Sonntag, 1. September 2024

Neumitgliedschaften – Verkaufen, verkaufen, verkaufen

Viele kennen dieses spektakuläre Muppets-Video - Das letzte Wort - und halten es für maßlos übersteigerten Klamauk. Das stimmt natürlich, aber es stimmt eben auch nicht. Der Druck im Verkauf ist da, und er ist manchmal brutal. Nicht so laut wie bei den Muppets, aber definitiv auch nicht so lustig. Druck im Verkauf ist ein beliebtes Thema in Funk und Fernsehen, weil er natürlich sinnvoll ist. Bis zu einem gewissen Grad. Mitarbeiter, die keine klaren Ziele haben, irrlichtern herum und sind in Folge oft unzufrieden.

Fitness gibt es mitunter auch ohne Verkauf. Ein Bekannter von uns arbeitet bei einer Kette, die eine Handvoll Clubs mit Saunen, Pools und stilvoller Holzoptik betreibt. Ein toller Trainer, genau so einen Typen möchten Sie haben, nicht auf den Kopf gefallen. Nur kennt er weder die Anzahl der Mitglieder noch die monatlichen Kündigungen oder die Preismodelle des Clubs, in dem er acht Stunden pro Tag arbeitet. Nicht so schlimm, sagen Sie, da gibt es sicher Verkäufer. Natürlich, die gibt es. Nur leider verstehen die nichts von Fitness und wechseln alle paar Monate den Arbeitgeber. Innerhalb weniger Jahre sind so bei dieser Kette 76 Mio. Euro Verluste aufgelaufen. Leider gibt es kein Licht am Ende des Tunnels, daher sind auch die bilanziellen Aktiva wertlos, 32 Mio. Zudem sind die zukünftigen Verpflichtungen aus Mietverträgen zu berücksichtigen, 74 Mio. Die Wertvernichtung beträgt daher seit Gründung rund 182 Mio. oder 26 Mio. pro Jahr. Inzwischen ist die Firma für 1 Euro an einen Frankfurter Beteiligungsfonds gegangen, war nicht anders zu erwarten.

Manche lagern den Verkauf vollständig aus. Ketten, die sich rein über die Marke und Niedrigpreise vermarkten, tun dies. Das kann funktionieren, wenn Sie sich günstige Standorte gesichert und Ihre laufenden Kosten im Griff haben. Das trifft jedoch längst nicht auf alle Spieler am deutschen Fitnessmarkt zu. Dementsprechend wüst sieht es hierzulande in den Bilanzen zahlreicher Ketten aus. So oder so, die komplette Auslagerung des Verkaufs führt über marktschreierische Werbung zu hartem Preiswettbewerb, Grüppchenbildung auf der Fläche, mangelhafter Hygiene und chronisch defekten Trainingsgeräten. Da professionelle Betreuung in diesem Konzept weder vorgesehen noch finanzierbar ist, übernehmen YouTube, Instagram & Co, zum Teil mit filmreifen Ergebnissen. Nicht selten für, Upps, die Pannenshow.

Also, ohne Betreuung und Verkauf innerhalb der Anlage geht es für die meisten Betreiber nicht. Manche sind der Meinung, dass man nur genug Druck ausüben muss, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Muppet-Style. Das ist das andere Ende des Spektrums, und es ist ebenfalls unschön. Es bedeutet, dass Mitarbeiter zu hoch gesteckte Ziele bekommen, die sie häufig verfehlen. Dies wiederum führt regelmäßig zu Stress und zum Ausfall von Bonus- oder Provisionszahlungen, welche im Schlepptau eine hohe Mitarbeiterfluktuation mit sich bringen. Dieser Druck wirkt sich auch auf die Trainierenden aus. Sie werden laufend von verzweifelten Mitarbeitern auf Abos für Mineralgetränke, Zehnerkarten für die Sauna und kostenpflichtige Trainerstunden angesprochen. Das nervt und kann bewirken, dass Mitglieder das direkte Gespräch mit dem Personal meiden. 

Anlagen, die zu wenig Aufmerksamkeit auf den Verkauf richten, bluten aus. Anlagen, in denen zu viel Verkaufsdruck aufgebaut wird, können kein stabiles Mitarbeiterteam aufbauen. Wir versuchen Folgendes: Mitarbeiter gut und, wenn die Ziele erreicht werden, besser bezahlen. Erläutern, wie viele Mitglieder ein Fitnessclub braucht, und welche Rolle dabei der Preis spielt. Keine Geheimnistuerei, offen und transparent mit Erfolg und Misserfolg umgehen. Erreichbare Ziele setzen. Den Verkauf nicht zum alleinigen Kriterium erheben. Ein Teil der Bonuszahlung muss erreichbar sein, auch wenn der Verkauf mal nicht so klappt. Eine kontinuierliche Entwicklung der Anlage anstreben. Keine Wachstumssprünge erzwingen, die teuer erkauft werden müssen. Das Wichtigste zum Schluss: Jeder Erfolg ist ein Team-Erfolg. Alle ziehen mit und alle profitieren.


Donnerstag, 1. August 2024

Virtual Fitness – Video Killed the Radio Star

Men in Black ist diese amerikanische SciFi-Serie, die humorvoll mit kosmologischen Konzepten spielt. Einmal wird eine Galaxie gesucht, die sich später als Anhänger eines Katzenhalsbands wiederfindet. Großes ganz klein. In einer anderen Folge wird ein Gepäckschließfach geöffnet, in dem eine als Buschmänner verkleidete Truppe von Schlümpfen haust, die eine Armbanduhr verehrt. Kleines ganz groß. Klamauk natürlich. 

Liest man jedoch bei hochkarätigen Kosmologen wie Max Tegmark nach, dann erfährt man, dass solche Perspektivwechsel zum Verständnis unseres Universums unerlässlich sind. Und tatsächlich, auch im Fitnessclub gibt es ähnlich gelagerte Phänomene. Sie nehmen die Form von Fitnessgeräten oder Kursräumen mit Bildschirmen an. Auf diesen Bildschirmen radelt man durch die französischen Alpen oder joggt die Fifth Avenue runter. Man lässt sich zum Yogakurs in ein balinesisches Kloster schalten. Die große weite Welt auf 23,8 Zoll in Full HD. Das geht alles auch von zuhause. Peloton heißt das Wunderwerk, ein Spinning Bike mit angeschraubtem Tablet. In amerikanischen Best-Ager-Sitcoms kippen die Leute regelmäßig ohnmächtig von diesen Teilen runter. Der Hersteller versichert aber, dass dies der Phantasielosigkeit der Serienautoren, nicht der Trainingsform geschuldet ist. Der Aktienkurs ist trotzdem im Keller. Die Fitnessbranche selbst ist hin und her gerissen. Einige Anbieter möchten Ihnen Räder, Laufbänder und Hantelbänke ins Wohnzimmer stellen, um Ihr Training zu einem Massiv Multiplayer Online Game zu machen. 

Die spontane unternehmerische Antwort ist klar: Stellen wir ein paar von den Teilen hin und schauen, was passiert. Werden sie benutzt, dann holen wir mehr, sonst war‘s das. Aber was passiert in Ihrem Club, wenn Sie den Versuch starten, das Trainingserlebnis zu virtualisieren? Zum einen ist dies ein teurer Spaß. Das Trainingsgerät ist eine langlebige Hochleistungsmaschine. Fest verbunden nun mit einem elektronischen Chip, der wenige Euro kostet und noch weniger Jahre hält. Eine unheilige Allianz. Zudem brauchen Sie gutes Internet, und zwar auch dann, wenn Netflix, Prime und Disney aus allen Rohren feuern. Letztlich kommt das Mitglied, das auf Ihrem interaktiven Laufband trainiert, gerade aus dem Homeoffice und hat dort stundenlang auf einen oder mehrere Bildschirme gestarrt. Wenn es bei Ihnen aufbricht, geht es oft ab nach Hause, zurück an die Bildschirme oder vor den Fernseher. Unterwegs werden WhatsApp und Snapchat gecheckt. Bringt Ihr Bildschirm am Laufband da wirklich einen Mehrwert oder reichen Sie zur Pause einen digitalen Energydrink, der weder gewünscht noch nahrhaft ist?

Am Ende entscheiden die Mitglieder. Vielleicht haben Sie teuren Elektroschrott auf der Fläche herumstehen oder möglicherweise kommt alles wie bei Minority Report. Dann lagen Sie richtig und können in ein paar Jahren über unsere haltlosen Bedenken schmunzeln. Falls Sie nicht so lange warten möchten, verfolgen Sie die Preisentwicklung gebrauchter Geräte mit und ohne Bildschirm auf fitnessmarkt.de oder bei Ebay. Dort finden Sie Ihre Antwort früher.


Montag, 1. Juli 2024

Veganismus – Back to The Roots

Wir haben großen Respekt vor Menschen, die auf den Konsum von Fleisch verzichten, ob sie sich jetzt vegan, lacto, ovo oder lacto-ovo vegetarisch ernähren. Diese Lebensweise erfordert Willensstärke und sendet eine Botschaft der Individualität an die Welt: Ich will anders sein, ich möchte es besser machen. Natürlich geht es vielen Veganern und Vegetariern zudem um das Tierwohl, was äußerst löblich ist. Aber auch, wenn dies nicht so wäre, beeindruckt die Grundeinstellung. 

My home is my castle - ist das stolze Motto der Engländer. Doch Veganer und Vegetarier gehen noch einen entscheidenden Schritt weiter: Sie selbst sind die letzte Bastion. Da läuft es einem in positivem Sinne kalt den Nacken runter. Wie in diesen amerikanischen Filmen, wenn Hauptdarsteller die Truppe zum Kampf rufen oder ihre Moralvorstellungen erläutern: Saving Private Ryan, Gladiator, Avatar, etc. Meist ernähren sich die Protagonisten dieser Filme jedoch nicht rein pflanzlich, selbst die Na’vi nicht, die ja Hollywoods Definition eines Naturvolks sind. Das liegt wohl daran, dass wir hierfür nicht konstruiert wurden. Deshalb erfordert eine rein pflanzliche Ernährung große Umsicht und Fachkenntnis, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. 

Jahrhundertealte religiöse Traditionen werden häufig als Indiz dafür angeführt, dass die Vermeidung von Fleischkonsum nicht nur ethisch hochstehend ist, sondern auch gesundheitlich problemlos funktioniert. Ein prominentes Beispiel sind orthodoxe Hindus, wie die Brahmanen, Indiens Priesterkaste. Erste Zweifel an dieser Darstellung kamen in den 1970ern in England auf. Den dortigen Gesundheitsbehörden fiel damals auf, dass eine ungewöhnlich hohe Zahl orthodoxer Hindus einige Jahre nach der Übersiedlung ins Königreich an megaloblastärer Anämie litten, welche meist Folge von Vitamin B9- und B12-Mangel ist. Dies ohne Rücksicht auf ihren materiellen Wohlstand und ohne Veränderung ihrer Ernährungsgewohnheiten. Man stand vor einem Rätsel. Da die Engländer, anders als wir, im Gesundheitswesen gern auf belastbare und relevante Daten setzen, wurde eine wissenschaftliche Studie bestellt. Das Team schwirrte aus und führte landauf landab Interviews, nahm Lebensmittelproben, beschäftige Labore und recherchierte auch sonst, was so relevant erschien. 1975-76 lagen die Ergebnisse dieser Studie vor: Der Vegetarismus der Brahmanen war mehr Geisteshaltung als Ernährungsgewohnheit. In den Worten von Herbert Grönemeyer lautet die Frage: Wann ist ein Tier ein Tier?

Tatsächlich enthielt das Gemüse zuhause in Indien jede Menge nahrhafter Insekteneier und Larven, welche den kompletten Vitamin-B12-Bedarf, die Achillesferse einer strikt fleischlosen Ernährung, abdeckten. Das Problem in der neuen Heimat bestand darin, dass dieselben pflanzlichen Lebensmittel, welche nun in Supermärkten gekauft wurden, andere Produktions-, Reinigungs- und Verpackungsprozesse durchlaufen hatten. Die kleinen tierischen Begleiter waren darin nicht mehr oder nur noch in deutlich reduziertem Umfang vorhanden. Ähnliche Verhältnisse wie in Indien begünstigen den Vegetarismus wohl noch heute in Entwicklungs- und Schwellenländern. Auch hier bei uns haben im 18. und 19. Jahrhundert die Anhänger dieser Bewegung profitiert. Edeka, Rewe, Aldi, Alnatura & Co. haben inzwischen natürlich eine neue Zeitrechnung eingeläutet. Heutzutage erfolgt die Synthese von Vitamin-B12, auch Cobalamin genannt, mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen. Das Vitamin ist ein weit verbreitetes Nahrungsergänzungsmittel und wird Fitnessgetränken, Cornflakes sowie Säuglingsnahrung zugesetzt. Zudem beruhigt es zu wissen, dass schon zwei Liter Bier, ein Sechserträger also, für den Tagesbedarf ausreichen. Trotz all dieser erfreulichen Lösungen wirft der Vorgang ein anderes Licht auf die lange Tradition vegetarischer Ernährung. Emotionslos betrachtet geht es auch beim Veganismus nicht um eine rein pflanzliche Ernährung, sondern eher darum, Organismen zu essen, die möglichst klein sind. Dies ist ressourcenschonend, umweltfreundlich und hilft im Idealfall, ideologisch geprägte Diskussionen zu vermeiden. Aber gut.

Menschen, die auch Fleisch essen, inspiriert am Vegetarismus ohnehin etwas anderes: Die Entscheidung, konsequent auf kleinerem Fuß zu leben; in Bezug auf Fleisch sogar in völliger Askese. Es gibt einen Film, der dieses Motiv aufgreift, Downsizing, mit Matt Damon und einem unvergleichlichen Christoph Waltz. Der Film ist leider nicht besonders gut, aber er regt zum Nachdenken an. Leute unterziehen sich dort einem unappetitlichen Prozess der physikalischen Verkleinerung, um die Welt mit ihrem geringeren Ressourcenverbrauch zu entlasten. Obwohl Vegetarier darin keine Rolle spielen, erinnert die Grundhaltung sehr an ihre Bewegung. Der Film drückt etwas Heroisches aus, das auch in jedem Veganer und Vegetarier steckt. Zudem ist dessen Kernbotschaft - Aus Weniger Mehr machen - natürlich unabhängig von der Körpergröße richtig.

Die Ernährungswissenschaften haben Mangelerscheinungen in Folge einer fleischlosen Ernährung inzwischen ausführlich analysiert und entschärft. Auch in Verbindung mit intensivem Fitnesstraining kann auf eine weitgehend pflanzliche Ernährung gesetzt werden. Somit bleibt einer der wenigen Kritikpunkte an dieser Ernährungsform der nicht selten mit ihr einhergehende Missionierungswille: Nicht nur ich will besser sein, sondern auch Du sollst besser sein. Dieser Standpunkt wäre ja noch in Ordnung, wenn der Mensch eigentlich für eine rein pflanzliche Ernährung geschaffen wäre. Der Konsum von Fleisch also eine Fehlentwicklung, so wie der von Energydrinks. Dem ist aber mitnichten so. Hinzu kommt, dass diese Einstellung eine der schönsten und glorreichsten Traditionen der Menschheit gefährden kann, das gemeinsame Essen.

Wir hoffen im Interesse aller Beteiligten, dass solch extreme Nebenwirkungen dieser bewundernswerten Lebensweise die Ausnahme bleiben. Kommt es aber dennoch hin und wieder dazu, dann empfehlen wir einen gemeinsamen Besuch im Fitnessclub. Dort geht es nicht darum, wie die Kilos auf die Rippen kommen, sondern wie man sie wieder los wird. 


Samstag, 1. Juni 2024

Leads – Smoke on The Water

Fitnessclubs leben von Menschen, die sich für Fitness interessieren. Bei uns heißen sie Leads. Von besonderem Interesse sind dabei natürliche Personen, die derzeit kein anlagengebundenes Training betreiben. Die Branche nimmt an, dass es zwei grundsätzlich verschiedene Kategorien von Leads gibt, aktive und passive. Aktiv bedeutet, dass der Betreiber einen gezielten Versuch der Kontaktaufnahme unternommen hat, beispielsweise über ein Preisausschreiben, in dessen Folge Namen und Telefonnummern eingesammelt wurden. Passiv hingegen bedeutet, dass die entsprechenden Personen von selbst, also ohne eine direkte Beteiligung des Betreibers, den Kontakt zum Club aufgenommen haben.

Betreiber sind in der Regel sehr stolz auf aktive Leads, nicht nur weil aktiv ein schöneres Wort ist als passiv, sondern vor allem weil diese Leads einen vertrieblichen Erfolg suggerieren. Wir haben etwas gemacht und, schau her, da sind die Ergebnisse. Auch wir mögen aktive Leads, aber nicht mehr so sehr wie früher, denn es gibt mit ihnen gleich mehrere Probleme.

Erstens. Vielen aktiven Leads liegt ein Verstoß gegen die DSGVO zugrunde. Sie erinnern sich, Datenschutzgrundverordnung, eines dieser Gesetze, die gut gemeint waren, aber absolut gar nichts gebracht haben, außer nervigen Bannern vor jeder Internetseite, die man erst mal wegklicken muss. Der Verstoß ist dadurch begründet, dass es beim physikalischen Sammeln von Leads häufig nicht möglich ist, eine seitenlange Datenschutzerklärung unterschreiben zu lassen.

Zweitens. Viele aktive Leads sind völlig wertlos, besonders dann wenn sie von nicht-geschultem Personal gesammelt oder über eine 0815-SEO-Kampagne aus den sozialen Medien generiert wurden. Die Abschlussquoten dieser Leadquellen sind äußerst gering, ein Prozent manchmal. Da die Gewinnung aktiver Leads meist erhebliche Ausgaben verursacht, sind die Kosten eines erfolgreichen Abschlusses astronomisch.

Drittens. Passiv klingt zwar nicht sonderlich gut, doch sind passive Leads natürlich die wertvollsten, die es gibt. Denn das Mitglied hat sich selbstständig die Mühe gemacht, Sie zu kontaktieren. Dafür liegt meist ein Grund vor, der mit einem Trainingswunsch in Ihrem Club verbunden ist. Die Abschlussquote passiver Leads ist daher sehr hoch, nicht selten über vierzig Prozent. 

Viertens. Die Einordnung in die Kategorien Aktiv und Passiv ist oft fehlerhaft. Sie basiert in vielen Fällen auf einem Versäumnis Ihres Teams. Passive Leads sind nämlich nicht nur solche, welche ohne Ihr direktes Zutun entstanden sind, sondern auch diejenigen, bei denen Ihre Mitarbeiter versäumt haben, die Frage nach dem Anlass der Kontaktaufnahme zu stellen. Haben Sie in der vergangenen Woche Flyer in die Briefkästen eines Wohnblocks gesteckt und kommt danach einer der Bewohner zu Ihnen, dann ist dieser Lead höchstwahrscheinlich aktiv, denn Sie haben ja etwas dafür getan. In Ihrem System bekommt dieser Lead dennoch meist den Stempel passiv.

Professionelle Illusionisten wissen: The closer you look, the less you see. So verhält es sich auch mit Leads. Eine wichtige Leadquelle sind Empfehlungen durch Freunde. Zufriedene Mitglieder sprechen gut über Sie und möchten vielleicht gemeinsam mit Bekannten bei Ihnen trainieren. Auch Google- und Facebook-Bewertungen, zumindest die von echten Menschen, basieren in der Regel auf der Zufriedenheit Ihrer Mitglieder. Verfügen Sie über motiviertes und gut geschultes Personal, achten Sie in Ihrem Club auf Hygiene und funktionierende Technik, besitzen Sie einen perfekten Mitgliederservice? Falls ja, dann bekommen Sie auch viele Empfehlungen von zufriedenen Mitgliedern. Falls das jedoch nicht der Fall ist, weil Sie das Geld für diese Dinge sparen wollen, dann bekommen Sie nur Wenige. Zufriedene Mitglieder sind kein Zufall und sie kosten jede Menge Geld. Geld, welches Sie bereit sein müssen, auszugeben. Ihre Entscheidung für diese Kosten wird bewusst getroffen. Und doch werden deren Ergebnisse, Leads durch Empfehlungen, meist als passiv kategorisiert.  

Daher ist eine der zentralen Steuerungsgrößen der Fitnessbranche, die Aktivquote, der als aktiv eingestufte Anteil der Leads, kaum relevant für Ihren vertrieblichen Erfolg. Denn die aktiven Leads Ihres Clubs, so schön sie auch aussehen mögen, bestehen, wie das Wasser unter den Schaufelrädern eines alten Mississippi-Flussdampfers, vor allem aus Schaum und Luftblasen.





Mittwoch, 1. Mai 2024

Ausgehen – In München steht ein Hofbräuhaus

Wie sich die Anzahl der Fitnessclubs in Deutschland entwickelt hat, ist sowohl erfreulich als auch leicht herauszufinden. 1.000 waren es vor 40 Jahren, im Vergleich zu 9.500 heute. Ganz anders ist das bei Kneipen. Denn, erstens, gibt es Kneipen in der Sprache der Statistik nicht und, zweitens, sind die Daten niederschmetternd. Denn diesem Sehnsuchtsort, der von Statistikern Schankwirtschaft oder getränkegeprägte Gastronomie genannt wird, geht es nicht gut. Noch 1994 gab es 73.000 Stück davon, nur 19.000 sind heute noch übrig. Das ist ein harter Schlag für sozialaktive Menschen, doch es gibt gute Neuigkeiten. 

Die Reihe der vermeintlichen Schuldigen für das Kneipensterben in den vergangenen 30 Jahren ist lang. Privatfernsehen, Videotheken oder Streamingdienste werden oft genannt, aber auch Lieferdienste für Essen und Getränke. Natürlich haben all diese Kandidaten einen Beitrag zum Niedergang der Kneipe geleistet, doch hauptschuldig ist wohl keiner von ihnen. Weil Kneipen bereits seit Gründung der Bundesrepublik verschwinden. Und auch, weil es einige der Beschuldigten faktisch nicht mehr gibt, klassisches Fernsehen und Videotheken beispielsweise. Doch deren Niedergang hat unseren Kneipen in keiner Weise geholfen. Marc Zuckerberg, der 2004 anfing, geklaute Fotos auf Facemash zu posten, hat diesen Trend wohl deutlich stärker beeinflusst. Etwa viereinhalb Stunden am Tag starren Menschen derzeit auf ihr Smartphone, hat die Marktforschungsfirma Data.ai erhoben, die Hälfte davon auf Angebote Sozialer Medien. Bisher jedenfalls, denn es sind Facebook & Co, die nun Grund zur Hoffnung geben.

Eine immer geringere Zahl von Menschen hält Soziale Netzwerke für geeignet, einem breiten Publikum ihre politischen Ansichten, Details zu ihrem Tagesablauf oder andere Trivia näherzubringen. Auch als Lieferanten von Schlagzeilen haben Soziale Medien ausgedient. Die öffentlichen Profile der Nutzer werden zunehmend mit platter Unterhaltung und Werbevideos geflutet. Folgt also auf den Nahtod der Kneipe nun das Sterben der Sozialen Netzwerke?

Wohl nicht. Doch der Trend, so schreibt der Economist kürzlich, geht hin zu privaten Chat-Gruppen bei Instagram, LinkedIn, WhatsApp, X oder TikTok. Eigentümer dieser neueren Apps sind meist dieselben Firmen, welche in den letzten Jahrzehnten Soziale Netzwerke entwickelt und betrieben haben. Der entscheidende Unterschied liegt also nicht beim Programmierer der Chat-Gruppen, sondern in deren Größe. Denn die sind so klein, dass ihre Teilnehmer leicht an einen Kneipentisch oder in einen Yoga-Kurs passen. Werden sich die Mitglieder dieser Gruppen zukünftig häufiger in der realen Welt treffen? Das ist anzunehmen, denn natürlich ist es einfacher, acht oder zehn Leute aus einem Chat zu mobilisieren als tausende Follower bei Instagram oder hunderte von Facebook-Freunden. 

Wir wissen nicht, ob Kneipen merklich von der steigenden Popularität der Chat-Gruppe profitieren werden. Als Fans gepflegter Rückzugsorte hoffen wir das. Doch wir wünschen uns auch, dass eine größere Zahl dieser zukünftigen Treffen bei uns im Fitnessclub stattfinden wird. Um so das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Selbstverständlich hilft Sport am Abend auch den gebeutelten Kollegen aus der Gastronomie, was uns zusätzlich freut und motiviert.


Montag, 1. April 2024

Clubdesign – Das Leben ist eine Baustelle

Jeder kennt diese Szene. Der Eigentümer war als junger Mensch in Griechenland und hat sich verliebt. Das Essen, die Leute, blauer Himmel, gekalkte Hütten. Mama Mia eben. Später, gemeinsam mit seiner Frau, geht er einkaufen. Aber nicht alles passt ins Reisegepäck. Also kommt das Zeugs irgendwann als Lieferung nach Deutschland. Palettenweise Bilder, Amphoren, Statuen, Schnitzereien, Flaggen, Fischernetze, Korkschwimmer, getrocknete Seesterne und Muscheln. Zum Glück sind es meist Restaurants, die dieses Schicksal ereilt, wo es Ouzo gibt. Aber auch Cafés, Friseure, Spielhallen und Saunen trifft es manchmal, und dort ist es deutlich schwieriger zu ertragen. Der englische Begriff, theme location, klingt besser, kann das Problem aber nicht lösen.

Auch in der Fitness gibt es solchen Themen. Einige Clubs sehen aus wie ein Edelfriseur oder wie diese Designerläden am Flughafen. Glatte Oberflächen, indirekt beleuchtet, perfekt durchgestylt, bitte nicht anfassen. Es gibt zudem Öko, Asia, Belle Époque, Flower Power, Popart, Opas Turnhalle, Rugged, Gothic, Mad Max, Graffiti, Street Style, Riffelblech und Schwarz. Mit Letzterem ist gemeint: schwarzer Boden, schwarze Wände, schwarze Decke, schwarze Möbel, schwarze Computer, schwarze Trainingsgeräte, schwarze Arbeitskleidung. Es ist so schwarz, dass Sie ein Kleinkraftwerk im Keller betreiben können, ohne bei voller Beleuchtung Ihre Schuhe sehen zu können. Dann gibt es noch RAL-Farben und natürlich bunte Mischungen aus alledem. 

Man bekommt Kopfschmerzen, wenn man nur anfängt, über dieses Thema nachzudenken. Bei uns dominieren RAL Farben. Nicht weil wir die mögen. Der Kollege meint, muss man nachstreichen können. Die Wahrheit ist, dass uns einfach noch nichts Besseres eingefallen ist. Also halten wir es mit dem Architekten, dessen letzte Worte auf dem Sterbebett bekanntlich lauteten: Da müssen wir noch was ändern.


Freitag, 1. März 2024

Maschinen – A River Runs Through It

Professionelle Fitnessgeräte, in der Branche auch Maschinen genannt, prägen den ersten Eindruck beim Betreten eines jeden Fitnessclubs. Große und gut sortierte Clubs haben rund 180 Stück davon. Nicht wenige Menschen glauben, dass diese Maschinen die Köder sind, welche Betreiber auswerfen, um Fitnessinteressierte an die Angel zu bekommen. Für das bisschen Sport benötigt man ja wohl nicht solche Mengen von Metall? Doch diese Infrastruktur, die Trainingseinsteiger zunächst überwältigt und verunsichert, hat einen anderen Zweck: Sie schützt Trainierende vor sich selbst.

Drei Dinge haben fast alle Maschinen in Fitnessclubs gemeinsam, sie sind tonnenschwer, ergonomisch hochentwickelt und teuer. Die ersten dieser Maschinen wurden 1850 von dem schwedischen Arzt Gustav Zander entwickelt. Alte Bilder davon anzuschauen, mit Trainierenden in Korsett, bodenlangen Kleidern, zugeknöpfter Weste und gebundener Fliege, ist lustig. Ein kommerzieller Erfolg waren diese Maschinen zunächst nicht, weil sie als Heimtrainer für das gehobene Bürgertum vermarktet wurden. Damals wie heute sind Fitnessmaschinen hierfür jedoch zu klobig und teuer.

Tatsächlich hatte der gesamte Markt für Heimtrainer einen schweren Start. Ein frühes Gerät dieser Kategorie wurde bereits 1889 von einem Amerikaner aus St. Louis patentiert, der A. A. Whitely Exercising Apparatus. Dieser fand jedoch erst ab 2005 in vereinfachter Form unter der Marke TRX seine wohlverdiente Verbreitung. Dieses günstige und vielseitige Gerät kann prinzipiell ein Dutzend schwere Fitnessmaschinen ersetzen. Doch es birgt für Fitnessenthusiasten leider auch einige Risiken, denn es erfordert Trainingserfahrung und Körperkontrolle. Die Verletzungsgefahr bei der Nutzung von Heimtrainern ist einer der wesentlichen Gründe, aus denen Fitnessclubs jedes Jahr Millionen von Euro für professionelle Maschinen ausgeben. Diese ermöglichen ein abwechslungsreiches und herausforderndes Training mit minimalem Risiko der Verletzung. Fitnessclubs sind deshalb aus sportmedizinischer Sicht der Gegenpol zu Bolzplatz und Skipiste.

Funktional spielt es kaum eine Rolle, welche Marken Sie für die Einrichtung Ihres Fitnessclubs verwenden. Die Geräte der bekannten Hersteller sind durchweg hochwertig und empfehlenswert. Sie müssen sich selbstverständlich entscheiden, ob Sie einen einzigen Hersteller nutzen oder auf Spezialisten wie Hammer, Wolff, Swinn oder Milon setzen möchten, welche nur Teilbereiche bestücken können. Spezialisten sind tendenziell innovativer und können für einige Jahre das beste Geräte in einer bestimmten Kategorie anbieten. Doch dieser Wettbewerbsvorteil nivelliert sich rasch, weil die Gerätehersteller zum Nutzen aller Anwender natürlich kopieren, was das Zeug hält. Ein großer Nachteil von Spezialisten ist die Wartung. Hier haben große Anbieter die Nase vorn, denn sie besitzen etablierte und eng geknüpfte Servicenetze. Es verärgert Ihre Mitglieder zu Recht, wenn beliebte Geräte über längere Zeit defekt sind, weil ein Ersatzteil nicht verfügbar oder der Techniker erst wieder nächste Woche in der Gegend ist. 

Alle Geräte unterliegen einem nutzungsbedingten Alterungsprozess, der von der Anzahl der Trainierenden und Sorgfalt ihrer Pflege abhängt. Geräte für das Ausdauertraining haben in gut laufenden Anlagen eine sinnvolle Nutzungsdauer von 8-12 Jahren, bei Kraftgeräten liegt diese zwischen 10 und 15 Jahren. Der Maschinenpark eines größeren Clubs kostet bei Neuanschaffung zwischen 500.000 und 700.000 Euro. Zwei Jahre Garantie sind üblich, drei verhandelbar. Es kann sinnvoll sein, nicht alle Geräte, die Ihr Club bei Vollauslastung benötigt, bereits zur Eröffnung anzuschaffen. Manche Betreiber bevorzugen es, die Anzahl ihrer Maschinen parallel zur Anzahl der Nutzer wachsen zu lassen. Dagegen spricht, der erhöhte organisatorische Aufwand, welcher mit einer zeitlich gestaffelten Anschaffung, kleinteiligem Transport und der laufenden Auf- und Umstellung von Geräten verbunden ist. Dafür spricht, dass Ersatzinvestitionen später nicht in großen Wellen auf Sie zurollen, sondern sich in einen stetig fließenden Bach verwandeln. Nicht zu unterschätzen ist zudem die positive Stimmung, welche sich bei Mitgliedern und Mitarbeitern einstellt, wenn Sie die örtlichen Trainingsmöglichkeiten in Abstimmung mit den Beteiligten laufend verbessern.

Vermutlich sollten bei dieser Entscheidung weder finanzielle noch technische Aspekte im Vordergrund stehen. Dies gilt im Angelsport selbstverständlich auch. Unabhängig von der dort investierten Zeit und den Anschaffungskosten Ihrer Ausrüstung kann es passieren, dass Sie samstagfrüh unrasiert und müde beim Fischladen vorbei müssen, um mit der Familie abends feiern zu können. Auch in der Fitness spielt die Hardware keine große Rolle für Ihren Erfolg. Der beste Fitnessclub in Ihrer Stadt ist vermutlich nicht derjenige, welcher die breiteste Ausstattung besitzt. Ebenso wenig haben Robert Redford und Brad Pitt 1992 beim Fliegenfischen im Blackfoot River auf überlegene Technik gesetzt. Sie hatten verstanden, dass es gewöhnlich menschliche Kreativität ist, die aus einem Handwerk eine Kunst macht.



Krafttraining – Power To The People

Die Geschichte der Welt ist leider auch eine Geschichte menschlicher Gewalt. Wann immer eine ausreichend geschwächte Gesellschaft auf starke...