Dienstag, 1. November 2022

Energiepreise – Blowin' In The Wind

Der Fitnessclub erhöht die Preise, schließt die Sauna oder spart an der Heizung. Ein Skandal. Früher war alles besser. Doch auch der Betreiber ist von dem Anstieg der Energiepreise betroffen. Sorgt sich vielleicht um seine Existenz. Also reagiert er genauso wie Sie. Energie sparen, wo es möglich und am wenigsten schmerzhaft ist. Das ist pragmatisch und wird Sie beide voraussichtlich durch den Winter bringen. Doch wie geht es weiter? 

Einer der Gründe für den Anstieg der Energiepreise ist bekanntlich der russische Lieferstopp für Erdgas. Dieser Engpass wird zunächst durch die Umleitung globaler Rohstoffströme entschärft und kann ganz aufgelöst werden, wenn in Europa verfügbare Energiequellen wie Schiefergas erschlossen werden. Doch es gibt weitere Schuldige für unsere überteuerte Energie. Die Kollegen im EZB-Turm natürlich, welche den Außenwert des Euro in Rekordzeit um ein Viertel gesenkt haben, aber leider sind wir auch selbst schuld.

Deutschland deckt 78% seines Primärenergiebedarfs aus fossilen Brennstoffen, 10% aus Holz, Biomasse und Wasser, 6% aus Wind und Sonne, sowie weitere 6% aus Uran. Alle großen politischen Parteien treten seit vielen Jahren dafür ein, Deutschland von fossiler und nuklearer Energie zu befreien. Vorausschauend wurden schon voll funktionstüchtige Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke geschlossen. Die Gründe hierfür sind zweifelsohne nobel, doch die dadurch ausgelösten Folgen für unsere Versorgung sind weitreichend. Ein Ersatz für fossile und nukleare Energie existiert nämlich nicht, weder heute noch in den nächsten Jahrzehnten. Warum wohl kommen 94% unserer Energie aus Quellen, die mehrheitlich seit der Altsteinzeit bekannt sind? Darunter der letzte signifikante Neuzugang, Erdgas, im 3. Jahrhundert vor Christus.

Von den alternativen Energien können bei uns nur Solar- und Windkraft weiter ausgebaut werden. Dafür fest verbuchte Subventionen in der Periode 2000 bis 2025: 520 Mrd. Euro. Sind also keine Selbstläufer, um das mal nett zu sagen. Natürlich sind diese beiden Energiequellen wunderbar. Seit Jahrmillionen werden sie auf der Erde genutzt. Plankton, Flugsaurier und Ben Cartwright von der Bonanza-Ranch bedanken sich. Auch der Stamm der Yali aus dem Baliem-Tal in Westneuguinea kommt gut klar. Ein Industrieland wie Deutschland lässt sich damit aber nicht versorgen. Weil der Saft eben mal da und mal weg ist. Windräder sind bei uns im Schnitt 21%, Solaranlagen bloß 11% der Jahresstunden ausgelastet. Wann, das weiß keiner. Bläst der Wind und scheint die Sonne, dann erzeugen unsere Solar- und Windanlagen schon heute deutlich mehr Strom, als wir und unsere Nachbarn überhaupt gebrauchen können. Für ein paar Minuten zumindest, bis der Wind nachlässt oder eine Wolkendecke durchzieht. Dies destabilisiert das Stromnetz, in welchem Angebot und Nachfrage im Millisekunden-Bereich abgeglichen werden müssen.

Don Quichotte sah in Windmühlen Gegner, die es zu bekämpfen galt. Damit lag er falsch. Doch wir haben in den letzten zwanzig Jahren nur das Gute in ihnen gesehen. Der deutsche Tsunami an Subventionen in Energieformen, die unstetig und daher nur begrenzt sinnvoll sind, hat unserem Land die höchsten Strompreise der Welt und ein erhebliches Blackout-Risiko beschert. Die Umwelt indes hat kaum profitiert, weil im Hintergrund immer ein konventionelles Kraftwerk bollern muss. Eines das ständig rauf und runter gefahren wird und dadurch natürlich mehr verbraucht als sonst. Der Deutsche Wetterdienst hat festgestellt, dass mindestens 6-stündige Flauten bei uns praktisch jeden Tag auftreten. In zufälliger Verteilung. Selbstverständlich reicht schon eine Flaute von wenigen Minuten, um die Kollegen vom Kraftwerk ordentlich ins Schwitzen zu bringen. Strom, das wertvollste Gut nach Trinkwasser, wird bei uns also in einem System produziert, das unter Dauerstress steht. Die bittere Wahrheit ist: jeder neue Windpark verschlimmert diese Situation.

Zudem benötigen stillstehende Windräder erhebliche Mengen Energie. Die 30 Windräder des Riffgat-Parks vor Borkum, verbrennen 750 Liter Diesel an einem windstillen Tag. Für Sensoren, Kameras, Kommunikation, Pumpen, Kühler, Entfeuchter, Hydraulikbremse, Tyristor, Generator, Elektromotoren zum Drehen der Gondel, zum Anstellen der Rotoren und zum Start der Drehbewegung. Bei Frost werden die Rotorblätter elektrisch beheizt. Dasselbe passiert an Land, wo die Energie für inaktive Windräder meist aus dem konventionellen Stromnetz gezogen wird. Und das ist noch nicht alles: Eine Horde von Analysten sitzt rund um die Uhr in Alarmzentralen, um tausende von Montagetrupps zu defekten Windrädern zu schicken. Alle denkbaren technischen Berufe und Werkzeuge kommen dabei zum Einsatz. Das ganze System ist faszinierend. Nicht weniger beeindruckend als die Pyramiden von Gizeh oder die Moai auf den Osterinseln. Doch für die Umwelt sind solche Materialschlachten nicht hilfreich. Es ist daher kein Zufall, dass bei uns im Jahr 2020 die Emissionen pro Kopf mit 8,8 Tonnen deutlich über denen anderer reicher Länder lagen. China, welches sich herzlich wenig um die Umwelt schert, bewegt sich auf diesem Niveau. So etwas tut weh und ist peinlich für ein Land mit unseren Fähigkeiten und dem erklärten Willen, Gutes zu tun.

Umweltschutz kostet Geld. An unseren Flüssen sieht man, dass die Deutschen das Thema ernst nehmen und viel davon verstehen. Doch bei den Emissionen werfen wir Milliarden um uns, wie ein Dreijähriger Bauklötze. Ohne schlüssiges Konzept, voller Emotionen und Theatralik, frei von jedem Selbstzweifel. Und natürlich erfolglos. Daher schüttelt man im Ausland nur noch den Kopf über uns. Brüssel mal ausgenommen, weil dort ohne unser Geld gar nichts läuft. 

Probleme, sagte mal ein berühmter Physiker, kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Das wurde die letzten zwanzig Jahre mit deutscher Gründlichkeit versucht. Es ist Zeit, die Ergebnisse zu bewerten und erneut umzudenken. Dies nützt der Umwelt, Ihnen und natürlich auch Ihrem Fitnessclub. 


Samstag, 1. Oktober 2022

Studiosoftware – Scotty, wir brauchen alles, was die Mühle hergibt

Irgendwann musste es so kommen. Die alte Studiosoftware wird eingestellt. Nicht, dass die perfekt war, aber sie lief. Jetzt also eine neue. Nur mal so nebenbei, eine Studiosoftware macht dasselbe für einen Fitnessclub, wie Herz, Lunge, Leber, Nieren und so für Sie. Sieht man nicht, aber ohne ist schwierig. Das wussten schon die alten Ägypter und haben die Teile deshalb in Kanopen, den Tuppern der Antike, wieder zu den Mumien gestellt. Sicher ist sicher. Ein gutes Motto auch für Sie. Also, wenn der Vertriebler sagt: Stellen wir für Sie um, Sie brauchen sich um nichts zu kümmern, dann fahren Sie besser die Schutzschilde hoch.

Sie haben die Brücke. Lassen Sie das Ihre Leute machen. Verstehen werden Sie die Software in absehbarer Zeit sowieso nicht. Im besten Fall können Sie sich bis zur Umstellung merken, wo Sie die Zahlen herbekommen, die Sie halt brauchen. 

Lebe lang und in Frieden. Alles was Ihnen der Vertriebler erzählt, gleich wieder vergessen. Außer dem zugesagten Leistungsumfang und der Lizenzgebühr.

Faszinierend. Für jedes Thema, über das der Anbieter sagt, easy bei uns, planen Sie mindestens drei Wochen ein. Tönt der Anbieter, das schaffen wir alles in sechs Wochen, dann rechnen Sie besser mit sechs Monaten.

Nehmen Sie Kurs auf Nimbus 3 Mr. Sulu. Die neue Software kann mit den Ohren wackeln? Egal, machen Sie erstmal alles wie bisher. Nicht alles natürlich, aber so viel wie eben geht. Wenn die grundsätzlichen Dinge wieder normal laufen, können Sie immer noch Prozess für Prozess umstellen.

Wir haben ein Problem mit dem Warpkern. Viele Preismodelle sehen eine niedrige Lizenzgebühr für die Basisversion vor. Dann kommen sogenannte Optionen hinzu, welche die Kosten für Sie erheblich steigern können. Besonders ärgerlich ist, wenn Kernfunktionen, wie das automatische Einlesen von Rücklastschriften, als Optionen verkleidet werden. Stellen Sie also vor der Unterschrift sicher, dass die für Sie zwingend erforderlichen Funktionen im Produkt, das Sie kaufen, enthalten sind.

Captain, ich empfehle roten Alarm. Stimmen die Abbuchungsdatensätze aus Ihrem alten und dem neuen Programm überein? Falls nicht, Abbruch, Fehlersuche und zum nächsten Abbuchungstermin erneut probieren. Klappt es dann, wiederholen Sie den Vergleich mehrmals. Erst, wenn an verschiedenen Terminen keine nennenswerten Abweichungen bestehen, dann drücken Sie den Knopf zur Datenübertragung.

Ich funktioniere innerhalb normaler Parameter. Stellen Sie zunächst einen Club oder eine Region um. Erst, wenn es dort wieder läuft, sollte es weiter gehen.  

Willkommen an Bord. Jede Studiosoftware ist nur halb so gut, wie Sie der Hersteller glauben machen möchte. Identifizieren Sie die größten Lücken und suchen Sie dann nach pragmatischen Wegen, um diese zu kompensieren. Gehen Sie nicht davon aus, dass der Anbieter sein eigenes Programm besonders gut kennt und diese Lücken beseitigen wird. Größere Anbieter kaufen Ihre Software oft Stück für Stück zusammen. Die ursprünglichen Programmierer sitzen dann nach einer Weile mit Cocktails am Strand. In der Zentrale des Anbieters raufen sich Servicetechniker über Ihre Fragen die Haare. Faktisch zahlen Sie als Kunde junger Softwarefirmen dafür, dem Anbieter bei der Beseitigung von Fehlern in seinem Programm zu helfen. 

Volle Schubkraft voraus. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Ihre neue Software später programmiert wurde als die alte. Dies kann hilfreich sein, weil einige zeitgemäße Funktionen Teil der Originalprogrammierung waren, keine nachträglichen Bastelarbeiten am Code. Im besten Fall können Sie nach der Umstellung effektiver arbeiten und besser mit der Außenwelt kommunizieren. 

Ich fürchte, ich habe das Ziel um ein Deck verfehlt. Studiosoftwareanbieter sehen sich als FinTechs. Das ist gut für die Unternehmensbewertung und zieht auf Partys. Also wird automatisiert bis der Arzt kommt. Schauen Sie in unser Tutorial, kennen Sie unser Video, kann man in unseren FAQs nachlesen. Im Prinzip eine gute Idee. Nur sind die Kunden in diesem Fall Menschen, die in ihren Clubs rund um die Uhr tausende Mitglieder betreuen. Sie haben Jahrzehnte an Erfahrung im Umgang mit Clubhardware und -software. Sie stellen keine trivialen Fragen. Wenn Drehkreuz, Duschsteuerung oder das EC-Gerät nicht funktionieren, dann heulen die Sirenen auf allen Decks. Diese Leute brauchen Lösungen, und zwar sofort. Wer in dieser Situation auf ein Email-Ping-Pong mit Julia, Janine, Sascha oder Robert vom Support besteht, der verärgert und verliert mehr Kunden als nötig. Auch lernt er kaum etwas, weil der Support wenig Interesse an einer langfristigen Verbesserung der Software hat, sondern bis zum Schichtende möglichst viele Tickets wegfräsen möchte. 

Machen wir uns aus dem Orbit. Eine Testphase und ein Rücktrittsrecht sind empfehlenswert, falls sich das Preis-Leistungsverhältnis, der Support oder die Stabilität der Software als krass unzureichend erweisen. Gerade mit der Stabilität ist es so eine Sache, wenn frisch gebackene Betriebswirte erfahrenen Programmierern erzählen wollen, wie der Hase läuft. Anders als bei Microsoft, wo der Chef selbst ein Programmierer war. Excel lief immer gut, obwohl die Versionen bis 1997 einen versteckten Flugsimulator enthielten. Word hatte einen Flipper, Access hatte Magic 8. Solche Spiele wären auch in so mancher Studiosoftware sinnvoll, wenn das Programm mal wieder hängt und beim Support niemand zu erreichen ist. 

Unsere Absichten sind friedlich. Der neue Softwareanbieter ist wahrscheinlich kommerzieller eingestellt als Ihr alter. Das bedeutet in der Praxis, dass er Ihnen an jeder Ecke offen oder verdeckt Geld aus der Tasche ziehen möchte. Handelt es sich um Provisionen auf E-Post-, EC-Cash-, Inkassogebühren oder ähnliches, dann bleiben Sie locker und bedenken Sie Folgendes: der Anbieter muss zunächst überlegen, welche Funktion für Sie von Nutzen ist. Dann muss er Leute finden, die ihm bei der technischen Umsetzung helfen. Zudem muss er abschätzen, wie hoch der finanzielle Vorteil ist, den Sie aus dieser Funktion ziehen. Letztlich muss er die Funktion am Laufen halten und gelegentlich verbessern. Klingt selbstverständlich? Ist es nicht. Fragen Sie in Ihrem Bekanntenkreis herum, wer überhaupt Lieferanten hat, die zu so etwas in der Lage sind. Deshalb kann ein kommerzieller Softwareanbieter besser sein, als Codemuckel, die nur auf Zuruf arbeiten. Doch Vorsicht ist geboten.

Auf den Schirm. Es gibt Softwareanbieter, die Ihnen nicht nur die Studiosoftware, sondern auch eine Fitness-App anbieten. Insofern diese mit der Studiosoftware verbunden ist, kann das praktisch sein. Möglicherweise können Ihre Mitglieder in dieser App Kontaktdaten, die Zahlungsart und ihr Vertragsmodell ändern. Dadurch können Sie Kosten für die Datenpflege sparen. Lesen Sie jedoch die AGB und Datenschutzregeln der App sorgfältig, bevor Sie diese aktivieren. Dort können böse Überraschungen lauern, zum Beispiel ein uneingeschränktes Vermarktungsrecht des App-Anbieters für jedes Produkt und jede Dienstleistung auf diesem Planeten. In diesem Fall sollten Sie Ihre Kosteneinsparungsmöglichkeiten gegen den Verlust der Hoheit über Ihre Kundendaten abwägen. Bei kommerziell-orientierten Softwareanbietern kann das Vermarktungsrecht der Fitness-App der eigentliche Kern des Geschäftsmodells sein. Moralisch fragwürdig, aber smart. Die Masche wurde bereits von den alten Griechen erfolgreich angewendet. Nur dass es diesmal Sie sind, nicht die Trojaner, die Ihre Befestigungsanlage einreißen und das hölzerne Pferd in die Stadt ziehen. 

Sternzeit 3025,5. Wenn Sie erst einmal mit der Einführung der Software durch sind, dann werden Sie vermutlich froh sein, dass Sie den Wechsel vollzogen haben. Obwohl es mehr kostet als vorher, gar nicht Ihre Idee war und Ihre Leute im Anschluss einen ausgedehnten Urlaub brauchen. Aber nicht auf diesem scheinbar unbewohnten Planeten bei Omicron-Delta. Da hatte schon das Team von James Kirk im Dezember 1966 jede Menge Scherereien. Sogar Pille hat es dort erwischt. War aber kein Virus. 


Donnerstag, 1. September 2022

Clubmanagerinnen – Volle Kraft voraus

Ein Schwank aus dem echten Leben. Schmeiß diesen bescheuerten Kugelgrill weg. Der stinkt und Du brauchst ewig, bis der läuft. Ich will das Steak jetzt auf dem Grill sehen, nicht in einer Stunde. Tja, da hat die Dame des Hauses natürlich einen Punkt. Kommen Sie dann mit irgendwelchen geschmacklichen Nuancen, Brenndauer, Wärmespeicherung und so, dann war es das. Ab zu Metro, Q1000-Gasgrill einpacken und zurück. In einer solchen Situation haben Sie nur zwei Ansatzpunkte. Empathie, der erste. Du hast völlig Recht, nur kann so ein Ding mit der Zeit undicht und ein Risiko für Dich und die Kinder werden. Physik, der zweite. Da bin ich bei Dir. Nur habe ich neulich dieses YouTube-Video gesehen, wo so eine Gasflache abgegangen ist und enormen Sachschaden verursacht hat. Müssen Sie natürlich mit Fakten belegen. Dann kann es klappen, muss es aber nicht. Wir haben jetzt den Q1000.

Einen Clubmanager können Sie anrufen. Weißt Du, ich verstehe, das wäre eine spannende neue Trainingsmöglichkeit, aber im Augenblick … Einer Clubmanagerin können Sie so nicht kommen. Die hat sich alles vorher sehr genau überlegt. Wenn Sie da kein wirklich schlagendes Argument haben, und die gibt es in der Fitness selten, dann können Sie das geforderte Teil gleich bestellen. Sie haben sowieso keine Chance und die Sachen werden im Laufe der Zeit ja auch nicht billiger. 

Sun Tzu schrieb vor 2.500 Jahren: Begib Dich nicht auf ein Territorium, das Du nicht ohne Verluste wieder verlassen kannst. Männer verstoßen schon ab Geburt gegen diese Regel. Das Zusammenleben mit Frauen birgt für Männer stets eine erhebliche Gefahr materieller Einbußen. Früher in Israel, also im Kibbuz nach dem 2. Weltkrieg, da wurden die Kinder nach der Geburt von den Eltern, also auch Söhne von ihrer Mutter, getrennt. Das Konzept des Kinderhauses. Klingt etwas grob, entspricht aber wohl der Regel von Sun Tzu, wenn man sie gendermäßig interpretiert. Das Kinderhaus wurde schon früh heftig kritisiert und hat sich letztlich auch nicht durchgesetzt. Ebenso wenig wie andere Ideen zur Trennung der Geschlechter. Israel steht heute auch ohne Kinderhäuser ganz gut da. Frauen haben dort echt die Hosen an und Israel hat tolle Fitnessanlagen. Gegenden jedoch, wo sich das mit Frauen in Führungspositionen noch nicht so durchgesetzt hat, der übrige Nahe Osten, Afghanistan, Sierra Leone, Tschad und so, da gibt es keine guten Fitnessclubs. Zumindest hat man noch nie von welchen gehört. Auch wie es da sonst so aussieht.

Dann lieber wie bei uns: Da hast Du Recht, klasse Idee, bestell ich. Ist besser für alle Beteiligten.


Montag, 1. August 2022

Clubschließung – Can you hear the drums Fernando

Einen Flugzeugträger kauft man, weil man Leute beeindrucken möchte. Obwohl er weitgehend nutzlos ist. Viel zu groß und leicht mit selbststeuernden Raketen zu zerpflücken. Sie schießen einfach genug davon ab, bis die Kollegen an Bord nachladen müssen. Das wars dann. Einen Fitnessclub kauft man nicht, weil man Leute beeindrucken will. Ist zumindest die Ausnahme. Meist hat man sich vorher eingeredet, dass man damit Geld verdienen wird. Weil man so viel Ahnung hat. Das gilt auch für uns, in Frankfurt am Main. Hier kennen wir uns aus. Ja bitte? Unsere Stadt. Nicht, dass es an warnenden Stimmen gemangelt hätte. Nope. Die Fläche ist cool, der Eigentümer ein gestandener Industriebaron, pragmatischer Hausverwalter, überschaubarer Wettbewerb. Machen wir. Was derart scharfsinnig durchdacht ist, endet meist in Tränen. 

Werbung. Los ging es schon bei der Bauaufsicht mit der Außenwerbung. Anbringung eines selbstleuchtenden Ausstecktransparentes. Geht nicht, zu groß, abgelehnt. Verdeckt die Sicht auf die Liebfrauenkirche. Ja vielleicht, wenn ich im Gully hocke. Seien Sie froh, früher hießen wir Baupolizei. Nächste Station, Flyer verteilen. Die Stadt hat alle Werberechte langfristig an Ströer verpachtet. Eine Woche vorher anmelden. Die Gebühren für den Einsatz von 1 bis 3 Promotern belaufen sich auf 250 Euro pro Tag, jeder zusätzliche Promoter 70 Euro. Preise zzgl. Mehrwertsteuer. Vorab also 297,50 an Ströer überweisen. Selber Preis, wenn es regnet. Stadtmöbel, auch Ströer, das Poster läuft elektrisch rauf und runter. Möbelgeschäft, Küchenausstatter, dann wir. Die Kinder sind ganz aufgeregt. Schwupps, schon sind wir wieder weg. Habt Ihr nicht gesehen? OK, wir warten noch mal. So viel Gaudi für 415 Euro im Monat, zwei Jahre fest. Das Parkhaus gehört der Stadt, nette Leute da. 250.000 Parktickets werden bedruckt mit unserem Logo und einem Gutschein. Ein Jahr später die Frage: Kam eigentlich mal wer mit so einem Ticket? Nein, nie, nicht einer. 

Personal. Nach Frankfurt kommen jede Woche tolle Leute. Meist aus dem Umland, viele fitnessinteressiert und gut ausgebildet. Sind motiviert wie Lutzi, wenn sie kommen. Es macht großen Spaß, sie einzuarbeiten, zu zeigen wie alles läuft, sie auf eine Führungsaufgabe vorzubereiten. Dann, nach ein paar Monaten, ebbt die Begeisterung irgendwie ab. Ich hab da einen Bekannten, der macht Personal Training für Investment Banker. 300 Euro die Stunde. Der Mitarbeiter wird häufiger mal krank, kommt zu spät, kündigt irgendwann. Bis zum Ende des Monats zahlen wir noch. Als der Mitarbeiter ein paar Monate später merkt, dass es mit dem Personal Training doch nicht so einfach abläuft, ist es zu spät. Das Vertrauen ist zerstört. Wenn Sie das ein paar Mal hintereinander gemacht haben, dann können Sie den Abba-Refrain, Here we go again, nicht mehr hören.

Nebenkosten. Die Fläche an sich war schön. Dumm nur, dass aufgrund der Mischnutzung die Büros den Großteil der Wärme verbrauchen, während wir die Heizkörper immer fest zugedreht halten. Ein Drittel der Wärmekosten des Gebäudes wird flächenbezogen verteilt und wir haben nun mal die größte Fläche. Alte Technik, geht nicht anderes. Der sympathische Industriebaron stößt die Immobilie ab. Zwischen uns und den neuen Eigentümer schiebt sich eine Kaskade von Dienstleistern. Ein direktes Gespräch? Ausgeschlossen.

Wettbewerb. Im Laufe der Zeit schießen neue Clubs um uns herum aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen. Bei sechs oder sieben haben wir aufgehört zu zählen. Man hat den Eindruck, dass die Fitnessinteressierten in der Stadt Clubhopping als einen Sport betrachten. Sechs Monate frei für Clubwechsler, das ist hier üblich. Es werden nie genug Mitglieder, trotz unsäglicher Anstrengungen. Die Mitglieder, die wir haben, sind sehr zufrieden. Schön leer bei Euch. Ein Freund kommt vorbei, einer der sich auskennt. Wir schildern die Situation und er wird ganz still.

Fazit. Die Frankfurter Innenstadt ist ein schwieriger Markt. Wir gingen mit dem falschen Konzept an den Start. Die Fläche war für den Preis zu klein. Der Kontakt zum Eigentümer wurde abgeschnitten. Letztlich sind wir aber an unserer eigenen Hybris gescheitert. Die letzte Stunde hat geschlagen. Wörtlich. Wir setzen uns neben die Theke, um die frustrierten Mitarbeiter aufzumuntern. Ein Mitglied kommt auf uns zu. Wir denken, ach wie nett, der möchte etwas Trost spenden, sich bedanken oder so. Doch die letzten Worte in den geheiligten Hallen, bevor die Tür das letzte Mal ins Schloss fällt: Kann ich die Haushaltswaage haben? Brauch noch eine.


Freitag, 1. Juli 2022

Fitness-Apps – Der Spion, der mich liebte

Sie ist stets freundlich. Sie kennt die Welt. Sie hat erstaunliche Fähigkeiten. Sie ist vernetzt und sieht gut aus. Liebe auf den ersten Blick, zur Fitness-App. Wäre die nicht etwas für unsere Mitglieder? Fitness Apps können außer einem ansprechenden Design auch tolle Funktionen enthalten: Trainingspläne, Ernährungstipps, Kalorienzähler, Trainingsvideos, Chatbots, Bloggerkanäle, Fitnessnachrichten, Bonussysteme, aktuelle Mitteilungen aus Ihrem Club. Kundenbindung hoch drei. Tja, wenn da nicht die Allgemeinen Geschäftsbedingungen wären, die AGB der Fitness-Apps.

In denen steht nämlich, dass der App-Anbieter einen kostenfreien Zugang zu Ihren Mitgliedern erhält und deren Aktivität rund um die Uhr verfolgen darf. Er kann clubunabhängig Kontakt zu ihnen aufnehmen, zum Beispiel um einen Wettbewerber anzupreisen, der eine Provision für die Kontaktvermittlung zahlt. Er darf Ihren Mitgliedern Fitnessprodukte verkaufen oder Personaltrainer empfehlen, bei denen er mitverdient. Er ist befugt zu behaupten, technische Geräte oder therapeutische Maßnahme irgend eines Anbieters seien besonders gut. Kurzgesagt: Fitness-Apps sind Werbeplattformen.

Ja und? Die gibt es im Netz doch an jeder Ecke. Das stimmt natürlich, aber im Netz steht Ihr Ruf als Fitnessbetreiber nicht auf dem Spiel. Diese spezifische App soll mit Ihrem Logo geschmückt und von Ihnen empfohlen werden. Falls Sie einen Weltklasse-Service bieten, dann muss die App ja wohl auch richtig gut sein. Doch ist sie das? Eine Fitness App ist letztlich nur Software, die Menschen beobachtet und anderen auf Basis der gesammelten Daten ein ähnliches Verhalten empfiehlt. Ob diese Empfehlung für Ihr Mitglied richtig ist, das wissen Sie nicht. Im Zweifel steht der Rat Ihrer Trainerin, die das Mitglied kennt, gegen die Empfehlung einer Trackingsoftware. Der Rat Ihrer Trainerin kann falsch sein, aber der Rat der Software eben auch. Der Unterschied? Ihre Trainerin hat eine relevante Ausbildung, Trainingserfahrung und besucht regelmäßig Fortbildungen. Die Software macht, was im Algorithmus steht.

Einige Programmierer solcher Apps brüsten sich damit, inhaltlich von der Sache gar nichts zu verstehen, sondern einzig und allein den Daten zu vertrauen. Schwarmintelligenz wird das genannt. Ein Ansatz, der im Gesundheitswesen derart erfolgreich ist, dass es 50 Jahre nach Erfindung des Internets in Deutschland noch 65.000 Arztpraxen gibt, in denen Menschen eine individuelle Beratung suchen. Hinzu kommen 160.000 Physiotherapeuten, die ebenfalls persönlich betreuen. Unterschlagen wir mal Fitnesstrainer, Homöopathen, Logopäden, Psychologen und so, die ähnliches tun. Ein Videoclip, den ein Algorithmus heraussucht, wird schnell geschaut und direkt wieder vergessen. In Bezug auf unsere Gesundheit vertrauen wir lieber Menschen, die wir sehen und anfassen können. Möglicherweise ist das ein Relikt aus unserer Entwicklungsgeschichte. Doch das trifft letztlich auf fast alles zu, was wirklich Spaß macht.

Digitalisierte Trainingspläne und Lernvideos zu Fitnessübungen auf dem Smartphone sind sinnvoll. Mitglieder unaufdringlich über geänderte Öffnungszeiten oder neue Angebote im Kursprogramm zu informieren auch. Doch vermutlich stellen Sie in Ihrem Club weder Mitgliederlisten noch Anamnesebögen auf die Theke. Ebenso wenig sollten Sie Ihre Mitglieder reihenweise dazu animieren, sensible Informationen an Leute weiterzugeben, deren fitnessbezogene Kompetenz und Einstellung zum Datenschutz Sie nicht kennen.

Zudem existiert große Vielfalt: Es gibt Apps für Läufer, für Bodybuilder, für Turner, für Yoga-Begeisterte, für entspannte Freizeitsportler und für Kalorienzähler. Es gibt Apps, die sich auf eine einzige Trainingsform beschränken, und Apps, welche vor allem Nutzer vernetzen möchten. Im Idealfall kennen Ihre Mitarbeiter die wichtigsten Fitness-Apps, weil sie selbst begeisterte Sportler sind. Dann können sie App-Interessierte zu den Stärken der einzelnen Programme beraten oder den Kontakt zu anderen Mitgliedern herstellen, die diese nutzen.

Am Ende sollten Ihre Mitglieder jedoch selbst entscheiden, welcher digitale Assistent ihr Training am besten unterstützt und wie viele persönliche Daten sie an diesen weitergeben möchten.


Mittwoch, 1. Juni 2022

Frauenclubs – It's about what you believe

Jeder, der die Wonder Woman-Filme mit Gal Gadot kennt, hat ihn vor Augen, den Mythos der Amazonen. Selbstbewusste kriegerische Frauen, die zu Pferd in den Kampf ziehen. Das Buch zum Film stammt von Herodot aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. und basiert auf noch älteren Erzählungen. Soweit klar. Weniger bekannt ist, dass es diese reitenden Kriegerinnen tatsächlich gegeben hat. Die Legende sagt, dass sie zur Zeit der trojanischen Kriege an der Südküste des Schwarzen Meeres lebten. Wahrscheinlich wurden sie später an dessen Nordufer zu den Skythen verschlagen und gründeten dort das Volk der Sarmaten. Sicher ist, dass es jede Menge archäologische Funde weiblicher Krieger gibt, die mit goldbelegten Rüstungen, Zaumzeug und Waffen bestattet wurden, vom Altai Gebirge im Osten bis hin zum Molotschna-Fluss im Süden der Ukraine. Leider derzeit wieder ein Kriegsgebiet.  

Ohne jeden Zweifel beeindruckt die athletische Leistung, einen Pfeil zielgenau von einem galoppierenden Pferd aus abzuschießen. Hierzulande steht dem dafür erforderlichen Training jedoch das Bundeswaffengesetz im Wege. Nicht zuletzt deshalb kam vielleicht die Idee des Frauenclubs auf, eines Fitnessclubs, in dem Männer nicht trainieren dürfen. Eigentlich leicht nachvollziehbar. Männer können äußerst nervig sein, herumbaggern, glotzen, Tipps geben, die keiner hören will, und so weiter. Doch hätten die sarmatischen Kriegerinnen für ihr Training einen Frauenclub gewählt?

Wissen wir natürlich nicht. Doch es gibt gute Gründe, die dagegen sprechen:

Zunächst einmal waren sie Leistungssportlerinnen. Der Ausschluss von Männern ist, wenn es um Spitzenleistungen geht, sicher keine gute Idee. Wettbewerb ist nun mal eine Triebfeder für Leistungssteigerungen. Keine Männer bedeutet weniger Wettbewerb und weniger Spitzenleistungen. Da geht es gar nicht um Genderthemen, nur um das Gesetz der großen Zahl. 

Zudem waren sie Kriegerinnen. Da die Sarmaten in Bezug auf die Rolle der Frau in der Schwarzmeerregion eine Alleinstellung hatten, trafen sie im Kampf wohl überwiegend auf Männer. Einige davon müssen würdige Gegner gewesen sein. Andernfalls wären die beerdigten Kriegerinnen alle Großmütter gewesen, waren Sie aber nicht. Kriegerinnen suchen die Herausforderung und wollen gewinnen, was damals bedeutete: Männer eliminieren. Auch in dieser Hinsicht wäre der Frauenclub kein optimales Trainingsumfeld gewesen.

Letztlich waren sie Frauen. Gal Gadot sagt: men are essential for procreation, but when it comes to pleasure... unnecessary. Möglich, dass bei der Übertragung vom Altgriechischen ins Englische etwas dramatisiert wurde, wäre ja nicht das erste Mal in Hollywood. Doch muss gefragt werden, nach welchen Kriterien die sarmatischen Kriegerinnen wohl ihre Lebensabschnittspartner ausgesucht haben? Offensichtlich ging es dabei nicht um romantische Abendessen und Händchenhalten. Unnecessary lässt recht wenig Spielraum für Interpretation. Die damals verfügbaren Foren zur fortpflanzungsbezogenen Kontaktaufnahme waren überschaubar: Nachbarschaft, Wochenmarkt, Raubzüge und so.  Daher waren die Kriegerinnen sportlichen Wettkämpfen mit Männern sicher zugeneigt, allein schon zu Zwecken der Kandidatenschau und Qualitätsprüfung. Auch ist aufgrund der dabei wohl zum Einsatz gekommenen Trainingsgeräte - Schwerter, Lanzen, Pfeil und Bogen - anzunehmen, dass nicht alle Anwärter dies ganz schadlos überstanden haben. Aber Männer gab es aufgrund der ehr saisonal angelegten Nutzung ohnehin genug.

Zurück in die Gegenwart. Berufsbilder, Partnersuche und Trainingsmöglichkeiten haben sich weiterentwickelt. Wir möchten den Sinn und Zweck von Frauenclubs nicht grundsätzlich in Frage stellen. Die Motive moderner Frauen, welche keinen Spaß am Training in regulären Fitnessclubs haben, können vielfältig sein. Häufig sind wohl gar nicht die Männer das Thema, sondern schlechtes Management. Es gibt unzählige Betreiber, die sich lediglich als Geräteaufsteller verstehen und denen das Geschehen auf der Fläche weitgehend egal ist. Bei diesem Ansatz wundert es niemanden, dass viele Frauen abwinken. Doch es geht auch anders.

Zunächst der einfache Teil: Abgegrenzte Frauenbereiche, klar, die braucht man heutzutage. Auch gibt es Geräte, die von Frauen gern genutzt werden, welche aber ungewöhnliche Bewegungen erfordern. Adduktion, Abduktion beispielsweise. Solche Geräte müssen sorgfältig positioniert werden. Zumindest ein Satz davon gehört in den Frauenbereich, selbstverständlich mit einer korrekten Ausrichtung. Zudem muss man über den Stellplan der Geräte Auswahl schaffen. Manchmal möchten Trainierende im Zentrum schwitzen, manchmal lieber am Rande. Mal wird Abstand zu anderen Trainierenden gesucht, mal Nähe. Dies sollte ein guter Club ermöglichen, indem dieselben Trainingsgeräte in verschiedenen Bereichen des Clubs platziert werden. 

Nun zum anspruchsvollen Teil: Jeder gute Club benötigt vernünftige Regeln, die konsequent umgesetzt werden. Personen, gleich welchen Geschlechts, die sich anderen Mitgliedern gegenüber unangemessen verhalten, müssen unverzüglich angesprochen und, falls uneinsichtig, vor die Tür gesetzt werden. Die Mitarbeiter im Club müssen diese Entscheidung ad hoc und ohne Rücksprache treffen können, sonst leidet der Respekt vor ihren Anweisungen. Dafür benötigen Ihre Mitarbeiter Sensibilität und jede Menge Selbstvertrauen. Für beides sind Sie mitverantwortlich. Sie sollten Ihr Team sorgfältig schulen, selbstständiges Arbeiten fördern, und niemals eine Entscheidung zum Umgang mit Störenfrieden in Frage stellen.

Dass schlechtes Management ein Grund die Existenz von Frauenclubs sein könnte, ist lediglich eine Hypothese. Selbstverständlich teilen wir ohne Wenn und Aber die zeitlose Feststellung von Gal Gadot: The choice each must make for themselves.


Sonntag, 1. Mai 2022

Muskelshirts – Underneath Your Clothes

Warren Buffett, der für seine Bodenständigkeit bekannte Investor aus Omaha, nannte sein erstes Privatflugzeug The Indefensible. Jahrzehntelang hatte er Firmenchefs in Amerika vorgeworfen, das Geld ihrer Aktionäre zu verschwenden, unter anderem für Firmenjets. Dann kauft er selbst eines. Nicht zu begründen, nicht zu verteidigen. 

Wir haben kein Firmenjet. Doch auch bei uns gibt es Dinge, die sich im Grunde nicht verteidigen lassen. Eines davon betrifft das Muskelshirt, den Dental-Floss-Bikini für Kerle. Beim Training den Männern ein Muskelshirt untersagen und Frauen das Tanktop erlauben: Das ist ja wohl das Hirnrissigste, was ich jemals gehört habe. Diskriminierung von Männern. Umzingelt von Idioten. Gemeint sind natürlich wir. Warum also tun wir uns das an? All die aufgebrachten Gespräche im Club, die Emails und Ein-Sterne-Bewertungen, weil es Null-Sterne nicht gibt. Also, hier unsere Überlegungen.

Es ist sinnvoll, beim Sport Kleidung zu tragen, weil diese Gerüche bindet und Schweiß von Geräten fernhält. Vor kurzer Zeit wurde nicht einmal das Handgeben als schicklich betrachtet. Daher sollten Anstrengungen, einen Haut-Polster-Kontakt zu vermeiden, jedem einleuchten. Der Kontakt ist eklig und kann ungesund sein. Muskelshirts helfen in dieser Hinsicht im Fitnessclub deutlich weniger als normale lang- oder kurzarmige Sportbekleidung. Männer haben zudem meist mehr Muskelmasse als Frauen und trainieren anders. Dies macht transpirative und olfaktorische Themen für sie akuter.

Für Frauen gilt in Bezug auf Polster und Sportkleidung natürlich prinzipiell das Gleiche und deshalb empfehlen wir auch Frauen, auf Tanktops zugunsten etwas großflächigerer Teile zu verzichten. Aber es gibt zumindest einen inoperablen Unterschied zwischen den Geschlechtern: keiner Frau kann man vorschreiben, auf Lippenstift oder Tanktops zu verzichten. Wir haben es probiert, die US Army hat es probiert. Bei keinem hat es funktioniert. Geht einfach nicht. Es sei denn, Sie sind beim Taliban. 

Doch nicht nur im Orient, auch hier bei uns gibt es Gepflogenheiten für Kleidung, die sich zum Teil krass zwischen den Geschlechtern unterscheiden. Ein Banker kann Tag für Tag mit demselben blauen Anzug in die Filiale schlurfen, während von seiner Kollegin erwartet wird, dass sie sich jeden Tag kleidungsmäßig etwas Neues überlegt. Bei gesellschaftlichen Anlässen hingegen können sich Frauen deutlich mehr rausnehmen als Männer. Fazit: Gleichberechtigung bei Kleidung ist eine Illusion. 

Warren Buffett nannte sein zweites Flugzeug The Indispensable, das Unverzichtbare. So weit würden wir nicht gehen. Unsere Sichtweise ist nur eine von vielen. Wir behaupten nicht, die Weisheit gepachtet zu haben. Auch kennen wir die Zukunft nicht. Bald kommt bestimmt jemand, der sich von den Geschlechterbezeichnungen nicht angesprochen fühlt, oder ein Amtsgericht fordert freie Sicht auf männliche Achselhöhlen. Let’s cross that bridge when we get to it, sagt der Amerikaner, und schiebt zwei weitere Scheiben auf die Olympiastange.



Preise – Money, Money, Money

Nicht Hunger, Gewalt oder Krieg, sondern das Steben nach Gewinn sei das eigentliche Problem, meinen Viele. Kirchenvertreter predigen es seit...