahl geboren werden. Ausgehverbote sind die Folge, Verschleierung, Bildungs- und Berufsausübungsbeschränkungen, Zwangsehen, häusliche Gewalt. Es kommt erschwerend hinzu, dass Männer und Frauen, egal wie cool oder fähig sie sind, eben nicht automatisch einen höherwertigen Nachwuchs erzeugen als irgendwer sonst. Darauf hatten die Nazis gesetzt. Doch heute wissen wir, das ganze Arrangement hat keinerlei vererbungstechnische Vorteile. Im Gegenteil, solche Gesellschaften fahren im besten Fall mit angezogener Handbremse oder vernichten sich im schlimmsten Fall mit einem großen Knall selbst. Das sieht man besonders in Afrika und im Nahen Osten, wo Vielehen noch immer verbreitet sind.
In Fitnessclubs ist Redundanz natürlich Programm. Ab tausend Besuchern pro Tag, viele davon zwischen 16.00 und 21.00 Uhr, nervt es, wenn zu wenige Laufbänder, Crosstrainer oder Power Racks zur Verfügung stehen. Es gibt in solchen Clubs also jede Menge davon. Erstaunlich oft führt dies zu Konfigurationen, die wir Clone Wars nennen. Also unendliche Reihen von identischen Geräten, die zentimetergenau ausgerichtet nebeneinander stehen. So als wäre es ein Riesenspaß, nach einem stressigen Bürotag auch beim Training noch einmal gezeigt zu bekommen, dass man nur ein kleines Rädchen im System ist. Wie Charlie Chaplin in seinem großartigen Film - Modern Times - aus dem Jahr 1936.
Die Sache hat aber auch Vorteile. Wenn Sie einen Fitnessclub mit konsequenter Clone Wars-Aufstellung finden, dann bekommen Sie meist ein Schnäppchen. Der Betreiber macht nicht groß rum, sondern klotzt, denn die Masse soll es richten. Das ist optimal, wenn Sie weder Service noch Betreuung benötigen, wenn zudem Grüppchenbildung auf der Trainingsfläche und mangelnde Hygiene nachrangig sind. Falls für Sie die testosterongesteuerte Klärung von Statusfragen im Club oder später auf dem Parkplatz grundsätzlich kein Problem darstellt.
Die Fitness ist vielleicht die letzte moderne Dienstleistungsbranche, bei der das Qualitätsniveau direkt aus der Phantasielosigkeit des Ladenbaus ableitbar ist. Dafür müssen Sie gar nicht erst in Turnsachen aufkreuzen. So etwas gibt es sonst nur noch bei Nähfabriken in Bangladesch oder indischen Call-Centern, wo filmen aber verboten ist. Wir finden diese Offenheit sympathisch.
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