Mittwoch, 1. März 2023

Fitnesskartensysteme – Kiss of the Spider Woman

Sie benötigen fast eine eigene Leitung für diese Anrufe. Gemeint sind Cold Calls von Vertrieblern, liebevoll auch Strukkis genannt, der in Deutschland tätigen Fitnesskartensysteme. Dass es so viele verschiedene gibt, sollte Ihnen schon einmal zu denken geben. Anders als bei Handynetzen existieren nämlich weder Interoperabilitäts- noch Roamingvereinbarungen zwischen den Anbietern. Kurz erklärt, ein Kartensystem stellt sich zwischen Sie und die bei Ihnen Trainierenden. Es ist eine dritte Partei, die selbst einen Vertrag mit Fitnessinteressierten abschließt und auf dessen Basis den Zutritt zu Ihrer Anlage ermöglicht. Das klingt erst einmal nicht so gut, kann aber vorteilhaft sein. Ob in Ihrem Fall die Vorteile oder Nachteile überwiegen, sollten Sie sorgfältig analysieren. Und das ist gar nicht so einfach.

Die Anrufe laufen in der Regel so ab. Guten Tag, ich habe da einen großen Kunden in der Nähe Ihres Clubs, der spezifisch nach den Trainingsmöglichkeiten bei Ihnen gefragt hat. Das ist natürlich eine Lüge. Aber Lügen ist im Strukturvertrieb sowohl Kernkompetenz als auch Überlebensbedingung. Also gut, der ärgerliche Teil kommt erst noch. Sie fragen, wie viele Teilnehmer hat Ihr Kartensystem denn in der Stadt? Darauf erhalten Sie meist keine Antwort und, falls Sie eine bekommen, dann liegt der reale Wert meist zwischen 20 und 50% der gerannten Zahl. Danach fragen Sie, mit wie vielen Trainingsbesuchen kann ich denn monatlich rechnen? Da dies von der Teilnehmerzahl abhängt, die Sie nicht kennen, schauen Sie auch bei dieser Frage in die Röhre. Dann kommt Ihre dritte Frage, wie viel Euro erhalte ich denn pro Besuch? Üblich sind rund 10-15% Ihres regulären Monatsbeitrags. Der Betrag wird also meist zwischen 5 und 10 Euro netto liegen. Manche Kartensysteme fordern einen Mengenrabatt, wenn die Anzahl der Besuche bestimmte Schwellenwerte übersteigt. Ein solcher Abschlag reduziert Ihre Einnahmen pro Besuch um etwa einen Euro. Ein weiterer Faktor ist die Anzahl der teilnehmenden Anlagen in Ihrer Stadt. Ein Wert, der leicht auf der Webseite des Kartensystems zu ermitteln ist. Partnerbetriebe heißen die. Wie süß, das ist Ihre Konkurrenz.

Falls Sie eine mittel- bis hochpreisige Kette mit mehreren Anlagen in einer Großstadt betreiben, werden Sie an einem Kartensystem vermutlich nicht vorbeikommen. Die Kartensysteme haben in Metropolregionen Ihnen gegenüber den Vorteil, mit großen Firmen überregional wirkende Verträge schließen zu können. Über diese Verträge können Ihnen die Kartensysteme Kunden zuführen, an die Sie selbst nicht herankommen, weil die Personalabteilung in Ihrer Stadt über solche Verträge nicht entscheidet. Die irgendwo angesiedelte Personalabteilung der Zentrale interessiert sich nicht für Sie. Zudem haben Sie mit mehreren Anlagen am Ort die Chance, einen hohen Anteil der regionalen Trainingsbesuche der Nutzer des Kartensystems auf Ihre Anlagen zu lenken.

Betreiben Sie eine einzelne Anlage in einem Markt mit belebtem Wettbewerb, dann sind Ihr Anteil der Trainingsbesuche und somit Ihre Einnahmen aus dem Bonuspool vermutlich gering. Es sei denn, Sie betreiben die marktführende Anlage. Dieser Fall ist jedoch selten, und es stellt sich dann die Frage, ob Sie das Kartensystem überhaupt benötigen. Falls Sie eine Anlage betreiben, die allein auf weiter Flur steht, dann ist die Partnerschaft mit einem Kartensystem nur von Nutzen, wenn es einen oder mehrere wirklich große Kunden gibt, die ein Kartensystem verwenden und die Ihre direkten Avancen wiederholt abgelehnt haben.

Kartensysteme sind technisch gesehen häufig Insellösungen, die nicht mit Ihrer Studiosoftware kommunizieren. Das verursacht einen bestimmten Verwaltungsaufwand bei Ihnen in Bezug auf die Datenpflege und Zugangskontrolle. Haben Sie ein automatisiertes Zugangssystem und eine hohe Besuchsfrequenz, dann kann dieser Aufwand erheblich sein. Kartensysteme bieten zudem eine Alternative zur direkten Mitgliedschaft bei Ihnen. Von 100 Interessenten, die andernfalls bei Ihnen abschließen würden, werden sich nach Ihrer Partnerschaft mit einem Kartensystem nicht mehr 100 für eine direkte Mitgliedschaft entscheiden. Eine direkte Mitgliedschaft ist für Sie jedoch interessanter. Ihr Verwaltungsaufwand und diese Mindereinnahmen sind die Kosten der Zusammenarbeit mit einem Kartensystem. Diese sollten Sie mit den erwarteten oder tatsächlich empfangenen monatlichen Zahlungen des Kartensystems an Sie vergleichen. 

Ein weiterer Faktor sind sogenannte Partnerverträge. Einige Kartensysteme fordern von Ihnen einen preisreduzierten Tarif für Ehepartner, Lebenspartner oder Kinder des Kartensystemnutzers. Klingt nicht gut? Ist es aber, dies sind die interessanten Fälle. Fordert ein Kartensystem keinen solchen Partnervertrag, dann bedeutet dies, dass das Kartensystem solche Verträge selbst anbietet. Falls letzteres der Fall ist, werden Sie vermutlich keinen Anstieg der direkten Mitgliedschaften in Folge Ihrer Zusammenarbeit mit dem Kartensystem verzeichnen. Auf die Auskünfte, die Sie in diesem Punkt vom Strukki erhalten, verlassen Sie sich besser nicht. Schauen Sie im Netz nach oder erkundigen Sie sich direkt bei dem Kartensystem, in dem Sie sich als branchenfremder Firmenkunde ausgeben.

Interessant ist, dass Kartensysteme in der Regel hohe Verluste schreiben. Dies ist dem harten Wettbewerb und der geringen Differenzierung der Anbieter geschuldet. Die Betriebskosten der Kartensysteme sind also deutlich höher als deren Einnahmen. Insofern dies nicht auf zu teuer gekaufte Wettbewerber oder ineffiziente Abläufe zurückzuführen ist, könnte dies bedeuten, dass Sie einen guten Deal bekommen. So ist es bis heute bei amazon, das mit dem Retailgeschäft kaum Geld verdient. Nur haben die Kartensysteme kein AWS, der Bereich, in dem amazon Geld druckt. Dies führt dazu, dass sich die Kartenanbieter alle gegenseitig kaufen und monströse Firmenwerte in ihren Bilanzen auftürmen. Diese werden dann abgeschrieben und drücken das Bucheigenkapital über Jahre an die Nulllinie. Kein Eigenkapital bedeutet keine Bankfinanzierung. Keine Bankfinanzierung bedeutet häufig Private Equity. Private Equity bedeutet, dass die Gründer mehr Firmenanteile und häufig die unternehmerische Kontrolle verlieren. Gängig daher die Umstellung auf IFRS. Dann können die potemkinschen Dörfer noch ein paar Jahre zu Anschaffungskosten weitergeführt werden. Vielleicht greift amazon am Schluss zu und manscht den Service in die Prime-Mitgliedschaft rein. Erst dann haben Sie als Betreiber ein richtig fettes Problem. 

Es gibt also Situationen, in denen die Zusammenarbeit mit einem Kartensystem für Sie eindeutig vorteilhaft ist. Es ist auch klar, unter welchen Umständen diese keinen Sinn ergibt. In vielen Fällen wird aber weder das eine noch das andere der Fall sein. Wenn Sie sich also trotz der Analyse des Für und Wider nicht sicher sind, dann könnten Sie nach dem Kriterium der Partnerverträge entscheiden. Wird Ihr direkter Vertrieb aufgrund der Zusammenarbeit mit dem Kartensystem durch die Abschlüsse mit Ehepartner, Lebenspartner oder Kindern des Nutzers gestärkt, dann versuchen Sie es. Der Engländer nennt das: Robbing a few gas stations on the way to the bank. Landen Ehepartner, Lebenspartner und Kinder des Nutzers beim Kartensystem und nicht bei Ihnen, dann lassen Sie es. Es gibt dann keine Tankstellen auf dem Weg zur Bank.


Mittwoch, 1. Februar 2023

Gesundheitsministerium – Sonderzug nach Pankow

Für Mitarbeiter in diesem Ministerium ist eine Midlife-Crisis vorprogrammiert. Was mache ich hier eigentlich? Dafür ist weder ein Grüßaugust noch ein Münchhausen an der Spitze erforderlich. Es liegt an dem unglaublich komplexen Arbeitsgebiet dieser Behörde. 5,8 Mio. Menschen arbeiten hierzulande im Gesundheitswesen. Es gibt 716.000 stationäre oder teilstationäre Einrichtungen, zudem 71.000 Rettungsdienste und 433.000 sonstige Einrichtungen. Der Umsatz beträgt 364 Mrd. Euro jährlich. Angebot und Nachfrage sind feingliedrig reguliert. Die Anzahl der Gesetze, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften ist auch für Fachleute vollkommen unüberschaubar. Fazit, nur wenige Arbeitsbereiche sind anspruchsvoller als dieser. 

Das erfordert Grundprinzipien, welche über lange Zeit entwickelt und verfolgt werden. Sprunghaftigkeit führt in diesem Ministerium nie zum Erfolg. Die erwünschten Wirkungen und die tatsächlichen Folgen spontaner Entscheidungen klaffen nirgends weiter auseinander. Das wissen Menschen, die jahrelange Erfahrung im Gesundheitsmanagement besitzen. Kleine Schritte sind angesagt, keine spektakulären Aktionen. Und von überragender Bedeutung sind Zahlen, welche helfen, die komplexen Wechselwirkungen von Entscheidungen zu verstehen und daraus zu lernen. Klingt das nach dem Profil eines Ihnen bekannten Politikers? Wohl eher nicht.

Der Begriff Gesundheit suggeriert, dass medizinische und pharmakologische Kenntnisse erforderlich sein könnten. Solche erwirbt man durch akademische Ausbildung und jahrelange Praxis. Doch diese reichen bei Weitem nicht aus und sind für sich allein genommen völlig unzureichend. Denn die zivilgesellschaftlichen Auswirkungen der Entscheidungen dieses Ministeriums sind immens. Die Petrischale ist kein geeignetes Modell für ein Land. 

Sowohl die medizinische Forschung als auch die Politik sind somit denkbar ungeeignete Orte, um nach Führungspersonal für diese Behörde zu suchen. Doch genau daher kommen die Chefs. Ein Grund hierfür ist unser Vertrauen in eine kompetente Bürokratie, welche die Kapriolen der Spitzenleute abpuffert und den größtmöglichen Schaden verhindert. Eine Vorstellung, die sich nicht zuletzt durch die britische Erfolgsserie - Yes Minister - aus den 80ern verfestigt hat. Seit 2020 ist jedoch klar, dass dieses Vertrauen unbegründet ist. Die Behörde, ihre nachgelagerten Institute und Ämter sind durchweg ausgelaugt und überfordert, sodass die Spitzenleute tatsächlich jede Menge Schaden anrichten können.

Um ein Moped zu fahren, benötigen Sie einen Führerschein. Um im Fitnessclub einen Trainingsplan zu erstellen, ist eine Trainerausbildung notwendig. Doch für den Spitzenjob in dieser Behöre ist neben der richtigen Parteizugehörigkeit nichts weiter erforderlich, als ein wenig zu winken und ausreichend Follower bei Twitter einzusammeln. Die hierfür angeführte Begründung lautet gemeinhin: Demokratie.

Doch trägt diese Begründung wirklich? Es gibt bei uns jede Menge Regeln, die nicht zur Wahl gestellt, sondern einfach konstatiert werden. Regeln, die so offensichtlich richtig sind, dass man sie leicht einem Vierjährigen erklären kann. Beim Autofahren gibt es beispielsweise die Gurtpflicht. Sie können einen Führerschein haben, Ihr Auto hat TÜV und ist versichert, Sie beachten die Verkehrsregeln, aber trotzdem dürfen Sie nur mit Sicherheitsgut fahren. Das ist eine Selbstschutzmaßnahme. Ärzte müssen ein mühsames Studium absolvieren, Leichen sezieren und sich im Krankenhaus einer modernen Form der Knechtschaft unterziehen, auch Praxisjahre genannt. Um eine Mittelspannungsanlage oder ein Kraftwerk zu reparieren, wird eine anspruchsvolle Ausbildung vorausgesetzt. Das ist Fremdschutz.

Beides haben wir bei der Besetzung von Führung und zentralen Schaltstellen dieses Ministeriums sträflich vernachlässigt. Für derart anspruchsvolle Jobs sind relevante Managementerfahrung, Fleiß und Integrität erforderlich. Alles andere ist unverantwortlich. Die Bürger verdienen mehr. Auch die Mitarbeiter im Ministerium, den Ämtern und medizinischen Einrichtungen, in angrenzenden Bereichen wie der Pflege, Sportvereinen und Fitnessclubs. Denn diese Menschen widmen ihr Berufsleben und bemerkenswerte emotionale Kraft der Gesundheit anderer. 

Hierfür benötigen sie stabile und rational gestaltete Rahmenbedingungen, nicht Udo Lindenberg und das Panikorchester.


Sonntag, 1. Januar 2023

Anfang – Rock Me Amadeus

Zahlreiche Menschen glauben, dass alles mit der Schrift begann oder mit Höhlenmalereien oder mit diesen kleinen Figuren, welche aus Tierzähnen geschnitzt wurden. Doch das ist unwahrscheinlich. Der Anfang der Fitnessbranche oder allgemein dessen, was wir heute Zivilisation nennen, sah wohl anders aus. Vermutlich recht banal.

Nachdem unsere Vorfahren die Bären nahezu ausgerottet hatten, waren Höhlen bekanntlich beliebte Wohnorte. Eines Abends in grauer Vorzeit: Wasser war von den Felsen in eine Schale getropft, in welcher sich zufällig Reste von Getreide befanden. Als die Herren am Abend durstig und erschöpft von der Jagd zurückkamen, nahmen sie einen Schluck aus eben dieser Schale. Erfreulich war einerseits, dass das Wasser keine Übelkeit auslöste, aber auch, dass das zwischenzeitlich fermentierte Getreide für eine ausgelassene Stimmung sorgte. Obwohl wir Frühmenschen oft eine schlichte Geisteshaltung attestieren, gingen unsere Vorfahren der Sache nach und stellten rasch fest, was der Grund für den gelungenen Abend war. 

Als das Umfeld der Höhle dann irgendwann abgejagt war und eigentlich ein Umzug angestanden hätte, erinnerte sich die Gruppe an den netten Abend. Vermutlich waren es die Frauen, die darauf hinwiesen, dass eine verlässliche Versorgung mit Getreide und ständige Umzüge nicht vereinbar seien. Bei uns wird dieser Zeitpunkt meist etwas klinisch als Beginn der neolithischen Periode bezeichnet. Doch zuallererst läutete er eine neue Phase der Geselligkeit ein, und war erst in zweiter Linie Auftakt für unsere Sesshaftigkeit. Sicher ist auch, dass seitdem sportlich anspruchsvolle Berufe an Bedeutung verloren, Fitnessclubs aber an Bedeutung gewonnen haben.

Oft wird zudem angenommen, dass dieses Ereignis in intellektueller Hinsicht ein entscheidender Wendepunkt war. Doch das ist wenig plausibel. Vergleichen Sie den Unterhalt einer Holzhütte, eines abgezäunten Ackers und von ein paar Ziegen mit dem organisatorischen Aufwand, den Nomadenvölker noch heute betreiben müssen, um ihre Sippe mehrmals im Jahr kilometerweit umzusiedeln. Nein, der Beginn der neolithischen Periode war sicherlich nicht nobelpreisverdächtig. Doch über Zeit ermöglichte er etwas, das wir heute Skaleneffekte nennen. Die Produktivität der Arbeit stieg, und die Menschen hatten bald mehr Zeit, um Dinge wie Autos und Computerspiele zu entwickeln. Davon profitieren wir noch heute. Nicht zuletzt mit Hilfe von Fitnessclubs, die ein gesundes Leben auch für Menschen mit Jobs in Büro und Homeoffice fördern.

Doch erstaunlich viele haben vergessen, wie alles begann. Mit einem sportlich anspruchsvollen Tag, kühlen Getränken und guter Laune. Hier bei uns im Fitnessclub ist dieser Zusammenhang jedem klar.


Donnerstag, 1. Dezember 2022

Wachstum – Reach for the Stars

Sie wollen ein richtig großes Fitnessgeschäft aufbauen. Nicht ein paar Dutzend, sondern ein paar tausend Clubs. Wie geht das, und was ist dabei zu beachten? Beruhigend ist schon mal, dass Sie nicht der Einzige sind. Es geht also. 

Zuerst benötigen Sie ein entsprechendes Einzugsgebiet. Die größte Fitnessgruppe der Welt hat 2.000 Clubs in den USA; das entspricht 165.000 Einwohnern pro Club. Hinzu kommen 430 Clubs in Australien; da sind es nur 60.000 Einwohner pro Club. Dann 134 Clubs in Japan; das sind fast 1.000.000 Einwohner pro Club. Letztlich noch Canada mit 135 Clubs und 280.000 Einwohnern pro Club. Betrachtet man Japan sowie Australien als Ausreißer und verbucht die USA unter Heimvorteil, dann kommen Sie global wahrscheinlich bei 250.000 Einwohnern pro Club raus. Praktisch heißt das: 3.000 Clubs in Europa, 3.000 in Amerika, 18.000 in Asien. Die Verteilung deutet schon darauf hin, dass gewisse Sprachkenntnisse sinnvoll sind. Mit Englisch kommen Sie nur auf rund 6.000 Clubs und ein paar zerquetschte.

Des Weiteren ist etwas Geduld nötig, wenn sich die Sache rechnen soll. Die größte Kette in Amerika wurde vor 20 Jahren gegründet, die größte in Europa vor 18, die größte in Deutschland vor 25. Damit es nicht zu stressig wird, rechnen Sie im Schnitt mit etwa 300 Neueröffnungen pro Jahr und Region. Das kann man toppen, aber nur mit einem Akquisitionsmodell. Dieses ist deutlich teurer und sollte deshalb lediglich für den regionalen Markteinstieg, nicht aber für den Roll-Out genutzt werden. Zudem besitzen Fitnessanlagen einen Lebenszyklus, der endlich ist. Am Anfang merkt man das nicht, aber nach 10 bis 15 Jahren kommen die Einschläge näher. Dann müssen Sie eine stetig wachsende Zahl von Schließungen durch Neueröffnungen kompensieren. Das ist natürlich eine nennenswerte Wachstumsbremse. Diese Tatsache wird bei Investorenpräsentationen aber nicht überbetont. Da türmen sich die Balkensegmente übereinander, bis sie nicht mehr auf die Seite passen. Fragen? Keine. Als Analyst Mitte 20 hat man andere Sorgen.

Der Firmensitz ist mit Bedacht zu wählen. Die Klassiker wie Steuern, Behörden und Geldwäscheregeln sind klar. Aber auch die Rechnungslegung, welche sich regional unterscheidet, sollten Sie im Auge behalten. Firmenwerte, die durch Akquisitionen entstehen, sind in der Fitness so eine Sache. Spätestens wenn Sie alte Anlagen zusperren, müssen Sie die Differenz zwischen Kaufpreis und Sachwert abschreiben. Für den Erwerb einer hochwertigen Kette mit regional marktbeherrschender Stellung haben Sie inklusive Rebranding in etwa Anschaffungskosten von 2 Mio. Euro pro Club. Da die Sachwerte gering sind, bedeutet dies bei Schließung rund 2 Mrd. weniger Eigenkapital auf 1.000 gekaufte Anlagen. Telefonieren Sie zu viel mit Ihrem Investmentbanker, dann wird dieser Betrag mit einer Verzögerung von 10 Jahren leicht zu einer jährlichen Abzugsposition. Hier bei uns ist die Firmenwertabschreibung ratierlich ab dem ersten Jahr fällig. Das ist im Normalfall für Beteiligungen und Marken ein unsinniges Konzept, zu begründen nur durch das Erscheinungsjahr des zugrundeliegenden Gesetzes: 1897. Kurioserweise ist es diesmal jedoch ein Beispiel dafür, dass das deutsche Handelsrecht mitunter auch mal ein realistischeres Bild zeichnen kann als die moderneren Regelwerke IFRS und US GAAP. Für Sie ist das natürlich keine so gute Sache, weil Ihr Eigenkapital von Anfang an unter Druck steht. Tja, die Preußen, alte Spielverderber. In Deutschland können Sie seit einigen Jahren auch IFRS nutzen, doch bleibt unsere Heimat als Firmensitz ungeeignet. Hier fehlt schnelles Internet, bald können Sie die Bude nicht mehr heizen und müssen Kerzen einlagern, falls der Strom knapp wird. Ansonsten sind Sie natürlich willkommen. Ab Montag wieder. Termin über die Internetseite. Falls das nicht klappt, noch mal melden. Sonst die Woche drauf.

Eine Strategie ist als roter Faden für Ihr Projekt unabdingbar. Um ein paar tausend Clubs können Sie sich so im Detail nicht mehr kümmern. Das bedeutet, dass Ihre Anlagen nach der Eröffnung mehr oder weniger Selbstläufer sein müssen. Ergo, Sie werden sich über den Preis vermarkten, harter Discount. Im Augenblick ist das schwierig, wegen der Inflation. Die zerstört Ihre Grenzpreise, bei uns 14,99 oder 19,99. Dieses Problem kann sich aber wieder abschwächen. Nur liegen Ihre Preise dann eher bei 29,99 oder 39,99, was zumindest aus heutiger Sicht nicht so sexy klingt. Das sind dann aber vermutlich ohnehin keine Euros mehr. Muss man abwarten. Neues Spiel, neues Glück.

Natürlich benötigen Sie eine Finanzierung. Der Marktführer in Europa hat eine Bilanzsumme von 2,3 Mio. Euro pro Club, die größte Kette in Deutschland hat 1,2 Mio. Dieser Unterschied entsteht durch die relative Wachstumsgeschwindigkeit, den Akquisitionsanteil und Kickbacks, die Ihr Team und die Berater einsacken. Je rascher Sie wachsen wollen, desto mehr Geld müssen Sie in die Hand nehmen. Ein bisschen Schwund ist immer; rechnen Sie deshalb mit dem Mittelwert. Für das volle Programm, 24.000 Clubs, benötigen Sie rund 42 Mrd. Euro. Für den Fall, dass sie hier in Europa bleiben, sind es lediglich 5 Mrd. Dasselbe natürlich für Amerika. Firmen in dieser Größenordnung können relativ viele Schulden aufnehmen. Für die große Nummer benötigen Sie dennoch etwa 10 Mrd. Eigenmittel; für die Europa-Amerika-Kombi 3 Mrd. So etwas kann sich zwar grundsätzlich eine ganze Reihe von Leuten leisten, aber erfahrungsgemäß kommen als Finanzierer in erster Linie Private Equity oder die Börse in Frage. Gerade jetzt, wo die Russen raus sind. Aber wer weiß, vielleicht geht da noch was über Zypern oder Panama. Sollte man dann jedoch nicht an die große Glocke hängen. Am besten leiten Sie alles über China, da blickt sowieso keiner durch.

Das führt uns zur Frage des Management Teams, und dort haben Sie ein größeres Thema. Sie müssen natürlich abwägen zwischen Erfahrung und Alter. Sie wollen jemanden, der sich auskennt. Doch darf er oder sie aufgrund der Projektlaufzeit nicht zu alt sein. Wir schätzen, dass Sie sich am Ende für jemanden zwischen 40 und 45 Jahren entscheiden werden. In dem Alter hat man schon ein bisschen was gesehen, kann die Sache aber noch vor der Rente eintüten. Auch sind die Kinder dann schon in einem flugtauglichen Alter. Der nächste Punkt ist die Nationalität. In Deutschland brauchen Sie mit der Suche gar nicht erst anzufangen. Hier gibt es niemanden, der geeignet ist. In Europa sind lediglich England und Holland aussichtsreiche Jagdgründe. Die Leute dort sind kommerziell eingestellt und weltgewandt. England hat eine lange Tradition im Handel, ist aber außer im Banking schwach in der Dienstleistung, Fitness sowieso. Auf den Tisch, Hose runter und losgrölen, das war‘s mehr oder weniger mit dem Sport. Ohne Zweifel interessante Typen, aber eher nicht für dieses Projekt. In Holland sind alle auf Zack und es gibt dort smarte Manager, auch in der Fitness. Dennoch würden wir da nicht suchen, zumindest nicht als Deutsche. Ihre Chance auf Erfolg liegt nahe null. Falls Sie in Asien fündig werden, bleibt es bei den 18.000 Clubs dort. Amerika und Europa sind dann außen vor. Die schafft wegen der kulturellen Unterschiede kein Asiate. Deshalb haben Sie für den Spitzenjob in Amerika die besten Aussichten. Ein hochkarätiger Manager aus den USA bringt Ihnen die 6.000 Clubs in Europa und Amerika. Wahrscheinlich eher einer von der Westküste als aus New York oder Atlanta, obwohl der das Europageschäft sicher etwas schleifen lässt. Ein Manager aus Kalifornien findet vermutlich sein Pendant in Asien und schafft Ihnen auch dort die nötigen Clubs ran. Flugzeit 12 Stunden 50 von Frisco nach Shanghai, das ist OK. Reicht allemal für ein Nickerchen und ein paar Akten. Ohne Amerika ist eine Fitnesskette mit globalem Anspruch undenkbar. In Asien ist das meiste zu holen. Europa ist lediglich das Sahnehäubchen.

Eine Mrd. Euro sollten Sie als Startgeld mitbringen. Dafür können Sie zum Beispiel den deutschen Marktführer kaufen, wenn Sie sich beeilen. Vielleicht ein bis zwei weitere Mrd. für Supermonkey, Will‘s oder CSI-Bally aus China. Solche Deals sind ein guter Aufhänger für die Kick-off-Party. Über deren Location muss man noch mal nachdenken, zumindest solange die Kapazitäten von Blue Origin und SpaceX so limitiert sind. Möglich wäre, das Partymodul für die ISS schon mal anzustoßen; diese Dinge haben einen gewissen Vorlauf. Planen Sie dabei lieber etwas größer, weil man einfach nicht weiß, wieviel von der ISS dann noch übrig ist. Wegen des ganzen Weltraumschrotts. Auch die Musik ist so eine Sache. Für den westlichen Gig vielleicht Elton John wegen Rocket Man? Falls der den Gesundheitscheck schafft. Sonst eben Ariana Grande, sobald die von der Flasche weg ist. Zum Glück ist der Asien-Gig gesetzt, Peng Liyuan. Bei der brennt aufgrund ihrer Vorgeschichte in der Volksbefreiungsarmee wohl nichts an. Den Gesundheitscheck lassen Sie trotzdem besser im Kosmodrom Jiuquan machen. Da traut sich definitiv keiner, den Mund aufzumachen, wegen ihres Alten.

Also, Sie haben ein tolles Projekt, und Sie wissen, dass es zu schaffen ist. Sie sollten jedoch berücksichtigen, dass es zu einem Vollzeitjob ausarten und Sie ziemlich viel auf Achse sein könnten, die nächsten 15 oder 20 Jahre. Danach wird es ruhiger.


Dienstag, 1. November 2022

Energiepreise – Blowin' In The Wind

Der Fitnessclub erhöht die Preise, schließt die Sauna oder spart an der Heizung. Ein Skandal. Früher war alles besser. Doch auch der Betreiber ist von dem Anstieg der Energiepreise betroffen. Sorgt sich vielleicht um seine Existenz. Also reagiert er genauso wie Sie. Energie sparen, wo es möglich und am wenigsten schmerzhaft ist. Das ist pragmatisch und wird Sie beide voraussichtlich durch den Winter bringen. Doch wie geht es weiter? 

Einer der Gründe für den Anstieg der Energiepreise ist bekanntlich der russische Lieferstopp für Erdgas. Dieser Engpass wird zunächst durch die Umleitung globaler Rohstoffströme entschärft und kann ganz aufgelöst werden, wenn in Europa verfügbare Energiequellen wie Schiefergas erschlossen werden. Doch es gibt weitere Schuldige für unsere überteuerte Energie. Die Kollegen im EZB-Turm natürlich, welche den Außenwert des Euro in Rekordzeit um ein Viertel gesenkt haben, aber leider sind wir auch selbst schuld.

Deutschland deckt 78% seines Primärenergiebedarfs aus fossilen Brennstoffen, 10% aus Holz, Biomasse und Wasser, 6% aus Wind und Sonne, sowie weitere 6% aus Uran. Alle großen politischen Parteien treten seit vielen Jahren dafür ein, Deutschland von fossiler und nuklearer Energie zu befreien. Vorausschauend wurden schon voll funktionstüchtige Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke geschlossen. Die Gründe hierfür sind zweifelsohne nobel, doch die dadurch ausgelösten Folgen für unsere Versorgung sind weitreichend. Ein Ersatz für fossile und nukleare Energie existiert nämlich nicht, weder heute noch in den nächsten Jahrzehnten. Warum wohl kommen 94% unserer Energie aus Quellen, die mehrheitlich seit der Altsteinzeit bekannt sind? Darunter der letzte signifikante Neuzugang, Erdgas, im 3. Jahrhundert vor Christus.

Von den alternativen Energien können bei uns nur Solar- und Windkraft weiter ausgebaut werden. Dafür fest verbuchte Subventionen in der Periode 2000 bis 2025: 520 Mrd. Euro. Sind also keine Selbstläufer, um das mal nett zu sagen. Natürlich sind diese beiden Energiequellen wunderbar. Seit Jahrmillionen werden sie auf der Erde genutzt. Plankton, Flugsaurier und Ben Cartwright von der Bonanza-Ranch bedanken sich. Auch der Stamm der Yali aus dem Baliem-Tal in Westneuguinea kommt gut klar. Ein Industrieland wie Deutschland lässt sich damit aber nicht versorgen. Weil der Saft eben mal da und mal weg ist. Windräder sind bei uns im Schnitt 21%, Solaranlagen bloß 11% der Jahresstunden ausgelastet. Wann, das weiß keiner. Bläst der Wind und scheint die Sonne, dann erzeugen unsere Solar- und Windanlagen schon heute deutlich mehr Strom, als wir und unsere Nachbarn überhaupt gebrauchen können. Für ein paar Minuten zumindest, bis der Wind nachlässt oder eine Wolkendecke durchzieht. Dies destabilisiert das Stromnetz, in welchem Angebot und Nachfrage im Millisekunden-Bereich abgeglichen werden müssen.

Don Quichotte sah in Windmühlen Gegner, die es zu bekämpfen galt. Damit lag er falsch. Doch wir haben in den letzten zwanzig Jahren nur das Gute in ihnen gesehen. Der deutsche Tsunami an Subventionen in Energieformen, die unstetig und daher nur begrenzt sinnvoll sind, hat unserem Land die höchsten Strompreise der Welt und ein erhebliches Blackout-Risiko beschert. Die Umwelt indes hat kaum profitiert, weil im Hintergrund immer ein konventionelles Kraftwerk bollern muss. Eines das ständig rauf und runter gefahren wird und dadurch natürlich mehr verbraucht als sonst. Der Deutsche Wetterdienst hat festgestellt, dass mindestens 6-stündige Flauten bei uns praktisch jeden Tag auftreten. In zufälliger Verteilung. Selbstverständlich reicht schon eine Flaute von wenigen Minuten, um die Kollegen vom Kraftwerk ordentlich ins Schwitzen zu bringen. Strom, das wertvollste Gut nach Trinkwasser, wird bei uns also in einem System produziert, das unter Dauerstress steht. Die bittere Wahrheit ist: jeder neue Windpark verschlimmert diese Situation.

Zudem benötigen stillstehende Windräder erhebliche Mengen Energie. Die 30 Windräder des Riffgat-Parks vor Borkum, verbrennen 750 Liter Diesel an einem windstillen Tag. Für Sensoren, Kameras, Kommunikation, Pumpen, Kühler, Entfeuchter, Hydraulikbremse, Tyristor, Generator, Elektromotoren zum Drehen der Gondel, zum Anstellen der Rotoren und zum Start der Drehbewegung. Bei Frost werden die Rotorblätter elektrisch beheizt. Dasselbe passiert an Land, wo die Energie für inaktive Windräder meist aus dem konventionellen Stromnetz gezogen wird. Und das ist noch nicht alles: Eine Horde von Analysten sitzt rund um die Uhr in Alarmzentralen, um tausende von Montagetrupps zu defekten Windrädern zu schicken. Alle denkbaren technischen Berufe und Werkzeuge kommen dabei zum Einsatz. Das ganze System ist faszinierend. Nicht weniger beeindruckend als die Pyramiden von Gizeh oder die Moai auf den Osterinseln. Doch für die Umwelt sind solche Materialschlachten nicht hilfreich. Es ist daher kein Zufall, dass bei uns im Jahr 2020 die Emissionen pro Kopf mit 8,8 Tonnen deutlich über denen anderer reicher Länder lagen. China, welches sich herzlich wenig um die Umwelt schert, bewegt sich auf diesem Niveau. So etwas tut weh und ist peinlich für ein Land mit unseren Fähigkeiten und dem erklärten Willen, Gutes zu tun.

Umweltschutz kostet Geld. An unseren Flüssen sieht man, dass die Deutschen das Thema ernst nehmen und viel davon verstehen. Doch bei den Emissionen werfen wir Milliarden um uns, wie ein Dreijähriger Bauklötze. Ohne schlüssiges Konzept, voller Emotionen und Theatralik, frei von jedem Selbstzweifel. Und natürlich erfolglos. Daher schüttelt man im Ausland nur noch den Kopf über uns. Brüssel mal ausgenommen, weil dort ohne unser Geld gar nichts läuft. 

Probleme, sagte mal ein berühmter Physiker, kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Das wurde die letzten zwanzig Jahre mit deutscher Gründlichkeit versucht. Es ist Zeit, die Ergebnisse zu bewerten und erneut umzudenken. Dies nützt der Umwelt, Ihnen und natürlich auch Ihrem Fitnessclub. 


Samstag, 1. Oktober 2022

Studiosoftware – Scotty, wir brauchen alles, was die Mühle hergibt

Irgendwann musste es so kommen. Die alte Studiosoftware wird eingestellt. Nicht, dass die perfekt war, aber sie lief. Jetzt also eine neue. Nur mal so nebenbei, eine Studiosoftware macht dasselbe für einen Fitnessclub, wie Herz, Lunge, Leber, Nieren und so für Sie. Sieht man nicht, aber ohne ist schwierig. Das wussten schon die alten Ägypter und haben die Teile deshalb in Kanopen, den Tuppern der Antike, wieder zu den Mumien gestellt. Sicher ist sicher. Ein gutes Motto auch für Sie. Also, wenn der Vertriebler sagt: Stellen wir für Sie um, Sie brauchen sich um nichts zu kümmern, dann fahren Sie besser die Schutzschilde hoch.

Sie haben die Brücke. Lassen Sie das Ihre Leute machen. Verstehen werden Sie die Software in absehbarer Zeit sowieso nicht. Im besten Fall können Sie sich bis zur Umstellung merken, wo Sie die Zahlen herbekommen, die Sie halt brauchen. 

Lebe lang und in Frieden. Alles was Ihnen der Vertriebler erzählt, gleich wieder vergessen. Außer dem zugesagten Leistungsumfang und der Lizenzgebühr.

Faszinierend. Für jedes Thema, über das der Anbieter sagt, easy bei uns, planen Sie mindestens drei Wochen ein. Tönt der Anbieter, das schaffen wir alles in sechs Wochen, dann rechnen Sie besser mit sechs Monaten.

Nehmen Sie Kurs auf Nimbus 3 Mr. Sulu. Die neue Software kann mit den Ohren wackeln? Egal, machen Sie erstmal alles wie bisher. Nicht alles natürlich, aber so viel wie eben geht. Wenn die grundsätzlichen Dinge wieder normal laufen, können Sie immer noch Prozess für Prozess umstellen.

Wir haben ein Problem mit dem Warpkern. Viele Preismodelle sehen eine niedrige Lizenzgebühr für die Basisversion vor. Dann kommen sogenannte Optionen hinzu, welche die Kosten für Sie erheblich steigern können. Besonders ärgerlich ist, wenn Kernfunktionen, wie das automatische Einlesen von Rücklastschriften, als Optionen verkleidet werden. Stellen Sie also vor der Unterschrift sicher, dass die für Sie zwingend erforderlichen Funktionen im Produkt, das Sie kaufen, enthalten sind.

Captain, ich empfehle roten Alarm. Stimmen die Abbuchungsdatensätze aus Ihrem alten und dem neuen Programm überein? Falls nicht, Abbruch, Fehlersuche und zum nächsten Abbuchungstermin erneut probieren. Klappt es dann, wiederholen Sie den Vergleich mehrmals. Erst, wenn an verschiedenen Terminen keine nennenswerten Abweichungen bestehen, dann drücken Sie den Knopf zur Datenübertragung.

Ich funktioniere innerhalb normaler Parameter. Stellen Sie zunächst einen Club oder eine Region um. Erst, wenn es dort wieder läuft, sollte es weiter gehen.  

Willkommen an Bord. Jede Studiosoftware ist nur halb so gut, wie Sie der Hersteller glauben machen möchte. Identifizieren Sie die größten Lücken und suchen Sie dann nach pragmatischen Wegen, um diese zu kompensieren. Gehen Sie nicht davon aus, dass der Anbieter sein eigenes Programm besonders gut kennt und diese Lücken beseitigen wird. Größere Anbieter kaufen Ihre Software oft Stück für Stück zusammen. Die ursprünglichen Programmierer sitzen dann nach einer Weile mit Cocktails am Strand. In der Zentrale des Anbieters raufen sich Servicetechniker über Ihre Fragen die Haare. Faktisch zahlen Sie als Kunde junger Softwarefirmen dafür, dem Anbieter bei der Beseitigung von Fehlern in seinem Programm zu helfen. 

Volle Schubkraft voraus. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Ihre neue Software später programmiert wurde als die alte. Dies kann hilfreich sein, weil einige zeitgemäße Funktionen Teil der Originalprogrammierung waren, keine nachträglichen Bastelarbeiten am Code. Im besten Fall können Sie nach der Umstellung effektiver arbeiten und besser mit der Außenwelt kommunizieren. 

Ich fürchte, ich habe das Ziel um ein Deck verfehlt. Studiosoftwareanbieter sehen sich als FinTechs. Das ist gut für die Unternehmensbewertung und zieht auf Partys. Also wird automatisiert bis der Arzt kommt. Schauen Sie in unser Tutorial, kennen Sie unser Video, kann man in unseren FAQs nachlesen. Im Prinzip eine gute Idee. Nur sind die Kunden in diesem Fall Menschen, die in ihren Clubs rund um die Uhr tausende Mitglieder betreuen. Sie haben Jahrzehnte an Erfahrung im Umgang mit Clubhardware und -software. Sie stellen keine trivialen Fragen. Wenn Drehkreuz, Duschsteuerung oder das EC-Gerät nicht funktionieren, dann heulen die Sirenen auf allen Decks. Diese Leute brauchen Lösungen, und zwar sofort. Wer in dieser Situation auf ein Email-Ping-Pong mit Julia, Janine, Sascha oder Robert vom Support besteht, der verärgert und verliert mehr Kunden als nötig. Auch lernt er kaum etwas, weil der Support wenig Interesse an einer langfristigen Verbesserung der Software hat, sondern bis zum Schichtende möglichst viele Tickets wegfräsen möchte. 

Machen wir uns aus dem Orbit. Eine Testphase und ein Rücktrittsrecht sind empfehlenswert, falls sich das Preis-Leistungsverhältnis, der Support oder die Stabilität der Software als krass unzureichend erweisen. Gerade mit der Stabilität ist es so eine Sache, wenn frisch gebackene Betriebswirte erfahrenen Programmierern erzählen wollen, wie der Hase läuft. Anders als bei Microsoft, wo der Chef selbst ein Programmierer war. Excel lief immer gut, obwohl die Versionen bis 1997 einen versteckten Flugsimulator enthielten. Word hatte einen Flipper, Access hatte Magic 8. Solche Spiele wären auch in so mancher Studiosoftware sinnvoll, wenn das Programm mal wieder hängt und beim Support niemand zu erreichen ist. 

Unsere Absichten sind friedlich. Der neue Softwareanbieter ist wahrscheinlich kommerzieller eingestellt als Ihr alter. Das bedeutet in der Praxis, dass er Ihnen an jeder Ecke offen oder verdeckt Geld aus der Tasche ziehen möchte. Handelt es sich um Provisionen auf E-Post-, EC-Cash-, Inkassogebühren oder ähnliches, dann bleiben Sie locker und bedenken Sie Folgendes: der Anbieter muss zunächst überlegen, welche Funktion für Sie von Nutzen ist. Dann muss er Leute finden, die ihm bei der technischen Umsetzung helfen. Zudem muss er abschätzen, wie hoch der finanzielle Vorteil ist, den Sie aus dieser Funktion ziehen. Letztlich muss er die Funktion am Laufen halten und gelegentlich verbessern. Klingt selbstverständlich? Ist es nicht. Fragen Sie in Ihrem Bekanntenkreis herum, wer überhaupt Lieferanten hat, die zu so etwas in der Lage sind. Deshalb kann ein kommerzieller Softwareanbieter besser sein, als Codemuckel, die nur auf Zuruf arbeiten. Doch Vorsicht ist geboten.

Auf den Schirm. Es gibt Softwareanbieter, die Ihnen nicht nur die Studiosoftware, sondern auch eine Fitness-App anbieten. Insofern diese mit der Studiosoftware verbunden ist, kann das praktisch sein. Möglicherweise können Ihre Mitglieder in dieser App Kontaktdaten, die Zahlungsart und ihr Vertragsmodell ändern. Dadurch können Sie Kosten für die Datenpflege sparen. Lesen Sie jedoch die AGB und Datenschutzregeln der App sorgfältig, bevor Sie diese aktivieren. Dort können böse Überraschungen lauern, zum Beispiel ein uneingeschränktes Vermarktungsrecht des App-Anbieters für jedes Produkt und jede Dienstleistung auf diesem Planeten. In diesem Fall sollten Sie Ihre Kosteneinsparungsmöglichkeiten gegen den Verlust der Hoheit über Ihre Kundendaten abwägen. Bei kommerziell-orientierten Softwareanbietern kann das Vermarktungsrecht der Fitness-App der eigentliche Kern des Geschäftsmodells sein. Moralisch fragwürdig, aber smart. Die Masche wurde bereits von den alten Griechen erfolgreich angewendet. Nur dass es diesmal Sie sind, nicht die Trojaner, die Ihre Befestigungsanlage einreißen und das hölzerne Pferd in die Stadt ziehen. 

Sternzeit 3025,5. Wenn Sie erst einmal mit der Einführung der Software durch sind, dann werden Sie vermutlich froh sein, dass Sie den Wechsel vollzogen haben. Obwohl es mehr kostet als vorher, gar nicht Ihre Idee war und Ihre Leute im Anschluss einen ausgedehnten Urlaub brauchen. Aber nicht auf diesem scheinbar unbewohnten Planeten bei Omicron-Delta. Da hatte schon das Team von James Kirk im Dezember 1966 jede Menge Scherereien. Sogar Pille hat es dort erwischt. War aber kein Virus. 


Donnerstag, 1. September 2022

Clubmanagerinnen – Volle Kraft voraus

Ein Schwank aus dem echten Leben. Schmeiß diesen bescheuerten Kugelgrill weg. Der stinkt und Du brauchst ewig, bis der läuft. Ich will das Steak jetzt auf dem Grill sehen, nicht in einer Stunde. Tja, da hat die Dame des Hauses natürlich einen Punkt. Kommen Sie dann mit irgendwelchen geschmacklichen Nuancen, Brenndauer, Wärmespeicherung und so, dann war es das. Ab zu Metro, Q1000-Gasgrill einpacken und zurück. In einer solchen Situation haben Sie nur zwei Ansatzpunkte. Empathie, der erste. Du hast völlig Recht, nur kann so ein Ding mit der Zeit undicht und ein Risiko für Dich und die Kinder werden. Physik, der zweite. Da bin ich bei Dir. Nur habe ich neulich dieses YouTube-Video gesehen, wo so eine Gasflache abgegangen ist und enormen Sachschaden verursacht hat. Müssen Sie natürlich mit Fakten belegen. Dann kann es klappen, muss es aber nicht. Wir haben jetzt den Q1000.

Einen Clubmanager können Sie anrufen. Weißt Du, ich verstehe, das wäre eine spannende neue Trainingsmöglichkeit, aber im Augenblick … Einer Clubmanagerin können Sie so nicht kommen. Die hat sich alles vorher sehr genau überlegt. Wenn Sie da kein wirklich schlagendes Argument haben, und die gibt es in der Fitness selten, dann können Sie das geforderte Teil gleich bestellen. Sie haben sowieso keine Chance und die Sachen werden im Laufe der Zeit ja auch nicht billiger. 

Sun Tzu schrieb vor 2.500 Jahren: Begib Dich nicht auf ein Territorium, das Du nicht ohne Verluste wieder verlassen kannst. Männer verstoßen schon ab Geburt gegen diese Regel. Das Zusammenleben mit Frauen birgt für Männer stets eine erhebliche Gefahr materieller Einbußen. Früher in Israel, also im Kibbuz nach dem 2. Weltkrieg, da wurden die Kinder nach der Geburt von den Eltern, also auch Söhne von ihrer Mutter, getrennt. Das Konzept des Kinderhauses. Klingt etwas grob, entspricht aber wohl der Regel von Sun Tzu, wenn man sie gendermäßig interpretiert. Das Kinderhaus wurde schon früh heftig kritisiert und hat sich letztlich auch nicht durchgesetzt. Ebenso wenig wie andere Ideen zur Trennung der Geschlechter. Israel steht heute auch ohne Kinderhäuser ganz gut da. Frauen haben dort echt die Hosen an und Israel hat tolle Fitnessanlagen. Gegenden jedoch, wo sich das mit Frauen in Führungspositionen noch nicht so durchgesetzt hat, der übrige Nahe Osten, Afghanistan, Sierra Leone, Tschad und so, da gibt es keine guten Fitnessclubs. Zumindest hat man noch nie von welchen gehört. Auch wie es da sonst so aussieht.

Dann lieber wie bei uns: Da hast Du Recht, klasse Idee, bestell ich. Ist besser für alle Beteiligten.


Kündigung – See You Later, Alligator

Ihre Frau reicht die Scheidung ein. Die Freundin macht Schluss. Ihr Mitglied, um das Sie sich jahrelang im Club gekümmert haben, kündigt. Ei...